text.skipToContent text.skipToNavigation

Der gute Banker von Murray, Paul (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 24.08.2016
  • Verlag: Verlag Antje Kunstmann
eBook (ePUB)
19,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Der gute Banker

Hat Claude Martingale gehofft, er könne seinem Leben als Banker durch seinen Umzug von Paris nach Dublin die ersehnte Wende geben? Sein neuer Job in der aufstrebenden Bank von Torabundo raubt ihm jedenfalls schnell jegliche Illusion. Auch hier verbringt er, wie alle seine Kollegen, seine Tage und Nächte einzig im Dienste des Geldes. In diese lähmende Eintönigkeit platzt der Schriftsteller Paul, der, auf der Suche nach neuem Stoff, Claude zu seinem modernen Jedermann erkoren hat, zum Helden seines künftigen literarischen Meisterwerks. Unter Pauls höchst erfindungsreichem Einfluss wird Claudes Leben tatsächlich aufregender, besonders als die schöne griechische Kellnerin Ariadne ins Geschehen tritt. Doch Paul treibt ein doppeltes Spiel, und auch die Bank von Torabundo erweist sich als weniger ehrenwert als erhofft: zwielichtige Übernahmen, dubioser Derivatehandel und eine neue Unternehmensstrategie, die sich "kontraintuitives Handeln" nennt - kann das alles gut gehen?

Paul Murray, geboren 1975, studierte Englische Literatur und Creative Writing an der University of East Anglia. Danach arbeitete er als Buchhändler. Nach An Evening of Long Goodbyes (2005) und dem Bestseller Skippy stirbt (2011) ist dies sein dritter Roman. Er lebt in Dublin und gilt als eine der bedeutendsten Stimmen der irischen Literatur.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 500
    Erscheinungsdatum: 24.08.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783956141508
    Verlag: Verlag Antje Kunstmann
    Übersetzt von: Übersetzung: Müller, Wolfgang
    Originaltitel: The Mark and the Void
    Größe: 830kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Der gute Banker

1

Eine Bootsfahrt

Als Heilmittel gegen das Leben in der Gesellschaft: die Großstadt. Sie ist für alle Zukunft die einzig begehbare Wüste.

Albert Camus



" CLAUDE ?"

"Ja?"

"Was machst du unter deinem Schreibtisch?"

"Ich?"

"Versteckst du dich etwa?"

"Warum sollte ich mich verstecken?", sage ich. Ich warte noch eine Sekunde und hoffe, dass sie sich damit zufriedengibt, aber ihre Füße rühren sich nicht vom Fleck. "Ich suche meinen Tacker."

"Oh", sagt Ish. An einem Knöchel, zwischen dem Lacklederpumps und dem Saum ihres Rocks, baumeln an einer feingliedrigen Kette mehrere kleine Tieranhänger. Auf den fusseligen blauen Teppichfliesen nähert sich ein Paar braune Budapester und bleibt neben Ishs Pumps stehen.

"Was ist los?", höre ich Jürgen sagen.

"Claude sucht seinen Tacker", sagt Ish.

"Oh", sagt Jürgen. Und dann: "Da liegt er doch, mitten auf dem Schreibtisch."

"Tatsächlich", sagt Ish. "Claude, dein Tacker liegt auf dem Schreibtisch."

Ich stehe auf und schaue auf den Punkt, auf den ihr Finger zeigt. "Ah!", sage ich und versuche ein erfreutes und überraschtes Gesicht zu machen.

"Kommst du mit zum Essen?", fragt Jürgen. "Wir gehen in den Hippieladen."

"Ich habe ziemlich viel zu tun", sage ich.

"Es ist Freitag, Claude, Casual Day", drängelt Ish. "Du kannst doch am Casual Day nicht am Schreibtisch essen!"

"Ich habe heute Nachmittag noch einen Termin mit Walter."

"Komm schon, Claude, du kannst doch nicht nur von Carambars leben." Sie greift nach meinem Arm und zieht daran.

"Okay, okay", sage ich, greife nach meiner Anzugjacke und tue so, als fiele mir der missbilligende Blick nicht auf, mit dem sie mich mustert.

Zu Hause in Australien hat Ish Anthropologie studiert. Den Casual Day, eins der wenigen Rituale, die wir bei der Bank of Torabundo haben, nimmt sie sehr ernst. Für die meisten Angestellten tun es gebügelte Chinos und vielleicht noch ein geöffneter Hemdkragen, aber Ish trägt ein tief ausgeschittenes, mit Quasten besetztes Top und einen langen, bunten Rock, ebenfalls mit Quasten. Sie hat für den Anlass sogar ihre gebräunte Haut noch etwas aufgepeppt. Das dunkle, speckige Braun sieht aus, als hätte sie sich den Körper mit Pastete eingerieben. Als mir dieses Bild in den Sinn kommt, wird mir sofort übel. Im Lift nach unten hebt und senkt sich mein Magen wie bei einer Achterbahnfahrt. Im günstigsten Fall macht mich der Casual Day übellaunig. Heute treibt er meine Paranoia zu neuen, unguten Höhen.

"Kommt Kevin auch?", frage ich, um mich abzulenken.

"Er ist schon vorgegangen und versucht einen Tisch zu ergattern", sagt Ish.

"Am Casual Day ist in dem Laden die Hölle los", sagt Jürgen. Der Lift hält in jedem Stock und nimmt weitere Leute mit gebügelten Chinos und geöffneten Hemdkragen auf. Sie quetschen sich zu uns und saugen die Luft ab. Von dem Gedränge bekomme ich Herzrasen: Ich bin erleichtert, als ich durch die Doppeltüren des Transaction House hinaus in die frische Luft treten kann - aber nur für einen Augenblick.

Pastellfarbene Wellen identisch gekleideter Menschen ergießen sich von allen Seiten auf die Plaza. Ich scanne die herandrängenden Gesichter, schaue in die nichtssagenden Blicke, die meinem begegnen. Inmitten all der eleganten Lockerheit sollte eine Gestalt in Schwarz leicht auszumachen sein - was aber bedeutet, dass auch ich ein nicht zu übersehendes Ziel bin. Plötzlich steht mir das eingefrorene Bild vor Augen, auf dem er sich durch das Meer aus Leibern drängt wie eine in gesundem Blut schwimmende Krebszelle.

"Ich überlege gerade, ob ich mir ein Bidet anschaffen soll", sagt Ish.

"Für die neue Wohnung?", fragt Jürgen.

"Hatte ich am Anfang gar nicht dran gedacht. Aber dann hat der Kerl aus dem Ausstellungsraum angerufen und gemeint, weil ich die k

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen

    ALDI life eBooks: Die perfekte App zum Lesen von eBooks.

    Hier finden Sie alle Ihre eBooks und viele praktische Lesefunktionen.