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Der Halbmarathon-Mann Roman von Bläsing, Rolf (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.05.2011
  • Verlag: Aufbau Verlag
eBook (ePUB)
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Der Halbmarathon-Mann

Sind wir nicht alle ein wenig Rimbach? Männer brauchen Konkurrenz. Wettkampf. Und: einen Plan! Ralf Rimbach, System Administrator mit Bauchansatz, verliebt sich in Julia - eine Frau, die eigentlich eine Nummer zu groß für ihn ist. Um sie zu erobern und sich als ihr Traummann zu inszenieren, ruft er das Projekt 'Conquest' ins Leben. An dessen Ende steht eine Hochzeit. Oder ein Halbmarathon. Oder beides. Ein wunderbarer Roman über einen Mann, den eine Frau und der Blick in den Spiegel auf Trab bringen. 'Der heutige Mann geht meist den kürzesten Weg von der Geburt bis zur Agonie. Dass er zwischendrin auch ein Leben haben könnte, merkt er erst, wenn eine anstrengende Fee ihn wachküsst. Diese Komödie zeigt seine Verwandlung.' Oliver Uschmann ('Wandelgermanen') Rolf Bläsing, geboren 1958, gewann durchs Laufen wichtige Erkenntnisse: Regelmäßige Bewegung relativiert kleinere bis mittlere Fehler beim Ess- und Trinkverhalten - und: Selbst bei Regen kann man sich draußen bewegen, ohne daran zugrunde zu gehen.Er lebt, läuft und schreibt in Hessen

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 267
    Erscheinungsdatum: 12.05.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783841202857
    Verlag: Aufbau Verlag
    Größe: 3981 kBytes
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Der Halbmarathon-Mann

1

Rimbach litt. Er hatte gut zehn Kilo zu viel mit auf die Strecke genommen und keine praktische Erfahrung mit dieser seltsamen Sportart, die "das Laufen" genannt wurde. Angestrengt versuchte er, genügend Luft in seine Lungen zu schaufeln. Schweiß brannte in seinen Augen und Schmerz in seinen Beinen, doch er lief weiter und schaffte es, das Tempo hoch zu halten, selbst dann noch, als er bereits knapp zweihundert Meter zurückgelegt hatte.

Er hätte Zweifel haben können an seiner körperlichen Verfassung, hätte sich fragen müssen, ob er die für ihn geeignete Sportart betrieb, sofern es die überhaupt gab, doch solche Fragen verboten sich von selbst. Dieser Lauf, und alle folgenden, war Teil eines Projekts, das er selbst ins Leben gerufen hatte. Das Projekt hieß "Conquest", und sein Ziel war die Eroberung der begehrenswertesten Frau, die je seinen Weg gekreuzt hatte.

Eine Woche vorher saß er in einem Büro im dritten Stock der Konzernniederlassung, schaute hinaus auf den Brunnen und hatte noch keine Ahnung von dieser dramatischen Zuspitzung. Er hatte gerade, um erst mal reinzukommen in den Arbeitstag, ein paar "Standards" erledigt und einigen Benutzern neue Programme vom Server installiert. Die Fragen dazu würden nicht lange auf sich warten lassen, aber dazu war Rimbach ja unter anderem da. Support-Mitarbeiter, das hatte entfernt auch etwas mit Unterstützung zu tun. Danach hatte er einige Makros durchgetestet, die bald zur Anwendung kommen sollten, es ging dabei um Formulare, die für alle Mitarbeiter der Niederlassung zentral bereitgestellt wurden.

Die Niederlassung des Konzerns bestand aus drei fünfstöckigen Riegeln, die zusammen ein großes U bildeten. In dem mit Granit ausgelegten Innenhof befand sich ein Brunnen. Er war quadratisch, und aus seinen Ecken ragten etwa einen Meter lange, gebogene Rohre aus Edelstahl. Jedes Rohr spuckte im Wechsel je einen armdicken Strahl aus, der kurz darauf an der gegenüberliegenden Seite des Brunnenquadrats lautlos wieder eintauchte. Wasser, gezielt gelenkt. Das war genau so viel Natur, wie er zwischendurch brauchte.

Wenn Rimbach einen Auftrag erledigt hatte, dann schaute er oft auf den Brunnen, es erleichterte ihm das Umschalten auf ein neues Projekt und löschte unnütz gewordene Überlegungen und Daten aus seinem Arbeitsspeicher.

Sein Job hatte Vorteile. Er bestand hauptsächlich aus dem gutbezahlten Abarbeiten leicht lösbarer Aufträge; ganz angenehm, wenn man bereit war, zwischendurch bei größeren Projekten auch mal ein paar Wochen ohne Rücksicht auf längere Arbeitszeiten durchzuziehen.

Nebenbei fand er noch Zeit, ein bisschen im Konzern herumzulaufen und verzweifelten Anwendern bei kleineren Problemen mit dem Handling beizustehen. Das fiel ihm leichter als einigen seiner Kollegen, denn er hatte die richtige Einstellung dazu gefunden: Wenn man es als naturgegeben hinnahm, dass der gewöhnliche Anwender eine Änderung, und sei sie noch so unbedeutend, auf Anhieb weder begreifen noch akzeptieren würde, erleichterte das die Aufklärungsarbeit. Man musste einfach immer wieder bei null beginnen.

Die Anwender empfanden diese Haltung als Einfühlungsvermögen, und so hatte er einen festen inoffiziellen Kundenstamm, bei dem er sich immer wieder mal blicken ließ. Die Kunden waren allerdings handverlesen, das heißt, bei einigen war er sofort zur Stelle, während es sich bei anderen terminlich einfach nie einrichten ließ.

Angenehm war die fehlende Kleiderordnung im IT-Bereich. Er und seine Kollegen konnten sich frei und in bequemen Klamotten bewegen und darüber spekulieren, warum es einem aus der Buchhaltung möglicherweise leichter fiel, seine Arbeit zu verrichten, wenn er dabei eine Krawatte trug.

"Was ist los? Stellst du dir gerade Julia Jenner nackt im Brunnen vor?", fragte Krüger, der ihm gegenübersaß.

"Klar", sagte Rimbach, "zur Inspiration, zur Einstimmung auf den Auftrag.

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