text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Der kleine Buchsalon am anderen Ende der Welt Roman von Skybäck, Frida (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.09.2020
  • Verlag: Insel Verlag
eBook (ePUB)
10,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Der kleine Buchsalon am anderen Ende der Welt

Patricias Schwester ist während eines Praktikums in Schweden spurlos verschwunden. Jetzt, dreißig Jahre später, erhält sie einen anonymen Brief mit Madeleines Kette darin. Kurzentschlossen verlässt Patricia ihre Farm in Amerika und reist nach Schweden.
Im kleinen Strandort angekommen, mietet sie sich in einer gemütlichen Pension ein. Bald lernt sie auch die Frauen eines Buchsalons kennen, die die begeisterte Leserin prompt in ihren Kreis aufnehmen. Bei Kaffee und Kuchen, bei Gesprächen über Literatur, Liebe und alltägliche Probleme fühlt Patricia sich rundum wohl. Doch einige Frauen scheinen mehr über ihre Schwester zu wissen, als sie zugeben - und um Frieden zu finden, ist Patricia entschlossen, die Wahrheit ans Licht zu bringen.
Frida Skybäck erzählt charmant, mit Humor und Hoffnung von begeisterten Leserinnen, von alten Wunden und neuen Anfängen.

Frida Skybäck, geboren 1980 in Göteryd, ist eine schwedische Autorin. Sie zog von Skåne nach London und entdeckte dort ihre Leidenschaft für englische Literatur und große Gefühle. Heute lebt sie mit ihrem Mann und ihren zwei Töchtern in Lund. Die kleine Buchhandlung am Ufer der Themse ist ihr erster Roman in deutscher Übersetzung.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 400
    Erscheinungsdatum: 14.09.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783458766674
    Verlag: Insel Verlag
    Serie: insel taschenbuch 4806
    Originaltitel: Bokcirkeln vid världens ände
    Größe: 2176 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Der kleine Buchsalon am anderen Ende der Welt

1


Mittwoch, 29. Mai

Als Patricia Sloane den länglichen Briefkasten öffnet und die Tagespost herausholt, bemerkt sie den weißen Umschlag zunächst gar nicht. Sie klemmt sich den Stapel Briefe, Zeitungen und Werbebroschüren unter den Arm, klappt die kleine rote Fahne wieder herunter und geht zum Tor.

Obwohl noch Mai ist, liegt bereits eine drückende Hitze über Charlottesville. Die Wiese ist gelb und trocken und der Acker so ausgedörrt, dass sich rund um den Hof lange Risse im Erdboden gebildet haben.

Patricia legt die Hand auf den weißen Torpfosten. Ihr Arbeitstag im Sekretariat der Mackenzie Junior High war heute außergewöhnlich lang. Gleich am Morgen gab es einen Feueralarm, in der ersten Stunde, mitten im Sexualkundeunterricht der Achtklässler.

Patricia wusste sofort, dass es ein falscher Alarm war. Sie sah Dennis Rodd mit einem Feuerzeug in der Hand über den Korridor laufen. Doch aus Sicherheitsgründen mussten sie das Gebäude trotzdem räumen - und fünfhundert Jugendliche in Reih und Glied auf einem Fußballfeld versammeln zu müssen, kann man sich in etwa so vorstellen, wie eine aufgebrachte Bisonherde durch ein viel zu enges Gatter zu treiben.

Patricia massiert sich die schmerzende Schulter. Die Unterbrechung führte natürlich dazu, dass der Sexualkundeunterricht mit den Achtklässlern nicht zu Ende geführt werden konnte (genau wie alle anderen Unterrichtsstunden), worüber sich der Biologielehrer Mr. Alvarez furchtbar aufregte. Nun hätten die Schüler gerade einmal den ersten, rein informativen Teil seines Vortrags gehört, zeterte er, nicht aber den zweiten, in dem er auf die Konsequenzen eines - wie er es ausdrückte - »unverantwortlichen Umgangs mit dem Reproduktionssystem« eingehe, und er verlangte augenblicklich eine Stundenplanänderung, damit er die Unterrichtseinheit abschließen könne. Patricia hätte am liebsten erwidert, er solle mal über seinen eigenen unverantwortlichen Umgang mit Rasierwasser nachdenken. Doch dann konnte sie mit dem Mathematiklehrer der Klasse vereinbaren, dass Mr. Alvarez eine halbe Stunde von dessen Unterricht für seine Zwecke verwenden durfte.

Zu diesem Zeitpunkt war es bereits zehn Uhr, und Patricia war mit ihren morgendlichen Aufgaben weit hinterher. Eine Dreiviertelstunde später, als gerade wieder Land in Sicht war, kam Rachel Morgan mit zwei Fingern in der Nase ins Sekretariat. Sie trug Sportkleidung, und oberhalb ihrer heruntergerutschten Kniestrümpfe waren Schürfwunden zu sehen.

»Slide-Tackling«, murmelte sie.

Unglücklicherweise war Patricia gerade so tief in einen ellenlangen Bericht des Direktors über den Materialverbrauch der Arbeitsgruppen vertieft, dass sie nur »Wie bitte?« antworten konnte, woraufhin das Mädchen die Finger aus der Nase nahm und das Blut nur so über die Fußmatte mit dem Willkommensschriftzug und dem Emblem der Schule spritzte.

Auf die Schnelle sah Patricia keine andere Lösung, als sich ihr Lieblingstuch vom Hals zu reißen und es Rachel ins Gesicht zu drücken, während sie nach der Schulkrankenschwester rief. Doch wie so oft war Mrs. Fletcher gerade auf einer Fortbildung, und am Ende musste Patricia sich gewaltsam Zugang zu deren Büro verschaffen. Als sie die arme Rachel eine ganze Weile später mit zwei Tampons in den Nasenlöchern wieder fortschickte, hatte es gerade zur Mittagspause geläutet.

»Wenn du wüsstest, was ich heute für einen Tag hatte«, sagt Patricia und begrüßt Barry, den großen Labrador der Familie, der ihr am Tor entgegenkommt. Barry schüttelt fröhlich den Kopf, und Patricia muss lachen. Ohne ihn wäre sie nie allein auf dem Hof in Mill Creek wohnen geblieben. Barry ist nicht nur ihr Wachhund, er leistet ihr auch Gesellschaft, wann immer sie die Einsamkeit überkommt.

Mit wedelndem Schwanz und kleinen, munteren Sprüngen begleitet er sie auf die Veranda, wo Patricia sich auf der blaugestrichenen Hollywoodschaukel niederlässt

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen