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Der Klang der Sehnsucht Roman von Amin, Manisha (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.03.2012
  • Verlag: Insel Verlag
eBook (ePUB)
12,99 €
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Der Klang der Sehnsucht

Die Straßen von Hastinapur sind Kalus Zuhause. Der Junge arbeitet hart für ein paar Rupien und einen einfachen Schlafplatz auf dem Boden eines Tabakladens. Dennoch ist er glücklich: Wenn er Zeit mit seinen Freunden verbringt oder er sich in die schattigen Äste des großen Banyanbaumes am Fluß zurückzieht, um den Sonnenuntergang zu beobachten - und um Flöte zu spielen. Seine Melodien verzaubern die Welt und lassen ihn alles vergessen ... Als sich Kalu eines Tages die Chance seines Lebens bietet, muß er Hastinapur verlassen - und damit auch seine geliebte Freundin Malti. Er verspricht, zu ihr zurückzukommen. Doch kann es eine gemeinsame Zukunft geben? "Der Klang der Sehnsucht" ist ein ergreifender Roman über die Macht der Musik und die alles überdauernde Kraft der Freundschaft.

Ursula Gräfe, geboren 1956 in Frankfurt am Main, studierte Japanologie und Anglistik und arbeitet seit 1988 als Literaturübersetzerin. Sie hat u.a. Werke von R.K. Narayan, Haruki Murakami, Yasushi Inoue und Kenzaburo Oe ins Deutsche übertragen, ist Autorin einer Buddha-Biographie und Herausgeberin mehrerer Anthologien. Jedes Jahr verbringt sie einige Zeit in Asien, vor allem in Indien. Ursula Gräfe lebt in Frankfurt am Main.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 310
    Erscheinungsdatum: 12.03.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783458773900
    Verlag: Insel Verlag
    Originaltitel: Dancing to the Flute
    Größe: 1457 kBytes
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Der Klang der Sehnsucht

Teil 2

Antara

Auf den Alap folgen Sthayi und Antara. Zuerst werden ein zentraler Ton und das Thema festgelegt, schließlich Rhythmus und Melodie eingeführt. In dieser Phase können die Schlaginstrumente einsetzen, und das Tempo steigert sich.

Die melodische Linie gelangt nun weiter in den Mittelpunkt. Zwei oder drei verschiedene, miteinander harmonisierende Melodien ergeben jeweils ein eigenes Lied und verbinden sich zugleich zu einem Ganzen, in dem sie einander immer wieder kreuzen und überschneiden.

Guruji
Kapitel 5

Kalu brauchte drei Tage, um das ganze Haus zu erkunden.

Am ersten Tag hielt er sich an Vaid Dada und folgte ihm ständig in einem gewissen Abstand. Diesen schien das nicht zu stören, er sah nur hin und wieder lächelnd zu dem Jungen hinüber und ließ ihn gewähren. Kalu behielt auch den Guruji im Auge, der ihn jedoch kaum beachtete. Erst allmählich dämmerte es Kalu, dass er sich verpflichtet hatte, der Schüler dieses Mannes zu werden, ohne überhaupt zu wissen, wie er unterrichtete, ja, ohne ihn spielen gehört zu haben. Er lauschte dem singenden Tonfall seiner Stimme, angezogen von den wogenden Energieströmen, die dieser Mann mit seiner Mimik und Gestik ausstrahlte. Anders als sein Bruder schien der Guruji nie völlig still. Es war, als könne er seine innere Kraft nicht bändigen.

Am zweiten Tag wartete Kalu, bis alle beschäftigt waren, ehe er seine Entdeckungsreise fortsetzte. Er wagte immer nur wenige Schritte, stets bereit, sich wenn nötig wieder in seine Ecke zurückzuziehen. Doch der Guruji und der Vaid führten ihre Gespräche fort, als wäre der Junge nicht anwesend. Also bewegte Kalu sich unauffällig auf die Tür zu und durchstreifte dann langsam das Haus, während er im Hintergrund die beiden Männer reden und Ashwin in der Küche mit den Töpfen klappern hörte.

Es gab also drei Schlafzimmer. Seins, das, in dem der Vaid schlief, und ein weiteres für den Guruji. Ashwin hatte seinen Anbau, hinter der Küche. Alle Haupträume grenzten an die Veranda. In der Mitte des Hauses befand sich ein offener Bereich, in dem Musik gemacht wurde.

Kalu beschloss, sich als erstes das Zimmer des Guruji vorzunehmen, das seine größte Neugier erregte. Die geöffnete Tür schien ihn einzuladen, es zu betreten. Er schaute sich um und steckte den Zettel mit Ganga Bas Nummer, den er eigens vom Telefon an sich genommen hatte, in seine Tasche. Wenn jemand ihn ertappte, konnte er wahrheitsgemäß antworten, er habe sich nur diesen Zettel holen wollen. Außerdem hatte ihm ja niemand gesagt, es sei ihm nicht gestattet, dieses oder irgendein anderes Zimmer zu betreten. Dennoch ging er auf Zehenspitzen, nur für den Fall der Fälle.

Als Erstes fiel ihm das Bett auf. Es war modern, mit einem Unterbau aus Holz und einer Matratze, anders als die geflochtenen Liegen, die die meisten Bewohner von Hastinapore besaßen. Ganga Ba hatte bestimmt auch so eins, nur viel, viel breiter.

Die Wände waren kahl, aber blau gestrichen. Der kleine Tisch neben dem Bett quoll über von allen möglichen Büchern und Zeitschriften, die in unordentlichen Stößen an der Wand Halt suchten. Später fand Kalu heraus, dass der Guruji Ashwin nicht erlaubte, die alten Ausgaben der Times of India und Illustrated Weekly zu entsorgen. "Man weiß nie, wann man sie noch braucht, und außerdem stören sie hier doch niemanden&laq

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