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Der Hof der Wölfe Historischer Roman von Young, Robyn (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 19.08.2019
  • Verlag: Blanvalet
eBook (ePUB)
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Der Hof der Wölfe

Eine neue Zeit bricht an in Europa ... 1485, eine Zeit voller Konflikte und Umbrüche in Europa: Henry Tudor hat Richard III. bezwungen und Englands Thron bestiegen. In Florenz spielt der mächtige Lorenzo de' Medici ein Katz-und-Maus-Spiel mit dem Vatikan, und Isabella von Spanien zieht gegen die Osmanen in den Krieg. Währenddessen steht Jack Wynter vor dem Nichts, nachdem sein Vater exekutiert und ihm eine wertvolle Karte gestohlen wurde. Er folgt dessen letzten Worten nach Florenz, wo er sich die Hilfe der Medicis erhofft. Doch am intriganten Hof von Florenz warten weitere Gefahren auf Jack. Und es gibt jemanden, der nur ein Ziel kennt: Jack endgültig zu zerstören ... Mit ihrem Debüt "Die Blutschrift" gelang der Britin Robyn Young in Großbritannien und den USA ein großartiger Durchbruch, der sie auf die Bestsellerlisten schnellen ließ. Geboren 1975 in Oxford, begann sie schon früh, Gedichte und Kurzgeschichten zu schreiben. Aber erst während eines Seminars in Kreativem Schreiben fand sie den Mut, ihre Ideen für einen Roman zu Papier zu bringen. Heute lebt Robyn Young in Brighton, und wenn sie nicht gerade an einer Trilogie schreibt, unterrichtet sie Kreatives Schreiben an verschiedenen Colleges.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 608
    Erscheinungsdatum: 19.08.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641204747
    Verlag: Blanvalet
    Originaltitel: Court of Wolves (New World Rising 2)
    Größe: 2413 kBytes
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Der Hof der Wölfe

1

Bei Tagesanbruch erhob sich der Gefangene von seinem Lager. Im Dämmerlicht goss er Wasser in ein juwelenbesetztes Becken, wusch sich das Gesicht und strich sein dunkles Haar zurück. Ein paar Tropfen rannen an seiner Brust herunter, wo verblasste Narben Geschichten von Gewalt erzählten. Die auffälligste begann in der Nähe seiner linken Schulter und wand sich in einer knotigen Linie bis zur Handfläche, wo sie alle anderen Linien durchschnitt, die sich dort entlangzogen: die des Herzens, die des Lebens und die des Schicksals. So hatte er es gelernt.

Nachdem er sein Gewand angelegt hatte, dessen Seidenstoff sich kühl auf seiner Haut anfühlte, stimmte er sein Gebet an. Der monotone Singsang hallte durch die geräumige Kammer, schwoll an und ebbte ab wie ein Lied. Trotz der weichen Matte schmerzten seine Knie jedes Mal, wenn er sich auf dem Boden nach vorne warf. Wie immer bat er Gott um die Kraft, diesen Tag durchzustehen, und darum, seine Familie zu segnen, wo immer sie sich auch befinden mochte.

Sobald er geendet hatte, trat er zum Fenster, umfasste die Eisenstäbe und blickte über den Spalt von Land hinweg, zu dem seine Welt zusammengeschrumpft war. Im Osten drangen die ersten Sonnenstrahlen wie Bänder aus Licht durch eine Wolkenbank und vergoldeten die Wipfel der Bäume, die sich vom Fuß des Turms zu einem Tal hinunterzogen, bevor sie auf der anderen Seite zu bewaldeten Hügeln anstiegen. Es war Spätsommer, aber in der Luft lag schon ein Hauch von Schärfe, ein Geruch, der eine Veränderung ankündigte. Bald würden sich diese Bäume langsam von Grün zu Bronze verfärben. Dann würden sie ihre Blätter verlieren, und endlich würde er den Fluss im Tal ausmachen können. In gewisser Hinsicht sehnte er sich danach, das Wasser zu sehen; wünschte sich verzweifelt etwas Neues in seinem Blickfeld. Andererseits fürchtete er sich davor. Der Anblick von allem, was sich draußen vor seinen Augen auf dem Weg von einem Ort zum anderen bewegte - ob nun Wasser, Wolken oder Vögel -, schmerzte ihn.

Als das Licht sich weiter ausbreitete und auf sein Gesicht fiel, schloss der Gefangene die Augen und versuchte, seinen Gedanken freien Lauf zu lassen, damit sie ihn wie auf Flügeln nach Hause trugen. Aber der blasse Sonnenschein und der Duft des feuchten Waldes ketteten ihn hier fest. Nach drei Jahren in der Fremde fiel es ihm sogar schwer, die Gesichter seiner Familie in allen Einzelheiten heraufzubeschwören, sie glichen alten Gemälden, deren Farben verblasst waren. Eines jedoch stand ihm klar und deutlich vor Augen. Er vermutete, dass dies auch noch so bleiben würde, wenn alles andere seinem Gedächtnis entschwunden war: der harte, kantige Kiefer, die Adlernase, die stählernen Augen, klar und gnadenlos. Das Gesicht seines Bruders. Die Hände des Gefangenen schlossen sich fester um die Gitterstäbe, aber nur einen Moment lang. Selbst die tiefe Quelle seiner Wut war aufgrund von Zeit und Stille nahezu versandet.

Er drehte sich um und ging zu dem Tisch, wo ihn ein Stapel von Büchern erwartete, jedes davon eine Welt, in die er dem Tag entfliehen konnte. Es gab religiöse Texte und große Romanzen, Werke über Recht und Philosophie, Poesie und Krieg. Seine Gefängniswärter, die seinen Hunger danach kannten, brachten ihm jeden Tag neue Lektüre. Er fragte sich, wo sie sie herbekamen. Aus einer Bibliothek in der Burg des Großmeisters vielleicht?

Einige waren alt, die Einbände morsch, das brüchige Papier knisterte unter seinen Fingerspitzen; ein paar, deren dünne äußere Holzbrettchen mit Samt bezogen waren, wirkten hingegen neu und unberührt. Einige wenige waren in seiner Sprache verfasst, weitaus mehr auf Französisch, Latein, Griechisch und Englisch. Die Sprachen, die er nicht beherrschte, eignete er sich mit Hilfe eines älteren Priesters des Ordens an. Oft schritt er beim Lesen durch die Kammer, versuchte seine Gliedmaßen muskulös und geschmeidig zu erhalten. Eines Tages würde er, so Gott wollte, se

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