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Der Himmel auf Erden Erzählungen von Archer, Jeffrey (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.11.2020
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
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Der Himmel auf Erden

Ein glückloser italienischer Polizist reist von Neapel in ein kleines Bergdorf, um den Mörder des dortigen Bürgermeisters zu überführen. Ein selbstgefälliger Schüler lüftet das Geheimnis um den Reichtum seiner Familie und ändert daraufhin sein Leben für immer. Eine Dozentin bietet in den Dreißigerjahren ihren männlichen Kollegen an einer Ivy League Universität die Stirn. Eine junge Anhalterin erlebt die Überraschung ihres Lebens.

In 15 raffinierten und denkwürdigen Geschichten führt uns Bestsellerautor Jeffrey Archer auf unterhaltsame Weise die Höhen und Tiefen des menschlichen Daseins vor Augen.


Jeffrey Archer, geboren 1940 in London, verbrachte seine Kindheit in Weston-super-Mare und studierte in Oxford. Archer schlug zunächst eine bewegte Politiker-Karriere ein. Weltberühmt wurde er als Schriftsteller, »Kain und Abel« war sein Durchbruch. Mittlerweile zählt Jeffrey Archer zu den erfolgreichsten Autoren Englands. Seine historischen Reihen »Die Clifton-Saga« und »Die Warwick-Saga« begeistern eine stetig wachsende Leserschar. Archer ist verheiratet, hat zwei Söhne und lebt in London, Cambridge und auf Mallorca.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 288
    Erscheinungsdatum: 09.11.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641227135
    Verlag: Heyne
    Originaltitel: Tell Tale
    Größe: 1966 kBytes
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Der Himmel auf Erden

Beichte

1

Saint Rochelle, Juni 1941

Nichts konnte sie von ihrer Pokerrunde am Freitagabend abhalten. Nicht einmal der Kriegsausbruch.

Die vier Männer waren seit Jahrzehnten miteinander befreundet - oder zumindest gut bekannt. Max Lascelles, eine massige Gestalt, machtbewusst und durchsetzungsfähig, hatte mit unerschütterlicher Selbstverständlichkeit den Platz am Kopfende des alten Holztischs eingenommen. Immerhin war er Anwalt und zudem Bürgermeister von Saint Rochelle, während die anderen drei nur Stadträte waren.

Ihm gegenüber saß Claude Tessier, Direktor des Bankhauses Tessiers, der seine Position weniger seinen Verdiensten als seinem Stammbaum verdankte. Ein scharfsinniger, verschlagener und zynischer Mensch, der fest davon überzeugt war, dass jeder sich selbst der Nächste sein sollte.

Rechts von Tessier saß André Parmentier, der Schulleiter des Collège Saint Rochelle. Schlank, hoch aufgeschossen und mit einem buschigen roten Schnauzbart, der eine Vorstellung davon gab, welche Farbe seine Haare gehabt hatten, bevor er kahlköpfig geworden war. Hochgeachtet und geschätzt von den Bürgern der Stadt.

Und zuletzt zur Rechten des Bürgermeisters: Dr. Philippe Doucet, Oberarzt am Städtischen Krankenhaus von Saint Rochelle. Ein gut aussehender, schüchterner Mann, dessen volles schwarzes Haar und warmherziges, offenes Lächeln so manche Krankenschwester davon träumen ließ, die künftige Madame Doucet zu werden. Doch sie träumten alle vergeblich.

Jeder der vier Männer schob zehn Francs in die Tischmitte, und Tessier teilte die nächste Runde aus. Philippe Doucet lächelte beim Anblick seines Blatts, was keinem der anderen drei entging. Der Arzt zählte zu den Menschen, die ihre Gefühle nicht verbergen konnten, was auch erklärte, warum er in all den Jahren am meisten Geld verloren hatte. Wie viele Spieler konzentrierte er sich jedoch lieber darauf, kurzfristige Glückssträhnen zu genießen, statt über langfristige Verluste ins Grübeln zu geraten. Er warf eine Karte ab und bat um eine neue, die der Bankdirektor ihm rasch zuschob. Das Lächeln blieb auf Philippes Gesicht. Ein Bluff war es nicht. Ärzte bluffen nicht.

»Zwei«, sagte Max Lascelles, der links neben dem Arzt saß. Ohne jede Regung studierte der Bürgermeister sein neues Blatt.

»Drei«, erklärte André, der sich stets über seinen buschigen Schnauzer strich, wenn er eine gute Gewinnchance sah. Tessier teilte dem Schulleiter drei neue Karten zu. Dem genügte ein kurzer Blick darauf, dann legte er sein Blatt zugedeckt vor sich auf den Tisch. Wenn die Karten derart mies sind, nutzt jedes Bluffen nichts.

»Ich nehme ebenfalls drei«, sagte Claude Tessier. Wie beim Bürgermeister blieb seine Miene beim Studium des neuen Blatts vollkommen ausdruckslos.

»Gehen Sie mit, Herr Bürgermeister?«, fragte Tessier mit Blick auf sein Gegenüber.

Lascelles warf einen weiteren Zehn-Francs-Schein in den Pott, um zu signalisieren, dass er im Spiel blieb.

»Was ist mit Ihnen, Philippe?«, erkundigte sich Tessier.

Der Arzt wägte sein Blatt noch eine Weile sorgfältig ab und erklärte dann in selbstbewusstem Ton: »Ich halte Ihre zehn und erhöhe um weitere zehn.« Er deponierte seine letzten beiden schmuddeligen Scheine auf dem anwachsenden Stapel.

»Mir zu teuer«, entschied Parmentier mit einem kurzen Kopfschütteln.

»Mir auch«, schloss der Bankier sich an und legte seine Karten verdeckt auf den Tisch.

»Womit nur noch wir beide übrig wären, Philippe«, sagte der Bürgermeister und versuchte einzuschätzen, ob der Arzt sogar bereit sein könnte, noch mehr Geld zu riskieren.

Philippe starrte weiter gebannt auf seine Karten, während er wartete, was der Bürgermeister tun würde.

»Ich möchte sehen«, erklärte Lascelles und schnippte mit beiläufiger Handbewegung noch einmal fünfundzwanzig Francs in die Tischmitte.

Lächelnd deckte der Arzt sein Blatt auf. Zum Vorschein kame

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