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Der Kaiser von Portugalien von Lagerlöf, Selma (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 21.01.2016
  • Verlag: Saga Egmont
eBook (ePUB)
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Der Kaiser von Portugalien

Der Kaiser von Portugallien handelt von der enormen Liebe eines Vaters zu seiner Tochter, der - um die unerfreuliche Wirklichkeit zu verdrängen, dass seine erwachsene Tochter Klara eine Prostituierte ist - eine Scheinwelt erfindet, in der seine Tochter eine Kaiserin, und er selbst der 'Kaiser von Portugallien' ist. Der Vater behält die Existenz dieser Scheinwelt so lange aufrecht bis seine Tochter nach 15 Jahren der Abwesenheit in ihr Heimatdorf zurückkehrt und sich mit der veränderten Wirklichkeit nicht abfinden kann. - Eine tiefsinnige und psychologisch meisterhaft erzählte Geschichte, lesenswert.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 292
    Erscheinungsdatum: 21.01.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788711498750
    Verlag: Saga Egmont
    Größe: 705 kBytes
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Der Kaiser von Portugalien

Das klopfende Herz

So alt Jan Andersson in Skrolycka auch immer wurde, nie wurde er müde, von dem Tag zu erzählen, an dem sein kleines Mädchen zur Welt kam.

In aller Frühe war er aufgebrochen, die Hebamme und noch andere Helferinnen zu holen; aber dann hatte er den ganzen Vormittag und noch eine gute Weile in den Nachmittag hinein auf dem Hauklotz im Holzschuppen gesessen und hatte gewartet, gewartet.

Draußen regnete es in Strömen, und auch Jan Andersson blieb nicht ganz verschont von dem Regenwetter, obgleich er sozusagen unter Dach saß. Es drang als Feuchtigkeit zwischen den undichten Wänden zu ihm herein und jetzt eben schleuderte der Wind auch noch eine ganze Sturzsee durch die türlose Schuppenöffnung.

"Ich frage mich eben, ob wohl irgend jemand meinen kann, ich freue mich über die Ankunft des Kindes?" murmelte er, und zugleich stieß er mit dem Fuß so heftig nach einem kleinen Holzscheit, daß es bis in den Hof hinausflog. "Das größte Unglück ist's geradezu, das mir hätte widerfahren können. Als Katrine und ich heirateten, geschah's nur, weil wir es überdrüssig geworden waren, noch länger als Knecht und Magd bei Erik in Falla aus und ein zu gehen. Wir taten's, weil wir die Füße unter den eigenen Tisch setzen wollten, aber doch gewiß nicht, um Kinder zu bekommen."

Er verbarg das Gesicht in den Händen und seufzte tief. Die Kälte und die Feuchtigkeit und das lange peinliche Warten hatte allerdings das ihre zu seiner schlechten Laune beigetragen, aber die eigentliche Ursache waren diese Unannehmlichkeiten keineswegs. Es war ihm vollkommen Ernst mit seiner Klage.

'Arbeiten', dachte er, 'arbeiten muß ich alle Tage vom Morgen bis zum Abend, aber bisher hatt' ich dann wenigstens bei Nacht meine Ruhe. Nun wird das Kind wahrscheinlich recht viel schreien, und dann bekomme ich auch da keine Ruhe mehr.'

Nach diesem Gedankengang überkam ihn noch größere Verzweiflung. Er nahm die Hände vom Gesicht und rang sie so heftig, daß die Gelenke krachten.

'Bis jetzt ist auch alles ganz gut gegangen, weil Katrine, gerade wie ich auch, auf Arbeit ausgehen konnte.

Aber jetzt muß sie ja daheimbleiben und das Kind warten.'

Er starrte geradewegs in die zunehmende Dunkelheit hinein, mit einem Ausdruck, als käme schon die Hungersnot über den Hofplatz dahergeschlichen und wollte ins Haus eindringen.

"Ja, ja", sagte er, und jetzt schlug er, wie um seine Worte zu bekräftigen, mit beiden Fäusten hart auf den Hauklotz. "Ja, ich sag' nur soviel, wenn ich damals gewußt hätte, daß dies hier die Folge sein würde, als Erik in Falla zu mir kam und sagte, ich dürfe mir ein Haus auf seinem Grund und Boden bauen, und mir überdies auch noch alte Balken zum Bau überließ, wenn ich das damals gewußt hätte, so hätt' ich alles miteinander ausgeschlagen und wär' meiner Lebtage in der Stallkammer auf Falla geblieben."

Das waren starke Worte, er fühlte es wohl; aber er hatte keine Lust, sie zurückzunehmen.

"Wenn es je geschehen sollte ...", begann er wieder; denn er war nun soweit, sagen zu wollen, es wäre ihm gar nicht unlieb, wenn dem Kind auf irgendeine Weise etwas zustieße, ehe es das Licht der Welt erblickte. Aber er kam nicht dazu, diesen Gedanken auszusprechen; denn eben jetzt drang ein piepsendes Stimmchen durch die Wand an sein Ohr und da hielt er jäh inne.

Der Holzschuppen war mit dem Wohnhaus zusammengebaut, und als er hinhorchte, drangen die piepsenden Laute immer wieder zu ihm heraus. Jan Andersson wußte natürlich sofort, was das bedeutete, und nun blieb er lange ganz still sitzen, ohne ein Zeichen von Kummer oder Freude an den Tag zu legen.

Schließlich zuckte er leicht die Schultern und sagte: "Ja, jetzt ist's also gekommen, und jetzt werd' ich doch wohl in Gottes Namen ins Haus hinein dürfen und mich wärmen."

Aber auch diese Erleichterung wurde ihm nicht so schnell zuteil, sondern er mußte abermals Stunde um Stunde warten.

Der Reg

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