text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Der Katzenkönig Eine Erzählung von Wochele, Rainer (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.02.2015
  • Verlag: Klöpfer & Meyer Verlag
eBook (ePUB)
14,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Der Katzenkönig

Rainer Wochele ist in Stuttgart daheim. Sein Protagonist, der arbeitslose und sich in ziemlich prekärer Lebenslage befindliche Tierarzt Dr. Karlheinz König, eben der "Katzenkönig', ist es auch - und also steckt "hälinge', also gleichsam verborgen, auch viel atmosphärisch Schwäbisches in diesem Buch. Aber sein Thema ist alles andere als gemütlich und provinziell. Vielmehr ist es eine der großen ethischen Fragen, eine hochaktuelle sogar, die in diesem Buch mitverhandelt wird, nämlich die nach der Verantwortbarkeit von Tierversuchen in der medizinischen Forschung. Und es ist erstaunlich, mit welcher Leichtigkeit Rainer Wochele über solch ein schwergewichtiges Thema schreibt!

Rainer Wochele, 1943 in Brünn geboren. Studium der Psychologie, Philosophie, Theaterwissenschaft. Lebt und arbeitet als freier Schriftsteller in Stuttgart. Schreibt Romane und Theaterstücke. Mitglied im deutschen PEN, in der europäischen Autorenvereinigung "Die Kogge' und im VS Baden-Württemberg. Ausgezeichnet u. a. mit dem Thaddäus-Troll-Preis; erster literarischer Stadtschreiber in Rottweil. Langjähriger Moderator des Autorentreffens "Irseer Pegasus'. Bei Klöpfer & Meyer erschien zuletzt, 2012, sein Roman "Sand und Seide'. www.rainerwochele.de

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 166
    Erscheinungsdatum: 09.02.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783863512392
    Verlag: Klöpfer & Meyer Verlag
    Größe: 946 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Der Katzenkönig

1

Doch, ja, die sind die Besseren.

Irgendwie.

Irgendwie sind die die Besseren.

Nur, dass sie eine andere Haut haben, nicht sprechen können. Aber Sauerbruch auf dem Gepäckträger sprach ja mit ihm. Und teilte mit, was da soeben vonstattengehe, passe ihm nicht. Er wolle wieder heim. Doch von daheim kamen sie gerade. Und mussten hin zu dieser Frau Doktor Schmückle-Bräuchle, Taubenheimstraße.

König fuhr am Fluss entlang und versuchte Sauerbruch die Zukunft in den buntesten Farben zu schildern, als einen einzigen, strahlenden, ihn nichts als beglückenden Lebensfortschritt. Das schien den durchaus zu beeindrucken. Er protestierte nur noch leise, sodass das Knacken und Klappern des Schutzblechs an dem alten Damenfahrrad, mit dem König in sämiger Luft am Radweg des Uferdamms unterwegs war, wieder deutlich vernehmbar wurde, ein Geräusch, wie König vorkam, widerwärtig und hinterhältig, als werde gleich das gesamte Fahrrad zusammenbrechen.

Dass sein neues Leben bei dieser Frau Doktor Schmückle-Bräuchle, Taubenheimstraße, ein riesiger Sprung, ein Quantensprung, König benützte das Wort Quantensprung, sein werde, versuchte er Sauerbruch klarzumachen. Der schien jetzt aufmerksam zuzuhören. Jedenfalls erhob er keinen Einspruch mehr, was König als Zustimmung nahm. Und ihm sagte, bitte, er solle doch so klug sein, wie er sich mit schräg gehaltenem Kopf immer gebe, und sich vor seine scharfen Augen führen, wie dürftig sein bisheriges Leben gewesen sei, bis man einander begegnet sei und Freundschaft geschlossen habe. Er, Sauerbruch, habe doch bis dahin eine ganz und gar armselige Feld-, Wald- und Wiesenexistenz geführt.

Ein Mann kam ihnen entgegen. Der schleppte sich mithilfe einer Krücke voran. Und schlenkerte bei jedem Schritt, wie man sah, sein linkes Bein auswärts, ehe er es wieder an den Körper zog und den Fuß aufsetzte. König, der dicht an den Rand des Radwegs fuhr, um vorbeizukommen, sah es und dachte, aha, Schlaganfall, rechte Gehirnhälfte, drehender Fuß. Der Mann schaute hin zu dieser Fuhre auf dem alten Damenfahrrad, auf dem so deutlich hörbar gesprochen worden war. Er unterbrach seine mühsame Fortbewegungsweise, blieb stehen, ließ das Rad vorbei und blickte dem Mann im Sattel kopfschüttelnd nach, der schon wieder sprach.

Und der jetzt sagte: "Also zu Frau Schmückle-Bräuchle, mein Bester." Und wer Taubenheimstraße wohne, das könne er, Karlheinz König, ihm, Sauerbruch, sagen, sei gestopft bis über beide Ohren. Was schon allein aus den für ihn, König, in Aussicht stehenden Zweihundertfünfzig hervorgehe. "Du wirst ein Prinzenleben führen, mein Freund."

Sauerbruch blieb stumm.

"Die wird dir den Arsch vergolden, mein Freund."

Kein Ton von Sauerbruch.

"Den Schwanz wird sie dir versilbern", sagte König und lachte lauthals und glucksend über das Klappern des Schutzbleches hinweg, während er mit stampfenden Tritten und katzenhaft gebuckeltem Rücken weiterfuhr. Der alte Göppel ließ sich wirklich nur sehr schwer treten. Er würde nicht nur das Schutzblech festschrauben, sondern auch die Kette kräftig ölen müssen, und sei's mit Salatöl.

Vier Uhr nachmittags.

Freitag. Anfang Mai.

Ein noch immer unternehmungslustiger Frühling, der so tat, als verstünde er sich bestens auf helle, flirrende Sommertage. Die Luft: warme Milch mit Honig. Und die Bäume am Uferweg protzten förmlich mit ihrem satten, jungen Grün, als könnte aus den Wipfeln jederzeit eine froschgrüne Fontäne emporschießen und alles einfärben. Schaute man zum Fluss hinunter, konnte man meinen, dort rekelte sich ein riesiges, lang hingestrecktes Tier mit leicht schmutzigbraunem Fell, ein gigantischer Marder vielleicht, Marder haben lang gezogene, im Verhältnis zu ihrer Länge nicht

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen