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Der Hilfsprediger Roman von Mantel, Hilary (eBook)

  • Verlag: DuMont Buchverlag
eBook (ePUB)
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Der Hilfsprediger

Irgendwo im nördlichen England der Fünfzigerjahre: Fetherhoughton ist ein gottverlassenes Nest, eine Enklave der Ignoranz und des Aberglaubens. Father Angwin ist hier der Gemeindepriester, ein Zyniker, der längst seinen Glauben verloren hat und nur noch in Ruhe gelassen werden will; vor allem von dem neuen Bischof, der die Region in moderne Zeiten führen will. Die zweite Heimsuchung des Priesters ist Mutter Perpetua, die ihr Kloster mit eiserner Hand führt und jede Abweichung vom Pfad des Glaubens hart bestraft. Sie hat es vor allem auf die freiheitsliebende junge Nonne Philomena abgesehen. Eines Abends taucht ein Fremder an der Tür des Pfarrhauses auf und bietet Father Angwin seine Dienste an. Ist er ein Spion des Bischofs, wie Angwin glaubt? Ist er ein Engel, der den Priester wieder glauben lässt und Philomena die Liebe lehrt? Oder gar der Teufel selbst? Trockener Humor, hervorragende Charakterzeichnung und ein bissiges Porträt der Kirche im England der Fünfzigerjahre. "Der Roman ist leicht, geistreich, scharfsinnig und lustig; dabei behandelt er ernsthaft die Frage, was gut und was böse ist." EVENING STANDARD Hilary Mantel, geboren 1952 in Glossop, England, war nach dem Jurastudium in London als Sozialarbeiterin tätig. Für den Roman Wölfe Falken Der Hilfsprediger

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 208
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783832189679
    Verlag: DuMont Buchverlag
    Originaltitel: Fludd
    Größe: 1207 kBytes
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Der Hilfsprediger

K APITEL EINS

Am Mittwoch kam der Bischof persönlich. Er war ein moderner Prälat, forsch und füllig, mit randloser Brille, und nichts gefiel ihm besser, als mit seinem großen schwarzen Wagen durch die Diözese zu rasen.

Zur Sicherheit hatte er zwei Stunden vor seiner Ankunft angerufen, was unter den gegebenen Umständen ratsam war. Das Klingeln des Telefons in der Diele des Gemeindepfarrers hatte etwas gedämpft Geistliches. Miss Dempsey hörte es auf ihrem Weg aus der Küche. Einen Moment lang stand sie da, betrachtete den Apparat und ging dann behutsam auf den Fußballen darauf zu. Sie hob den Hörer ab, als könnte sie sich daran verbrennen. Den Kopf zur Seite geneigt, die Hörmuschel in einigem Abstand von ihrer Wange, lauschte sie der Nachricht des bischöflichen Sekretärs. "Ja, Mylord", murmelte sie, wobei ihr im Nachhinein klar wurde, dass der Sekretär das nicht verdient hatte. "Der Bischof und seine Speichellecker", sagte Vater Angwin immer. Miss Dempsey nahm an, sie waren so etwas wie Diakone. Sie hielt den Hörer mit den Fingerspitzen und legte ihn mit großer Sorgfalt zurück auf die Gabel, stand im düsteren Licht, dachte nach und senkte kurz den Kopf, als hätte sie den Heiligen Namen Jesu gehört. Dann ging sie zur Treppe und bellte nach oben: "Vater Angwin, Vater Angwin, stehen Sie auf und ziehen Sie sich an. Der Bischof wird uns noch vor elf heute heimsuchen."

Miss Dempsey ging zurück in die Küche und schaltete die elektrische Deckenleuchte ein. Es war kein Morgen, an dem das Licht einen großen Unterschied machte: Wie eine dicke graue Decke hing der Sommer über dem Fenster. Miss Dempsey hörte das unablässige tropf, tropf, tropf von den Ästen und Blättern draußen und dazu ein dringlicheres metallisches Tropfen, pitt-patt , pitt-patt , von der Dachrinne. Ihre Gestalt bewegte sich, das elektrische Licht hinter sich, über die trist grüne Wand, riesige Hände trieben zum Wasserkessel, ihre Glieder wie durch ein dickflüssiges Meer zum Herd. Oben schlug der Pfarrer mit einem Schuh auf den Boden und tat so, als wäre er bereits auf dem Weg.

Zehn Minuten später stand er tatsächlich auf. Sie hörte das Knarzen der Dielen, das Gurgeln des aus dem Becken abfließenden Wassers, seine Schritte auf der Treppe. Er seufzte sein einsames Morgenseufzen, als er den Flur herunterkam, war plötzlich hinter ihr und fragte: "Agnes, haben Sie etwas für meinen Magen?"

"Ich denke schon", sagte sie. Er wusste, wo das Salz stand, aber sie musste es ihm holen, als wäre sie seine Mutter. "Waren heute viele in der Sieben-Uhr-Messe?"

"Komisch, dass Sie fragen", sagte Vater Angwin ganz so, als fragte sie das nicht jeden Morgen. "Ein paar alte Marienkinder waren da, dazu die gewohnten Hilflosen. Ist das ein besonderes Fest für sie? Die Walpurgisnacht?"

"Ich weiß nicht, was Sie meinen, Vater. Ich bin selbst ein Marienkind, wie Sie wissen, und ich habe nichts dergleichen gehört." Sie wirkte gekränkt. "Trugen sie ihre Umhänge und alles?"

"Nein, sie waren in Zivil, einfach in ihren normalen Pferdedecken."

Miss Dempsey stellte die Teekanne auf den Tisch. "Sie sollten sich nicht über die Schwesternschaft lustig machen, Vater."

"Ich frage mich, ob was drüber durchgesickert ist, dass der Bischof kommt. Durch einen unterirdischen Nachrichtendienst? Bekomme ich keinen Speck, Agnes?"

"Nicht, solange Ihr Magen in so einem Zustand ist."

Miss Dempsey schüttete ein, und das dicke braune Gurgeln des Tees gesellte sich zum Tropfen der Bäume und zum Wind im Kamin.

"Und noch etwas", sagte er. "McEvoy war da." Vater Angwin kauerte sich über den Tisch und wärmte die Hände an der Tasse. Als er den Namen McEvoy aussprach, huschte ein Schatten über sein Gesicht und blieb an seinem Kieferknochen hängen, sodass Miss Dempsey mit ihrer blühenden Fantasie einen Augenblick lang zu sehen glaubte, wie er als Achtzigjähriger aussehen würde

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