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Der Maler Gottes von Thorn, Ines (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 21.12.2012
  • Verlag: Edel Elements
eBook (ePUB)
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Der Maler Gottes

Er ist von seiner Kunst besessen und kennt keine Kompromisse. Bereits als Kind hat Matthias Grünewald nur ein Ziel: Ein Werk zu schaffen, das Gott und der Schöpfung gerecht wird. Nichts kann ihn von seiner Vision abbringen - nicht sein eifersüchtiger Bruder, nicht die harten Lehrjahre und auch nicht Magdalena, mit der ihn eine innige Liebe verbindet. Heiraten wird er sie nie, denn seine Kunst steht immer an erster Stelle. Doch in seiner berühmten Magdalenenklage setzt er ihr ein unvergängliches Denkmal ...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 21.12.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783955300784
    Verlag: Edel Elements
    Größe: 2866kBytes
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Der Maler Gottes

2. KAPITEL

V on St. Paul ist das Mittagsgeläut noch zu hören, als Matthias mit seinem Vater Hans das Haus verlässt. Sie sind auf dem Weg zum Papiermacher Georg, dem Patenonkel von Matthias. Der Vater braucht Papier, um gemeinsam mit Johannes, der inzwischen als Geselle in der Werkstatt des Vaters arbeitet, Entwürfe für eine hölzerne Statue der heiligen Elisabeth zu fertigen. Der Auftrag kommt aus dem Antoniterkloster. Der Präzeptor Jakob Ebelson hat beschlossen, das Elisabethenhospital, ein Feldsiechenhaus vor den Toren der Stadt, neu herzurichten. Die Bauarbeiten gehen zügig voran, und das Korn auf den Feldern steht schon vor der Reife. Am Tag der heiligen Elisabeth, am 19. November, soll mit der Enthüllung und Segnung der Statue das neue Hospital eröffnet werden. Der Vater und Johannes müssen sich eilen, wenn sie bis dahin fertig werden wollen.

Matthias und sein Vater bahnen sich mühsam einen Weg durch die Straßen. Händler, die mit Karren voller Feldfrüchte zum Marktplatz ziehen, verstopfen die engen Gassen, in denen es nach Unrat, Kot und verwestem Fleisch riecht. Eben geht wieder ein Fenster auf, und schwungvoll schüttet eine Hausfrau einen Eimer stinkendes Spülwasser auf die Straße.

Am Diebesturm biegen sie nach Osten ab und laufen über den Markt, auf dem trotz der frühen Stunde schon reichlich Betrieb ist. Ein Verkaufsstand reiht sich an den anderen. Es riecht nach Fisch, nach frischem Brot und nach gegerbtem Leder. Handwerker, Hausfrauen und Bauern aus den umliegenden Weilern drängen sich an den Ständen, Lehrjungen versuchen mit lautstarkem Gebrüll, Kundschaft anzulocken, Beutelschneider und Straßenjungen treiben ihr Unwesen. Eine größere Menschenmenge hat sich in einer Ecke des Marktes versammelt, um den Bütteln des Schultheiß bei der Arbeit zuzusehen. Gerade werden zwei Taschendiebe aus dem Diebesturm zur Richtstatt gebracht. Einer wird an einen Pfahl gebunden, zwei Büttel halten den anderen fest, während ein Dritter ihm mit einer glühenden Zange ein Mal auf die Wange brennt. Eine junge Frau steht am Pranger, die Röcke über dem Kopf zusammengebunden, und muss sich unter dem lauten Gelächter der Menge vom Gerichtsdiener den prallen, weißen Hintern auspeitschen lassen als Strafe für unzüchtige Kleidung. Daneben steckt ein dicker Mann bis zur roten Knollennase in einem Fass voller Fäkalien, und die Zuschauer bewerfen ihn mit faulem Obst und Pferdeäpfeln. Es ist ein Bäcker aus der Altstadt. Er soll, so hört Matthias zwei Marktweiber sagen, zu viel Wasser in die Brote gepanscht haben, um das Gewicht zu erhöhen.

Matthias bleibt an einem Stand mit Messern und Klingen stehen und betrachtet die Auslage.

"Vater, ich bitte Euch, kauft mir ein Messer", bettelt der 14-jährige.

"Zum Kuckuck, nein!", bestimmt der Vater. "Was willst du damit? Geistlicher sollst du werden, nicht Bildschnitzer. Die Werkstatt ist zu klein, sie reicht nicht, um die Mäuler zweier Familien zu stopfen. Johannes wird sie übernehmen, und du gehst nach dem Sommer zu den Antonitern ins Kloster."

Nachdenklich betrachtet er seinen jüngsten Sohn, sagt dann: "Matthias, du hast keine Gabe fürs Malen und Schnitzen. Erbauen muss man die Menschen mit den Bildern und Statuen, nicht in Verwirrung stürzen. Dein Verstand jedoch verweigert die Erbauung. Immer stellst du nur Fragen, die die Verwirrung deines Geistes zeigen."

Der Vater hat mehr zu sich als zu Matthias gesprochen, achtet nicht auf das verständnislose Gesicht seines Sohnes. Er zieht den Jungen weiter, und bald haben sie die Papiermühle erreicht.

Die Geschäfte sind schnell abgewickelt. Georg, der Papiermacher, schenkt seinem Patensohn Matthias ein paar Papierabfälle, grobfaserige Stücke, zu schlecht, um sie zu verkaufen. Ehe der Vater es sieht, steckt Matthias die Stücke unter seinen Kittel.

Wenig später sitzen sie im Grünen Krug, einem Wirtshaus am Markt. Die Gaststube ist voll. Alle Bänke sind besetzt. Handwerker,

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