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Der letzte Flug des Falken Roman. Memed-Romane IV von Kemal, Yasar (eBook)

  • Verlag: Unionsverlag
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Der letzte Flug des Falken

Memed versucht, Frieden und Glück zu finden und zieht von den Bergen herunter, wo er außerhalb des Gesetzes gelebt hat. Am Mittelmeer will er ein neues Leben beginnen, in einem Dorf, das von Orangen- und Zitronengärten umgeben ist. Unerkannt lebt er in diesem vermeintlichen Paradies ein beschauliches Leben, während rings um ihn die Memed-Legenden sprießen und ihm seine eigenen Heldentaten erzählt werden. Erst als sein Freund, der Lehrer, getötet wird, der sich als Einziger gegen die reichen Grundherren stellte, wächst wieder der unerbittliche Zorn in Memed, der ihn früher schon zum Rebellen und Rächer gemacht hat. Doch in dieser Welt haben Legenden keinen Platz mehr und das Wort und die Ehre gelten nichts. Memed zieht zum allerletzten Mal in die Berge ... Ya?ar Kemal wird der 'Sänger und Chronist seines Landes' genannt. Er wurde 1923 in einem Dorf Südanatoliens geboren. Seine Werke erschienen in zahlreichen Sprachen und wurden mit internationalen Preisen ausgezeichnet. 1997 erhielt er den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, 2008 wurde er mit dem Türkischen Staatspreis geehrt. Er starb in Istanbul am 28.2.2015.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 576
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783293307933
    Verlag: Unionsverlag
    Serie: Memed 4
    Originaltitel: Ince Memed 4
    Größe: 2440 kBytes
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Der letzte Flug des Falken

1

I ch kam in die Stadt Calindra, nahe an unseren Grenzen. Diese Stadt liegt an den Abhängen jenes Teils des Taurusgebirges, der durch den Euphrat geteilt wird, und erblickt die Hörner des großen Taurusgebirges im Westen. Diese Hörner sind so hoch, dass sie den Himmel zu berühren scheinen; denn in der ganzen Welt gibt es nirgends einen Landteil, der höher ist als dieser Gipfel, und er wird immer schon vier Stunden vor Tagesanbruch von den Strahlen der Sonne im Osten getroffen. Da er aus blendend weißem Gestein besteht, strahlt er stark wider und leistet den Armeniern in der Finsternis den gleichen Dienst wie das holde Mondlicht, und infolge seiner riesigen Höhe ragt er in senkrechter Richtung 4 Meilen weit über die höchsten Wolkenschichten hinaus.

Dieser Gipfel wird von einem großen Teil des Westens noch im Schein der Sonne gesehen, nachdem sie untergegangen ist, und zwar während des dritten Teils der Nacht. Er ist das, was wir an klaren Tagen, nach eurer Meinung, für einen Kometen gehalten haben, und uns scheint, dass er in der Dunkelheit der Nacht verschiedene Gestalten annimmt, manchmal in zwei oder drei Teile zerfällt, manchmal lang und manchmal kurz ist. Und das kommt von den Wolken, die am Himmelshorizont zwischen einen Teil dieses Gebirges und die Sonne treten; denn da die Sonnenstrahlen durch sie abgeschnitten werden, so wird die Beleuchtung des Berges unterbrochen durch verschiedene Wolkenräume, und daher ist er von veränderlicher Gestalt in seinem Glanz.

[...] Dieser Taurusgrat ist so hoch, dass sein Schatten Mitte Juni, wenn die Sonne im Mittag steht, bis zum Anfang von Sarmatien reicht, d.h. zwölf Tagesreisen weit, und Mitte Dezember erstreckt er sich sogar bis zu den Hyperboräischen Bergen, die eine Monatsreise weit gen Norden liegen. Seine dem brausenden Wind zugekehrte Seite ist immer in Wolken und Nebel gehüllt, weil der Wind, der beim Anprall gegen den Fels geteilt wird, sich hinter diesem Fels wieder sammelt, also die Wolken auf allen Seiten mitreißt und sie dann beim Anprall zurücklässt. Und wegen der großen Menge von Wolken, die dort aufgehalten werden, ist diese Seite auch immer Blitzschlägen ausgesetzt, sodass das Gestein überall zersplittert und voll gewaltiger Abstürze ist.

Am Fuß dieses Gebirges wohnen sehr reiche Völker, und es ist voll herrlicher Quellen und Flüsse, auch fruchtbar und reich an allerlei Schätzen, insbesondere in den Teilen, die nach Süden blicken. Aber nachdem man ungefähr 3 Meilen gestiegen ist, gelangt man allmählich zu Wäldern aus mächtigen Tannen, Kiefern, Buchen und andern ähnlichen Bäumen. Weiter oben, im Bereich von weiteren 3 Meilen, findet man Wiesen und unermessliche Weiden, und alles übrige, bis zum Anfang des Taurusberges, besteht aus ewigem Schnee, der hier zu keiner Jahreszeit schwindet und bis zu einer Höhe von ungefähr 14 Meilen im Ganzen reicht. Von diesem Anfang des Taurus bis zur Höhe einer Meile weichen die Wolken nie; denn hier haben wir 15 Meilen [hinter uns], was ungefähr 5 Meilen Höhe in senkrechter Richtung bedeutet, und ebenso hoch sehen wir die höchsten Spitzen des Taurus ragen. Man merkt dort oben, wie die Luft, von der Mitte an, allmählich wärmer wird, und spürt dort nirgends einen Windhauch. Aber hier kann nichts auf die Dauer leben; hier wird auch nichts geboren, ausgenommen einige Raubvögel, die in den tiefen Spalten des Taurus nisten und durch die Wolken herabstoßen, um ihre Beute auf den grasbewachsenen Bergen zu machen. Er besteht überall aus nacktem Fels, d.h. von den Wolken an, und der Fels ist blendend weiß; aber den höchsten Gipfel kann man wegen des steilen und gefährlichen Aufstieges nicht erklimmen. 1

Wie eine Mondsichel umringt der Taurus die Çukurova. Weit gestaffelte Bergketten schließen das Tiefland ringförmig e

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