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Der kleine Buchladen in den Bergen von Friewald, Gerlinde (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 29.05.2020
  • Verlag: beHEARTBEAT
eBook (ePUB)
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Der kleine Buchladen in den Bergen

Katrins Leben in Berlin scheint festgefahren. Darum kehrt sie zurück in ihre alte Heimat Kirchbergen, ein kleines Dorf in Österreich. Hier fühlt sie sich plötzlich frei und besucht die Orte ihrer Kindheit. So wie den alten kleinen Dorfbuchladen am Marktplatz, in dem sie damals viel Zeit verbracht hat. Doch der Besitzer will den Buchladen aufgeben. Kurzerhand bietet Katrin sich als seine Nachfolgerin an. Doch der Neuanfang in der vertrauten Umgebung ist schwieriger als gedacht: Will sie ihre Zelte in Berlin wirklich für immer abbrechen? Und als plötzlich Alexander - Katrins erste große Liebe - vor ihr steht, ist das Gefühlschaos perfekt ... eBooks von beHEARTBEAT - Herzklopfen garantiert. Das Schreiben begleitet Gerlinde Friewald seit ihrer Kindheit und hat sie auch in ihrer langjährigen Tätigkeit in der Werbung nicht losgelassen. Inzwischen schreibt sie vor allem Romane und Literatur für Kinder. Gerlinde Friewald lebt mit ihrer Familie in Mödling, Österreich.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 339
    Erscheinungsdatum: 29.05.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732589029
    Verlag: beHEARTBEAT
    Größe: 1858 kBytes
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Der kleine Buchladen in den Bergen

Kapitel 3

Nachdem Katrin ihre Kleidung im Schrank verstaut hatte, duschte sie und zog sich um. Sie war froh, genug Freizeitkleidung eingepackt zu haben. Mit ihrer Berliner Standardgarderobe würde sie sich hier fühlen wie ein bunter Hund. Dank ihres Jobs bekam sie oft Designerware zu einem günstigen Preis oder sogar umsonst; perfekt für das Flanieren im Zentrum einer Großstadt, völlig übertrieben für einen Spaziergang im Waldviertel. Dementsprechend wählte sie Jeans, einen leichten Pulli und Stiefeletten mit flachem Absatz.

Nach einer prüfenden Drehung vor dem mannshohen Spiegel im Eingangsbereich verließ sie das Hotelzimmer. Sie nahm die Treppe und winkte der Frau an der Rezeption beim Vorbeigehen zu. Nicht noch einmal wollte sie in ein Gespräch verwickelt werden, aber doch höflich sein.

Vor dem Hoteleingang blieb sie stehen, schloss kurz die Augen und sprach sich Mut zu. Sie befand sich in der Gegenwart, der Autounfall ihrer Eltern war vor zwölf Jahren geschehen. Hinter jedem Stein Kirchbergens eine Erinnerung hervorzuziehen und daran zu verzweifeln, war der falsche Weg. Sie musste es schaffen, diese Erinnerungen als Andenken zu sehen. Nicht zu vergessen war gut, deshalb ewig zu leiden war schlecht. Es handelte sich um eine einfache Formel, die rundum Sinn machte.

Katrin schlenderte am Brunnen vorbei, und eine andere Erinnerung schob sich in den Vordergrund. Dort hatte Alexander sie zum ersten Mal geküsst. Es war Sommer gewesen, und sie hatte am Brunnenrand gesessen. Während die anderen schon zum Weiher gegangen waren, um zu baden, hatten sie sich unterhalten, gelacht und sich gegenseitig mit dem Wasser aus dem Brunnen nassgespritzt. Alexander hatte ihr eine volle Ladung mitten ins Gesicht verpasst. Schuldbewusst hatte er versucht, sie mit seinen nassen Händen abzutrocknen. Nie würde sie das Gefühl vergessen, als er mit seinen Fingerspitzen über ihre Wangen gestrichen hatte. Dann war sein Gesicht immer näher gekommen und schließlich hatte sie seine Lippen auf ihren gespürt. Es war kein Erwachsenenkuss gewesen, vielmehr ein vorsichtiges Herantasten in eine neue, unbekannte Welt.

Was wohl aus ihm geworden war? Welchen Beruf hatte er ergriffen? War er verheiratet und hatte Kinder? Wo lebte er? Nach dem Abitur waren Alexander und sie getrennte Wege gegangen und hatten einander nie mehr wiedergesehen. Nicht einmal zum Begräbnis ihrer Eltern war er gekommen. Wahrscheinlich hatte er gerade den Mount Everest bestiegen oder war im Indischen Ozean geschwommen. Katrin spürte, wie die alte Wut in ihr hochstieg.

Alexander hatte vor einem Studium unbedingt die Welt erkunden wollen, sie hingegen hatte sich nichts sehnlicher gewünscht, als sofort mit dem Germanistikstudium zu beginnen. Ihre Ziele waren unterschiedlich gewesen, eine Trennung demnach unvermeidlich. So viel zur sachlichen Seite, die emotionale war eine gänzlich andere gewesen. Sie hatten unzählige Diskussionen geführt, und bis heute konnte sie ihm seine Sturheit und das Unverständnis für ihre Wünsche nicht verzeihen.

Bereits mit sechzehn Jahren hatte sie gewusst, was sie wollte, und dementsprechend darauf hingearbeitet. Ins Blaue zu leben war einfach nicht ihr Ding. Von jeher liebte sie Ordnung, und dazu gehörten eine angemessene Planung genauso wie eine strukturierte Vorgehensweise. Nur weil Alexander keine Ahnung gehabt hatte, was er studieren und überhaupt aus seinem Leben machen wollte, hätte sie alles über den Haufen werfen sollen? Ihr Plan war zwei Jahre lang gediehen, und er hatte jede ihrer Überlegungen hautnah miterlebt. Sein Geistesblitz hingegen war drei Monate vor dem Abschluss aus dem Nichts gekommen. Wie hätte sie anders reagieren sollen?

Katrins Gedanken glitten weiter. Der Brunnen war vor allem im Sommer auch ein Treffpunkt ihrer Freundinnen gewesen. Über sie wusste sie genauso viel wie über Alexander: nämlich nichts. Waren Veronique und Stephan noch ein Paar? Hatten Sabrina

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