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Der Himmel aus Bronze Die Steine des Gorr. Roman von Alvarez, Viola (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.03.2009
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Der Himmel aus Bronze

Lange war Hayso fast blind, von der Dorfgemeinschaft verstoßen. Als er wie durch ein Wunder wieder sehen kann, lässt er sich in der Priesterstadt Wydlu'n nieder. Doch dann stolpert er eines Morgens über die Leiche der jungen Frau, mit der er die Nacht verbracht hat. Kurze Zeit später stirbt eine zweite Frau. Auch sie kannte Hayso.

Aufgeschreckt versucht Hayso herauszufinden, wer in der Stadt die Macht in den Händen hält, und gerät in ein dichtes Netz aus Lügen und Intrigen. In ihrem Zentrum: das Geheimnis des Himmels, die Himmelsscheibe, die im Turm des Dunklen Meisters verborgen ist. Hayso und seine Freunde fassen den waghalsigen Plan, sie zu stehlen und an ihren Ursprungsort zurückzubringen, und geraten in tödliche Gefahr ...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 464
    Erscheinungsdatum: 17.03.2009
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783838700014
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Größe: 2151 kBytes
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Der Himmel aus Bronze

Eins

Der Tod der Fünfzehn

Diese furchtbaren Bilder, wenn ich nachts die Augen schließe. Jede Nacht, immer noch.

Fünfzehn Männer liegen in einer Reihe nebeneinander, wie zerbrochene Zweige. Als ob ein Kind mit ihnen gespielt hätte. Als hätte jemand an ihnen zu zählen geübt.

Der Tod?

In einer Reihe geradezu wie aufgebahrt. Schlafende Krieger, der lange Schlaf der Toten. Und alle glänzen sie. Sie glänzen vom Eis, das ihre Körper und Gesichter überzogen hat.

Es sieht still aus, friedlich.

Wenn nur das Geschrei nicht wäre. Gellendes Geschrei eines ganzen Dorfes. Ich höre die sich überschlagenden Stimmen: "Tod!", kreischt es.

Die zänkische Berra, sie wohnt ganz nahe am Morgentor und bildet sich viel darauf ein, alle Neuigkeiten zuerst zu wissen.

"Der Tod ist gekommen", schreit eine andere Frau, "der Tod ist vor unsere Tür gekommen!"

Es ist das Jahr des Raben im zweiten Kreis des Wolfs.

Die Alten sagten, dass dies ein Jahr der Kriege werden könnte, ein Jahr voll Übel.

Wir haben viel von dem vergessen, was die Alten wussten; vergessen jeden Tag mehr - fast alle, fast alles.

Ich bin Hayso. Mein Name birgt Gefahr für alle, die ihn hören.

Der Morgen der fünfzehn Toten.

Mir wird kalt, als ich mich vor die Tür schiebe.

"Tod", gellen weitere Schreie.

Ich renne los, stolpernd, renne auf das Morgentor zu wie die anderen, und bleibe hinter ihnen zurück wie immer.

Sie liegen vor dem Morgentor.

Ich hätte eigentlich schneller da sein müssen, aber ich wohne nicht in der Hütte der Junggesellen. Noch nicht, sage ich mir vor. Jedoch im Innersten weiß ich, sie werden mich nie dort einziehen lassen. Meine Hoffnung ist längst Täuschung geworden.

Aber manche Winter überlebt man nur mit Hoffnung. Und dieser Winter war der kälteste von allen.

So kalt, als hätten die Götter gerade erst die Kälte erfunden. Als wäre sie noch unbenutzt, noch nicht erprobt in ihrer verheerenden Grausamkeit.

Brennende Kälte, trocken, dass sie einen in der Nase sticht wie Hornnadeln in die Finger, wenn man nicht aufpasst beim Nähen. Oder auch, wenn man nicht gut sehen kann - wie ich.

"Tod!" Lautere Schreie: "Tod!"

Dabei schreien sie nicht aus Trauer, weil die Männer tot sind, denn keiner von uns kennt sie. Sie sind fremd, vollkommen fremd. Unbekannte Tote.

Das Dorf trauert nicht. Die Menschen fürchten sich. Sie schreien, weil diese Fünfzehn fremd sind. Ja, und weil sie - vereist sind. Vereist, in diesem trockensten aller Winter. Es ist der Mond der weißen Nächte, aber seine Nächte sind diesmal nie weiß geworden. Keine Schneeflocke. Nur Kälte, unbarmherzige, nicht abbrechende Kälte. Die Götter schickten uns eine Botschaft. Eine Botschaft ihres Zorns.

Ich schob mich unbemerkt durch die Schreienden, das war nicht schwer, denn niemand achtete je auf mich. Ich ging vorsichtig auf die Knie und kroch ganz nahe an die Toten heran. Ich musste an alles ganz nah herangehen, damit ich etwas sehen konnte. Die vereisten Toten, ihre Gesichter waren ernst und traurig.

Es waren schöne Gesichter starker Männer. Ich beugte mich über einen von ihnen nahe herab, näher an sein Gesicht, und zuckte entsetzt zurück.

Der Mann unter dem klaren Eis hatte keine Augäpfel mehr. Mein Herz stolperte, mir wurde schlecht. Ich beugte mich zitternd über den Toten neben ihm. Er auch nicht. Ich krabbelte auf allen vieren an der Reihe der Toten entlang. Keiner von ihnen. Fünfzehn Männer ohne Augen, blind in ihrem stillen Schlaf unter dem Eis.

Jetzt wollte ich auch schreien, a

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