text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Der Meermacher von Braendle, Christoph (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 27.03.2014
  • Verlag: dotbooks GmbH
eBook (ePUB)
5,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Der Meermacher

Der Regen war in der Zwischenzeit noch kühler geworden, und es schien, als herrsche nun ewiger Dämmer. Die Häuser jenseits der Gasse wirkten, als habe man die Fensterläden für immer geschlossen. In der schmalen Gasse schwollen die Rinnsale zu kleinen, schnellen Bächen an, die Gustavs Füße schon umspülten. Der Regen beginnt zu fallen: Die Rosen im Garten lassen die Köpfe hängen und Gustav und Gerlinde müssen sich fragen, was ihre Ehe eigentlich noch zusammenhält. Gustav wandert ziellos durch die Stadt, lässt sich treiben, verliert sich in den Tiefen der Aquarien im Schaufenster einer Zierfischhandlung. Als er nach Hause kommt, ist Gerlinde verschwunden. Der Regen fällt weiter und nimmt sintflutartige Züge an - was hat Gott bloß so erzürnt? Oder steckt vielleicht doch etwas ganz anderes dahinter? 'Der Meermacher, ein apokalyptischer Science-Fiction-Roman mit einer abgründigen Pointe.' DIE ZEIT Jetzt als eBook: 'Der Meermacher' von Christoph Braendle. dotbooks - der eBook-Verlag JETZT BILLIGER KAUFEN - überall, wo es gute eBooks gibt!

Christoph Braendle wurde 1953 in der Schweiz geboren. Er studierte Jura in Zürich und unternahm ausgedehnte Reisen in Europa, Afrika und Asien, lebte in den USA und in Mexiko. Er verfasste Romane, Essays, Reportagen und Theaterwerke, gründete und leitet das Wiener Salon Theater. Christoph Braendle ist verheiratet, Vater zweier Töchter und lebt heute in Wien und Marokko. Christoph Braendle im Internet: http://christophbraendle.net/

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 285
    Erscheinungsdatum: 27.03.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783955202071
    Verlag: dotbooks GmbH
    Größe: 714kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Der Meermacher

1.

In diesem Moment fielen die ersten Tropfen vom Himmel. Das große Regnen begann. Schon prasselte Wasser gegen die Fensterscheibe, durch welche Gustav in den Garten starrte. Das Licht wurde stumpf und trüb und passte sich Gustavs Stimmung an. Sie war finster, seit Gerlinde die lang geplante Reise in die Südsee hatte stornieren müssen, weil es ihr nicht gelingen wollte, ihre Flugangst zu überwinden. Adieu, feiner Sand und hohe Palmen. Kein Tauchkurs, keine Korallenriffs, keine Fische. Stattdessen würden sie zu Hause Ferien machen. Gustav stöhnte. Der Tag war ihm gründlich verdorben. Jäh war er erwacht aus seinem Traum: Die Südsee, das schönste aller irdischen Paradiese. Hundertmal hatte er die Prospekte gelesen. Auswendig kannte er sie. Langusten, Schalen- und Stacheltiere, vielfarbig glitzernde Tropenfische, aber auch große seltene Arten wie Wale bevölkern Lagune und Meer. Darauf hatte er sich wie ein Kind gefreut. Und erst die Wärme. Die unvergleichliche Transparenz des Wassers. Es würgte ihn der Gedanke, was er nun alles verpassen würde. Nie die Farbe des Meeres sehen? Nie seinen Geruch riechen? Nie sein salziges Wasser mit den Lippen kosten?

Und wenn er sich gar den Spott der Arbeitskollegen vorstellte ... Wie oft hatte er doch mit seiner Reise in die Südsee geprahlt, die einmal etwas anderes sei als das ewige Wandern über Alpenweide und Fels. Und jetzt regnete es auch noch in Strömen. Gustavs Zorn wuchs. Er war gewiss kein böser Mensch, aber jetzt hatte er eine Stinkwut, und die musste sich entladen und zwar umso heftiger, je mehr er wähnte, Gerlinde habe ihre Flugangst einzig ihm zuleide entwickelt. Dabei musste sie doch wissen, wie wichtig ihm diese Reise war. Meer! Frische Luft!, schrie er. Ich brauche mehr frische Luft!

Gerlinde hingegen war erleichtert. Für sie bedeutete der Verzicht auf die Südsee vor allem, dass sie nicht in eine dieser Maschinen zu steigen brauchte, deren Fähigkeit, sich in die Luft zu werfen und dort zu bleiben, sie nie verstanden hatte. Der Verzicht bedeutete auch, dass sie zu Hause bleiben und ihre geliebten Rosenstöcke pflegen durfte, die sie vor zwanzig Jahren von ihren drei besten Freundinnen zur Hochzeit erhalten hatte und die inzwischen zu hohen Sträuchern herangewachsen waren.

Es regnete nun wirklich heftig. Die Rosen wurden vom herabpeitschenden Wasser fast ganz zu Boden gedrückt. Gustav nahm das mit einiger Befriedigung wahr. "Dich kann man rein gar nichts machen lassen!", schrie er, während er die Tropfen zu zählen versuchte, die auf den Zweigen zerplatzten. "Was musstest du den Flug aber auch ausgerechnet bei dieser Unglückgesellschaft ... Das hast du mit Absicht getan!"

"Ja, Gustav", sagte Gerlinde. Sie war nicht etwa devot, aber sie hatte sich zu Beginn ihrer Ehe darauf konzentriert, ihren Mann nicht nur zu lieben, sondern auch zu bewundern, und sie hatte sich sowohl an die Liebe als auch an die Bewunderung gewöhnt und sie zu ihrer zweiten Natur gemacht.

"Ich sage ja nicht, dass du bewusst absichtlich eine Fluglinie gewählt hast, die jetzt eine Panne nach der anderen produziert", knurrte Gustav, "aber unbewusst absichtlich ..."

"Ja, Gustav", sagte Gerlinde. Sie hatte so viele Tränen der Erleichterung vergossen, dass sie durch den Schleier nicht gesehen hatte, was sie kochte. Das Essen war ihr gründlich missraten. Sie war eben dabei, es in den Müll zu werfen und überlegte, was sie Gustav als Ersatz anbieten könnte.

Aber Gustav war im Moment überhaupt nicht am Essen interessiert. "Unbewusst absichtlich hast du es bestimmt getan!", doppelte er nach und schlug mit der mageren Hand gegen die Fensterscheibe

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen