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Der Junge, der mit dem Herzen sah Roman von Macgregor, Virginia (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 31.08.2015
  • Verlag: Manhattan
eBook (ePUB)
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Der Junge, der mit dem Herzen sah

Eine große Geschichte über einen kleinen Jungen mit einem besonderen Blick auf die Welt.
Der neunjährige Milo leidet unter Retinitis pigmentosa: Sein Sehvermögen lässt immer stärker nach, und irgendwann wird er vollständig erblinden. Aber noch sieht er die Welt - wenn auch nur wie durch ein Nadelöhr. Doch so bemerkt er Kleinigkeiten, die anderen entgehen. Als seine 92-jährige Großmutter dement wird und in ein Altersheim umziehen muss, fallen Milo dort seltsame Vorgänge auf. Die Erwachsenen interessieren sich für Milos Erkenntnisse nicht, und so bleiben ihm nur der Koch Tripi und sein Ferkel Hamlet, um ihm bei seiner Mission zu helfen. Milo ist nämlich entschlossen, seine Großmutter wieder nach Hause zu holen, die Machenschaften der Heimleiterin offenzulegen und - vielleicht - seine Eltern zu versöhnen.

Virginia Macgregor ist in Deutschland, Frankreich und England aufgewachsen, erzogen von einer Mutter, die nie müde wurde, Geschichten zu erzählen. Sobald Virginia alt genug war, selbst einen Stift zu halten, begann sie mit dem Schreiben, oft bis tief in die Nacht hinein - oder in der Schule, versteckt hinter dem Mathebuch. Virginia wurde benannt nach zwei großen Frauen, Virginia Wade und Virginia Woolf - in der Hoffnung, sie würde entweder Schriftstellerin oder ein Tennisstar werden. Nach ihrem Studium in Oxford begann sie, neben ihrem Beruf als Englischdozentin und Hauslehrerin, regelmäßig zu schreiben. Die Autorin lebt mit ihrem Ehemann in Berkshire.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 416
    Erscheinungsdatum: 31.08.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641158361
    Verlag: Manhattan
    Originaltitel: What Milo Saw
    Größe: 1381kBytes
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Der Junge, der mit dem Herzen sah

4
Milo

Zu Mittag saßen sie im Auto vor einem Fast-Food-Lokal und kauten ihre billigen Sandwiches, während Gran auf dem Rücksitz vor sich hin döste. Bis jetzt hatte Mum noch keines von den Heimen auf Milos Liste gefallen.

"Wie wär's denn mit dem hier?", fragte Mum und deutete mit einem Fingernagel, bei dem der rote Lack abgesplittert war, auf das letzte Heim von Milos Liste: Vergissmeinnicht-Heime.

In der Hoffnung, dass Mum es nicht bemerken würde, hatte Milo den Namen des letzten Heims ans Ende seiner Liste gesetzt, in seinen allerkleinsten, schmalsten Buchstaben. Es war das einzige Altenheim, das ihm gefiel, deswegen dachte er sich, dass er es auch dazuschreiben sollte. Wenn Gran sie schon verlassen musste, dann sollte sie zumindest an einem hübschen Ort leben. Andererseits widerstrebte es ihm auch. Wenn Mum das Heim auch mochte, würde er sie nie davon überzeugen können, dass sie Gran doch weiter bei ihnen wohnen ließ.

In der Fotogalerie der "Vergissmeinnicht"-Heime lächelten die alten Leute und sahen nicht allzu verrunzelt aus, und sie liefen auch nicht alle mit Rollatoren herum. Alles sah sauber und ordentlich und frisch aus, und es waren auch viele Bilder von einem wunderschönen Garten dabei. Gran liebte Gärten. Und als er anrief, um einen Termin auszumachen, war eine wirklich nette Schwester am Apparat und meinte, sie könnten selbstverständlich vorbeikommen und sich umschauen, sie würde sie persönlich herumführen.

"Mum, das ist zu teuer ..." Dann warf Milo einen Blick nach hinten zu Gran, und ihm fiel ein, dass sie gewisse Dinge hörte, auch wenn sie schlief.

"Ich glaub nicht, dass dir das gefallen wird, Mum."

Aber sie hatte den Motor schon angelassen. "Fahren wir hin und schauen es uns an."

Und es gefiel ihr.

Ihr gefiel die Schwester in der weißen Uniform mit den strahlend weißen Zähnen und dem glatt zurückgekämmten grauen Haar, die Milo ignorierte und Mum dafür begrüßte, als wären sie alte Bekannte. Und ihr gefiel auch, dass Schwester Thornhill ihr schon fünf Minuten, nachdem sie durch die Tür getreten waren, vom "Vergissmeinnicht"-Ratenzahlungsmodell erzählt hatte. Kein anderes Heim hatte Ratenzahlungsmodelle.

"Sie müssen ein bisschen Zinsen zahlen, aber das bedeutet, dass Sie nicht alles im Voraus auf den Tisch legen müssen. Dadurch fällt die finanzielle Belastung gleich viel geringer aus."

Mums Augen leuchteten.

Gran und Milo gingen mit einem Abstand von ein paar Schritten hinter ihnen her.

Die weiße Schwester sah aus wie ein Skelett: groß und eckig und knochig. Es hätte ihn nicht gewundert, wenn sie beim Gehen geklappert hätte. Sie sah überhaupt nicht so aus, wie sie sich am Telefon angehört hatte.

Obwohl sie in der Öffentlichkeit waren, ließ Milo Grans Hand nicht los.

"Als Direktorin des 'Vergissmeinnicht'-Heims lebe ich auf dem Gelände der Einrichtung, sodass ich Tag und Nacht erreichbar bin."

Alles sah so blitzsauber und weiß aus wie die Schwester: die Wände, die Türen, der Boden.

"Wir sind hier eine ganz sympathische kleine Gemeinschaft."

Mum drehte sich immer wieder zu ihnen um und meinte: "Ist das nicht hübsch?" Ihre Augen verengten sich mitsamt ihren Krähenfüßen zu kleinen Schlitzen. "Und es ist so nah, dass du Gran jederzeit besuchen kannst."

Milo gab keine Antwort, und Gran hörte gar nicht erst zu.

Da erschien eine Frau am Ende des Korridors. Sie hatte einen alten Kassettenrekorder unter dem Arm, aus dem laute Musik dröhnte. Es klang wie das Bob-Marley-Album, das Dad immer im Auto gehört hatte. Die alte Frau klopfte den Reggae-Beat mit ihrem Spazierstock mit.

Gran blickte jäh auf.

"Wer ist das?", fragte Milo. Das war das Interessanteste, was er hier bis jetzt gesehen hatte.

"Entschuldigen Sie mich kurz." Schwester Thornhill schoss den Korridor entlang.

Wegen seiner schlechten Augen hatte Milo ein besonders

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