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Der Gesang des Coyoten von Janacs, Christoph (eBook)

  • Erschienen: 24.11.2014
  • Verlag: Haymon Verlag
eBook (ePUB)
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Der Gesang des Coyoten

GESCHICHTEN ÜBER MEXICO - so facettenreich, geheimnisvoll und schön wie das Land selber. Christoph Janacs vermittelt in seinen Geschichten einen glaubhaften Einblick in die Kultur und eine große Vertrautheit zu seinen beschriebenen Figuren: Jerónimo erlebt mit seinen Freunden den Día de Muertos - der Tag endet für einen von ihnen tödlich; der Arbeiter Santiago zieht mit seiner Frau vom Norden Mexikos in die Hauptstadt, wo sie in den Slums von einem Wolkenbruch heimgesucht werden, der alles mit sich fortspült; ein Redakteur sieht in Vögeln, die vom Himmel fallen, die Vorboten einer Katastrophe; das Touristenpaar Robert und Doris durchstreift die Randbezirke der ausufernden Mexiko-Stadt und gerät in unheimliche Situationen. Ein Kaleidoskop des modernen Mexiko. Die Geschichten sind sehr facettenreicht. Und doch speisen sie sich aus einer gemeinsamen Quelle: einem Land, in dem die uralten Mythen der Azteken und Maya so lebendig sind wie der aktuelle Kampf ums Überleben, eine politische Situation, die zahlreiche Opfer kostet, und - nicht zuletzt - die Landschaft in ihren bizarrsten Ausformungen: einmal ist ihr Gesicht karg, dann wieder üppig, blühend, wuchernd, verschlingend. Janacs verzahnt die Geschichten kunstvoll ineinander, lässt die Figuren einmal Neben- und ein andermal Hauptdarsteller sein. So entsteht ein Netz von verschiedensten Erlebnissen und Erfahrungen, die aus der Realität oft ins 'Magische' und Absurde gleiten. Figuren und Leser werden gleichermaßen in Geheimnisse hineingezogen, durchleben dramatische Wendungen und Höhepunkte, die den Atem stocken lassen. 'Ich kann dieses Buch nur weiterempfehlen. Man spürt beim Lesen die Liebe des Autors zu Land und Leuten und sein Wissen über Mexiko.'

Christoph Janacs geb. 1955 in Linz, Studium in Innsbruck und Salzburg, lebt in Niederalm/Salzburg; Veröffentlichungen von Lyrik, Prosa, Essays und Übersetzungen (aus dem Spanischen und Englischen); Lehraufträge an der Universität Salzburg; diverse Preise, u. a. Rauriser Förderungspreis (1988), Stefan Zweig-Preis (1992), Prosapreis der Städte Hall und Brixen (1999). Zahlreiche Publikationen, zuletzt: Brunnennacht. Gedichte (1999), Tras la ceniza / Der Asche entgegen. Gedichte span./dt. (2000), Aztekensommer. Roman (2001),

Produktinformationen

    Größe: 503kBytes
    Herausgeber: Haymon Verlag
    Untertitel: Mexikanische Geschichten
    Sprache: Deutsch
    Seitenanzahl: 176
    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    ISBN: 9783709935194
    Erschienen: 24.11.2014
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Der Gesang des Coyoten

Der Vogel im Rinnstein

Warum ihm der Vogel im Rinnstein aufgefallen war, konnte er nicht mit Sicherheit sagen, war ihm doch der Anblick toter Tiere in diesem Land, in dem man seit jeher über das Sterben gnädig hinweggeblickt hatte, dafür aber umso inniger den Tod zu feiern verstand, durchaus geläufig: jeden Freitag, wenn er, um in sein Wochenendhaus zu gelangen, die Calzada Ermita Iztapalapa und danach die Carretera Federal Mexico-Puebla hinausfuhr, vorbei an den ausufernden Stadtrandsiedlungen mit ihren fahlen Beronkolossen, den Werkstätten, die oft nur aus einfachsten Wellblech- und Bretterbuden bestanden, den Schwarzbauten aus zusammengestohlenen Ziegeln und den engen, staubigen Gassen, auf denen die Kriminalität gedieh wie ein ansteckender Virus, sah er dutzende Kadaver halbverhungerter Köter am Straßenrand liegen, aufgebläht oder zerhackt von den Schnäbeln unverschämter Vögel, die sich auf ihrer Suche nach Nahrung immer tiefer in die Stadt vorwagten (ein Anblick, der eine arbeitsreiche und meist von Streß und Ärger mit unfähigen oder unwilligen Kollegen und Handgeld erwartenden Beamten geprägte Woche beendete und den er sich bei der Rückfahrt nach einem erholsamen Wochenende ersparte, weshalb er immer erst spätabends heimkehrte, wenn die Nacht die Sicht auf die dunklen, meist nicht oder nur unzureichend elektrifizierten Viertel nahm); alle paar hundert Meter lag ein toter Hund auf dem Schorterstreifen neben der Fahrbahn, manchmal auch eine Katze oder ein anderes nicht mehr identifizierbares Tier, und wenn er bedachte, mit welch stumpfen, fiebrigen Blicken diese Kreaturen die Straßen entlangtrotteten, auf den Beinen gehalten nur noch vom Wunsch, irgend etwas Preßbares zu finden, und sei es ein Papier, das man gierig ausschlecken konnte, und wie sie unvermittelt, ohne auf den vorbeirollenden Verkehr zu achten, die Straßenseite wechselten, dann wunderte ihn die Zahl der von Autos überfahrenen Hunde nicht mehr, die in diesem Land in die Tausende gehen mußte; wo auch immer er hinkam, es lagen tote Tiere in den Straßengräben, nur daß es auf den Überlandstrecken andere, größere waren, Ziegen, Schafe, Esel, auch an den aufgeblähten Kadaver eines Pferdes konnte er sich erinnern, auf dem diese schwarzen, krummschnäbligen Vögel hockten und in den leeren Augenhöhlen wühlten, die Ratten, die über den Körper huschten und an Haut- und Gewebefetzen zerrten, und die beiden Hunde, die sich um ein Stück rotes Fleisch stritten; und jetzt lag da vor ihm ein gewöhnlicher Vogel im Rinnstein, und ausgerechnet der hatte seine Aufmerksamkeit erregt.

Er trat vom Gehsteig und schubste das tote Tier mit dem Schuh an. Bei Tieren kannte er sich nicht besonders aus, bei Vögeln schon gar nicht. Für eine Taube schien er ihm jedenfalls zu klein; wahrscheinlich zählte er zu jener Spezies, die in Scharen die Parkbäume bevölkerte und jeden Abend ein Gezeter anstimmte, als gelte es, den restlichen Lärm der Stadt zu übertönen. Er konnte auch keine Verletzungen erkennen. Der Vogel lag einfach da, Schnabel und Augen aufgerissen, als hätte ihn jemand erwürgt. Das Gefieder war aufgeplustert und nur wenig verschmutzt: der Vogel konnte also noch nicht lange hier liegen. Er schob das Tier mit dem Fuß unter einen Wagen, bis es nicht mehr zu sehen war. Dann ging er weiter.

Unten an der Kreuzung Balderas/lndependencia stieß er auf Guillermo, der gerade versuchte, eine Quesadilla in seinen Mund zu stopfen, ohne sich dabei anzupatzen.

¿Algo nuevo?

Guillermo konnte man fragen, worüber man wollte, er war immer auf dem laufenden und gab stets bereitwillig Auskunft.

Nur das Übliche. Der Peso fällt, die Arbeitslosigkeit steigt. Ansonsten gehts uns gut, wenn man Señor Presidente Glauben schenken darf.

¿Nada extraordinario?

¿A qué te refieres?

Keine Katastrophen? Kein Erdbeben? Nicht einmal ein Chemieunfall?

Guillermo hob den Kopf und glotzte ihn an, die Lippen rotverschmiert von der Sal

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