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DER LETZTE SCHUSS 16 Western-Stories US-amerikanischer Autoren und Autorinnen von Dörge, Christian (eBook)

  • Verlag: BookRix
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DER LETZTE SCHUSS

DER LETZTE SCHUSS ist nach NACHT ÜBER GUNLOCK und IM ANGESICHT DES TODES bereits die dritte umfangreiche, von Christian Dörge zusammengestellte und herausgegebene Western-Anthologie, die in der Reihe APEX WESTERN erscheint. Der Band versammelt 16 erstklassige Western-Erzählungen US-amerikanischer Spitzen-Autoren und -Autorinnen, u. a. von Louis L'Amour, Wayne D. Overholser, Peggy Simson Curry, Dorothy Johnson, Luke Short und Will Henry. DER LETZTE SCHUSS wird ergänzt durch eine ausführliche bibliographische Notiz von Dr. Karl Jürgen Roth.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 586
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783748713265
    Verlag: BookRix
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DER LETZTE SCHUSS

Fred Grove: DIE WEISSE INDIANERIN (Comanche Woman)

Es war erstickend heiß. Die Reiter auf der Prärie ritten weit auseinandergezogen, schleiften lange Travois-Stangen hinter sich her, die dünne Sandfontänen aufwirbelten. Sie ritten auf mageren Pferden, rückten langsam und behutsam vor wie Fremdlinge in einem Land, in dem sie früher unumschränkt herrschten. Sie folgten einem einzelnen Krieger, der auf das steinerne Fort zuhielt. Dort erwartete ihn eine Schwadron vor den Mauern.

"Glauben Sie, es gibt Schwierigkeiten?", fragte der junge Lieutenant, der das Kommando führte, nervös. Er wendete sich einem Mann mit wettergegerbtem Gesicht zu, dessen struppiger Bart, der Linie des Jochbogens folgend, die breiten Lippen halb verdeckte. Als Kundschafter der Regierung war der Mann schon sehr sonderbar gekleidet, dachte der Lieutenant: speckige blaue Kniehosen, gemustertes Kattunhemd, eine Weste aus Kalbfell und dazu dieser lächerliche Hut mit der riesigen Krempe und dem Band aus verblichenem Biberfell, das irgendein Kennzeichen oder Abzeichen sein sollte.

Der Alte - er war viel älter, als er den Offizieren des Forts eingestehen wollte - legte die Hand über die Augen. Blinzelnd spähte er in die Prärie hinaus, verharrte in dieser straffen, angespannten Haltung. Seine Augen taugten nicht mehr viel; aber er kannte diese Leute nur zu gut, die Krieger der Antilope! Er beobachtete den Anführer des Trupps. Über dem breiten Comanchengesicht mit den ausgeprägten Wangenknochen flatterte blondes Haar - hell wie Weizengrannen.

"Sie kommen in friedlicher Absicht", murmele der Alte. "Indianer nehmen ihre Familien nicht mit auf den Kriegspfad", fuhr er fort. "Was Sie dort sehen, sind die letzten Comanchen, Lieutenant." Der Alte unterdrückte den Groll, der in ihm aufsteigen wollte. "Buffalo ist tot, der Krieg vorbei. Vergessen Sie das nicht."

Es gab eine Menge, was man nicht vergessen sollte, dachte der Alte. Sein Geist begann zu wandern, tauchte ein in die Vergangenheit, holte sich das Bild der endlosen Grasflächen, der sonnenüberfluteten Berge zurück, zwischen denen dieses Volk dahinritt wie ein Wirbelwind. Und dann sah er wieder das träumende Gesicht der weißen Frau vor sich, die vor so langer Zeit bei diesem Volk gelebt hatte...

Es war bereits später Nachmittag, als die Frauen Mezquiteholz für die Kochfeuer sammelten, ehe Emily Gelegenheit fand, sich dem kleinen weißen Mädchen zu nähern, das Bärentöter am Morgen als Gefangene ins Lager gebracht hatte.

Das Mädchen wirbelte herum. Sein kleines, verschüchtertes Gesicht verzerrte sich in jähem Schrecken. "Lass mich!", schrie es und zuckte zurück. Die Haut - viel zu blass für die glühende Sonne von Texas - schälte sich schon von Nase und Wangen. Sein Haar hatte die Farbe des Flachses und war mit Staub und Sand verklebt. Doch was Emily wie ein Stich ins Herz traf, war das jähe Entsetzen, das in diesem kleinen, mageren Gesichtchen mit den weit aufgerissenen blauen Augen stand, die viel zu groß für dieses Kindergesicht zu sein schienen. Das Mädchen konnte höchstens zehn Jahre alt sein.

"Nicht weh tun - dir", sagte Emily. Sie hatte sich immer wieder dazu gezwungen, englisch zu sprechen; damit sie nicht die Sprache ihrer Leute vergaß.

Sie streckte vorsichtig die Hand aus. Sie war nicht überrascht, als das Mädchen sie wegschlug.

"Nicht weh tun - nicht weh tun."

"Geh weg, du dreckige Indianerin!" Das Mädchen raffte ihr kleines Holzbündel auf und rannte fort.

Emily fing sie wieder ein. Die Kleine wimmerte und wand sich, und während dieses kurzen Ringens kam es Emily schmerzhaft zu Bewusstsein, dass das weiße Mädchen viel zu schwach für die Lagerarbeit war. Lange nicht so kräftig wie Emily, als man sie damals gefangengenommen hatte. Sobald es Winter wurde, würde die Kleine sterben wie eine junge Wachtel, die vom Schneesturm überrascht wird

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