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Der Lehrmeister Die Geschichte des Johann Georg Faustus II von Pötzsch, Oliver (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 25.10.2019
  • Verlag: Ullstein
eBook (ePUB)
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Der Lehrmeister

Der Weg zum Licht führt durch die Dunkelheit Der goldene Herbst 1518 neigt sich dem Ende. Sechs Jahre sind vergangen, seitdem der berühmte Magier Johann Georg Faustus aus Nürnberg geflohen ist. Sein Ruhm ist gewachsen, selbst an den Höfen von Herzögen, Grafen und Bischöfen sucht man seinen Rat. So als würde der Herrgott - oder sein böser Gegenspieler? - eine schützende Hand über ihn halten. Gemeinsam mit seinem neuen Gefährten Karl Wagner und der jungen Gauklerin Greta, seiner Ziehtochter, reist er als Quacksalber und Astrologe durch die Lande. Doch Johann spürt, dass dies nur die Ruhe vor dem Sturm ist. Sein Erzfeind Tonio ist noch nicht besiegt. Tief im Inneren weiß Johann, dass das Böse zurückkehren und erneut seine Hand nach ihm ausstrecken wird ... Oliver Pötzsch, Jahrgang 1970, arbeitete nach dem Studium zunächst als Journalist und Filmautor beim Bayerischen Rundfunk. Heute lebt er als Autor mit seiner Familie in München. Seine historischen Romane haben ihn weit über die Grenzen Deutschlands bekannt gemacht: Die Bände der 'Henkerstochter'-Serie sind internationale Bestseller und wurden in mehr als 20 Sprachen übersetzt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 800
    Erscheinungsdatum: 25.10.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843718790
    Verlag: Ullstein
    Serie: Faustus-Serie 2
    Größe: 3305 kBytes
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Der Lehrmeister

Prolog

15.September, Anno Domini 1518,
Rom, in den Kerkern der Engelsburg

Der Heilige Vater folgte den Schreien, die ihm den Weg durch die Katakomben wiesen. Sie waren schrill und hoch und zeigten Papst Leo X., dass die Zeit gekommen war.

Mit eingezogenem Kopf eilte er durch die niedrigen Gänge, wobei seine rote Samthaube gelegentlich die schmutzige Decke streifte. Leo keuchte, er zitterte vor Vorfreude, wie immer, wenn er hier unten war, um die letzte Vernehmung persönlich vorzunehmen. Die Engelsburg am Tiberufer war ein Labyrinth aus Kammern, Sälen und Gängen, vor über tausend Jahren erbaut als Mausoleum römischer Kaiser, mit Fluchttunneln, Geheimtüren und Grabkammern. Auch jetzt noch war sie das Grab vieler bekannter und unbekannter Gefangener. Doch mittlerweile diente der Palast den Päpsten als Festung und Fluchtburg, er galt als uneinnehmbar. In den oberen Stockwerken befanden sich die päpstlichen Gemächer, herrschaftliche Zimmer, bis zur Decke vollgehängt mit Ölgemälden der berühmtesten Maler, so als wären es Tapeten. Aus bronzenen Hähnen quoll kaltes oder warmes Wasser, Diener reichten kandiertes Obst sowie Eis, geschlagen in den fernen Bergen nördlich des Apennin und gesüßt mit dem sündhaft teuren Zucker, der aus den erst jüngst entdeckten Ländern jenseits des Meeres kam, jedes Gramm davon so wertvoll wie Gold. In den oberen Sälen roch es nach Veilchen und Parfum, um den Gestank der römischen Gassen zu vertreiben, und die Mauern atmeten den Geist Gottes.

Hier unten jedoch, tief in den Katakomben, herrschten Tod und Verderben.

Papst Leo X. lauschte, als ein erneuter Schrei ertönte, diesmal noch spitzer und höher, fast wie von einem Kind. Er war eindeutig auf dem richtigen Weg. Mit vor Aufregung klopfendem Herzen beschleunigte er seine Schritte und wandte sich nach rechts, wo eine Treppe noch tiefer hinabführte. Leo war fett, er wog weit über zweihundert Pfund, seit den Tagen seiner Thronbesteigung hatte er ständig zugenommen. Ihn plagten Kurzatmigkeit und ständig wiederkehrende schmerzhafte Fisteln am Hintern. Er mochte gar nicht daran denken, wie anstrengend es erst werden würde, all die Treppen wieder hinaufzugehen. Doch die wachsende Vorfreude trieb ihn voran.

Vielleicht würde er jetzt endlich die Wahrheit erfahren!

Blakende Fackeln beleuchteten einen engen, von Ruß verdreckten Gang, gelegentlich begegnete dem Papst ein Wachmann der Schweizer Garde, der sich tief vor ihm verneigte. Leo würdigte ihn keines Blickes. Es war ohnehin nicht von Vorteil, wenn man ihn hier unten sah. Doch manchmal ließ es sich eben nicht vermeiden.

Etwa dann, wenn ein Geheimnis nicht bis an die Oberfläche dringen durfte.

Eine weitere Treppe führte noch tiefer hinab in die Finsternis. An ihrem Ende tauchten im Zwielicht des Ganges zwei Wachsoldaten auf. Sie standen links und rechts von einer mit mehreren Eisenbändern verstärkten Tür, in die auf Kopfhöhe ein kleines Gitterfenster eingelassen war. Von dort kamen die Schreie, die nun wieder anschwollen, so als wollte derjenige, der sie ausstieß, den Heiligen Vater auf eine besonders intime Weise begrüßen.

Leo verzog das Gesicht, das Geheul war wirklich kaum auszuhalten. Glücklicherweise endete es ebenso abrupt, wie es begonnen hatte.

Der vor Anstrengung keuchende Papst gab den beiden Wachen ein Zeichen, woraufhin diese die schwere Tür öffneten. Dahinter war ein Raum zu erkennen, der nur mäßig von Fackellicht erhellt wurde, ein süßlicher, rauchiger Geruch ging davon aus, der sich nun auch im Gang davor ausbreitete. Brennende Glutpfannen standen in den Ecken der nahezu quadratischen, aus groben Steinen erbauten Kammer, daran lehnten Zangen und andere Utensilien, deren Zweck Leo nur erraten konnte, auch wenn er sie hier und dort bereits gesehen hatte, zum Beispiel in Florenz, wo er herstammte. Leo nickte anerkennend. Er hatte das feiste Gesicht und auch den Starrsinn eines Bauern, sein Verstand

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