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Der Glasberg: Roman einer Jugend, die hinauf wollte Philosophischer Roman (Einschulung + Die Schöpfung der Welt + Studentle der Hexerei + Bertas Glasbergle + Reicher als die Welt + Die Meuterei + Zwischen Himmel und Erde) von Wille, Bruno (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 04.09.2015
  • Verlag: e-artnow
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Der Glasberg: Roman einer Jugend, die hinauf wollte

Dieses eBook: 'Der Glasberg: Roman einer Jugend, die hinauf wollte' ist mit einem detaillierten und dynamischen Inhaltsverzeichnis versehen und wurde sorgfältig korrekturgelesen. Bruno Wille (1860-1928) war ein deutscher Prediger, Journalist und belletristischer sowie populärphilosophischer Schriftsteller. Als philosophischer Schriftsteller vertrat Wille eine 'Philosophie der Befreiung', wobei er sich auf Friedrich Nietzsche, Max Stirner und den Buddhismus berief. In seinem Spätwerk wandte er sich mehr einer pantheistischen Naturmystik zu, mit der er sich an die Philosophie Gustav Theodor Fechners anlehnte, sie aber auch weiter entwickelte. Aus dem Buch: 'Umfassender noch möcht' ich schauen - also hinauf ins Hohe, Freie! Je höher ich komme, desto leichter wird mir, und schließlich ist es, als ob ich schwebe - wie eine Taube, stillen Fittichs. Oder als ob die Landschaft vorüberziehe am ruhig Schauenden. Wie wallendes Gewölk. Selbst der Berg, an dem ich weile, hat etwas Wolkenhaftes. Nicht aus Erdenstoff besteht er, sondern aus Lichtduft - blaugrüner und goldiger Dunst, bildet runde Stufen, die sich himmelan häufen. Und nun sind diese Stufen Musik, ein rätselhaft süßes Gewoge von Klang ...'

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 380
    Erscheinungsdatum: 04.09.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788026844013
    Verlag: e-artnow
    Größe: 868 kBytes
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Der Glasberg: Roman einer Jugend, die hinauf wollte

Lustnau

Inhaltsverzeichnis
"Bitte, links!" sagte Hainlin, als wir auf die Straße kamen. Er ging zwischen Vater und mir. Ich beobachtete ihn verstohlen. Er war noch größer als mein Vater, von einer graden Haltung. Ein edelschöner Mensch. "Wenn's Ihne paßt, gange mr's näckschte Wegle nach Luschtnau - dicht unterm Oehschterberg - Oesterberg," verbesserte er seine schwäbische Mundart. - "Sie sind der Führer," antwortete mein Vater, und wir bogen von der Wilhelmstraße ab. Steil erhob sich über uns eine Bergwiese mit Obstbäumen.

"Ist der Oesterberg hoch?" fragte ich schüchtern - worauf Hainlin den Bescheid gab: "Bei Tübingen sind die Berge überhaupt net hoch, und der Oesterberg ist hier net grad die höckschte Erhebung. Hat aber umfassende Aussicht. In langer, blauer Kette sieht mr da die Alb - au ebbes vom Schwarzwald. Du kennscht 'Des Knaben Berglied', gelt? Ich bin vom Berg der Hirtenknab, schau auf die Schlösser all herab ... Dees hab d'r Uhland, sagt mr, auf dem Oehschterberg gmacht." - "Oh!" staunte ich - "dann muß es wunderschön da oben sein! Aber wo sind denn hier die Schlösser, auf die man herabschaut?" - "Ha, Büble!" lächelte Hainlin. "Net grad die Aussicht vom Oehschterberg hat der Uhland schildre wolle - bloß daß ihn dieser Berg in Stimmung versetzt hat. Uebrigens sieht mr drobe Schlösser gnug. Da wär vor allem unser Tübinger Schloß, gelt? Aus der Ferne winkt das Zollernschloß - auch der Neuffen - die Achalm - auf der andern Seite die Weilerburg und noch andre Ruinen."

"Das muß ja großartig sein," bemerkte mein Vater. "So recht was für uns! Naturfreunde sind wir, der Junge schwärmt auch noch für Romantik." - "Recht so!" meinte Hainlin. Und meinen Vater teilnehmend von der Seite betrachtend, fügte er hinzu: "Es ist nur gut, daß Ihr Augenleiden Sie net allzu arg stört!" - "Na ja, in die Ferne sehe ich leidlich, der Blick ins Grüne tut mir sogar wohl. Nur daß im Bild ein Flimmern ist, das beunruhigt. Immerhin! Meines einen Auges will ich mich freuen, solange es noch brauchbar. Wie lieblich ist nun dieses Bild!" Mein Vater blieb stehen, wie er gern tat, wenn er betrachten wollte. Nach links deutend, fuhr er in wehmütiger Freude fort: "Oh, diese blumige Wiese - und der Bach, hindurchgeschlängelt - mit den silbernen Weidenbüschen! Drüben der Baumweg führt also nach Lustnau? Oh, und dahinter die sonnigen Berghalden! Obstgärten, Weinberge mit niedlichen Laubenhäuschen. Alles so duftig zart ..."

Trunkenen Blickes nickte Hainlin: "So zart, als wär's kein Erdenstoff - als wär's eitel Himmelsglascht!" - "Glas?" fragte ich. - "Du denkst wohl an deinen Glasberg?" scherzte Vater. - "Nicht Glas," sagte Hainlin in norddeutscher Aussprache, "sondern Glast - das bedeutet bei uns Glanz. Ich meine, wie körperloser Himmelsglanz wirkt dieses Bild." - "Paradiesisch!" schwärmte mein Vater. "Recht hat Ihr Uhland, seiner schwäbischen Heimat mit den Worten zu huldigen: Man sagt, du seist ein Garten, du seist ein Paradies."

"Sie brauchten den Ausdruck Glaasberg, Herr Wille - was meinen Sie damit?" - "Der Junge faselt vom Glasberg. Dichtet ihn sogar an. Kennen Sie nicht die Sage?" - "Im alten Gedicht Titurel kommt ein Glasberg vor," erwiderte Hainlin. "Und irre ich nicht, auch im Märchen von den sieben Raben, das die Brüder Grimm aus Volksüberlieferungen geschöpft haben. Unsere Urväter meinten, das Firmament sei aus Glaas. Ein Wipfel der Esche, die nach germanischem Glauben das Weltall bedeutet, heißt Lichtelfen-Heim - es glastet hoch über der Menschenwelt und hat eine Götterhalle namens Gladsheim." - "Sie sind wohl Germanist?" sagte mein Vater bewundernd. Hainlin lächelte: "Es gibt hier noch Studenten, die auf Uhlands Pfaden wandeln. Ihr Glaasberg - möcht ich zusammenfassend sagen - bedeutet das Himmelsgewölb - eine Glast-Elfenburg - auf gut schwäbisch könnt mr sage: Glaschtelfingen. Sie wissen ja, im Ländle enden die Ortschaftsnamen gern auf ingen: Tübingen, Reutlinge

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