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Der liebe Gott macht blau Roman von Paasilinna, Arto (eBook)

  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Der liebe Gott macht blau

Der liebe Gott hat die Nase gestrichen voll von den Menschen und ihren Missetaten. Er braucht Abstand, ist schlichtweg urlaubsreif. Nur, wer soll ihn vertreten? Der Heilige Petrus winkt dankend ab. Warum nicht einem Menschenkind den Job anbieten? Und so klopft Erzengel Gabriel bei Kranführer Pirjeri Ryynänen an. Frohen Mutes besteigt der sogleich den Himmelsthron ...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 283
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783838701431
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Originaltitel: Auta armias
    Größe: 1678 kBytes
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Der liebe Gott macht blau

13 (S. 108-109)

Der allmächtige Gott war im Weltraum verschwunden. Pirjeri Ryynänen war nun allein, er nahm Gottes Stelle ein. Seiner Verantwortung unterstand die ganze Erde, die Fische im Wasser, die Vögel am Himmel, die Bäume und Pflanzen, die Säugetiere und Menschen, die Winde, der Sonnenschein und der Regen. Er bestimmte über Wohl und Wehe, war der Herrscher des Himmels und der Erde. Diese schwindelerregenden Aussichten ließen die Brust des frischgebackenen Gottes anschwellen.

Die Süße der Macht erfüllte ihn. Es juckte ihn in den Fingern, nach Gutdünken seine Kräfte, die Dimensionen seiner Göttlichkeit, zu erproben. Pirjeri dachte berauscht, dass er der mächtigste Finne aller Zeiten sei, jemand, der echte Macht hatte, mehr als die Parlamente und Präsidenten der Großmächte, mehr als die Könige und Premierminister. Er war überraschend in eine Position aufgestiegen, wie sie sich nicht einmal Präsident Urho Kekkonen je hätte erträumen können. Bis dato war Otto Ville Kuusinen der einflussreichste Finne gewesen, aber auch er war nur eine Randfigur im Vergleich zu Pirjeri. Noch weniger Macht besaßen der Präsident der USA oder Russlands.

Der verantwortliche Meister bei Haka gar hatte so wenig Bedeutung, dass es überhaupt nicht der Rede wert war, und das, obwohl er Pirjeri noch vor ein paar Tagen sehr viel zu sagen gehabt hatte. So treibt einen das Leben um, dachte Pirjeri im Bewusstsein seiner Macht. Noch kürzlich hatte er hoch oben in einem Kran auf der Baustelle von Haka gesessen. Jetzt residierte er im himmlischen Turmzimmer eines bulgarischen Schlosses, saß entspannt in einem von Gott höchstpersönlich angewärmten Lehnsessel und betrachtete die Welt durch die Fenster ringsum.

Alles, was er sah, stand unter seiner Herrschaft, und außerdem alles, was er nicht sah, auf allen Seiten, hinten und vorn, oben und unten. Beinah hätte dieses süße Gefühl der Macht das Urteilsvermögen des neuen Gottes vernebelt, hätte der Stolz die Überhand gewonnen. War das der erste Versuch des Erzfeindes, den stellvertretenden Gott zu täuschen? Pirjeri erkannte, wie abscheulich sündig seine machtlüsternen Gedanken waren, und schüttelte sie von sich ab. Seine Aufgabe war es ja, die Welt zu behüten. Er musste Gutes tun, er war zwar Gott, aber er musste sorgfältig darauf achten, dass ihm das neue mächtige Amt nicht zu Kopf stieg. Er hatte den Teufel in Grönland getroffen und würde sich fortan vor ihm in Acht nehmen müssen.

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