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Der Narr und die Mandelblüte von Löhndorff, Ernst F. (eBook)

  • Verlag: Uksak E-Books
eBook (ePUB)
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Der Narr und die Mandelblüte

Der Narr und die Mandelblüte Roman von Ernst F. Löhndorff Der Umfang dieses Buchs entspricht 255 Taschenbuchseiten. Eine gequälte Kreatur, ein hässlicher Narr, so sieht die Welt Peter, den Engländer. Doch nach einer grausamen Odyssee gelangt er auf die Insel Boro-Boro, und plötzlich wendet sich sein Schicksal scheinbar zum Besseren. Doch sein Herz ist entflammt in Liebe zu einer schönen Frau, der er sich nicht nähern kann, weil sie die Tochter seines Chefs ist. Er hat sich abgefunden damit, dass er den Rest seines Lebens allein bleiben wird, ergibt sich dem Opium und dem Alkohol, bis die Pest auf die Insel gelangt. Und plötzlich steht er im Mittelpunkt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 280
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783738915860
    Verlag: Uksak E-Books
    Größe: 534 kBytes
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Der Narr und die Mandelblüte

BORO-BORO hatte nach Süden einen schmalen ebenen Küstenstreifen, den das glasklare glatte Wasser einer riffgeschützten Lagune leise schmeichelnd berührte. Der feine Sand war so weiß, dass er unter dem riesigen, grellen Tropenmond wie ein blanker Silbergürtel aussah. Wenn aber die Sonne darauf strahlte, war er violett mit dem schwarzblauen, unruhigen Schattenmuster der Uferpalmen gezeichnet; wenn flimmernde Dunstschichten gleich Feuerfünkchen über Boro-Boro tanzten; wenn die Konturen des Berges im Trugschimmer der grausamen Hitze sich unaufhörlich verzerrten, auseinander und wieder zusammen flossen!

Man konnte meinen, der Fuß des Berges sei ein Riesenbein, das bis an den Knöchel im Sande steckte und dann steil und gedrungen in den Himmel wuchtete. Dieser schimmerte bei Tag hell und zart wie die Seidenschärpe eines andalusischen Mädchens. Im Lichte der Sterne glich er einem voll erblühten Indigofeld am Gangesufer, das vom Monsun gestreichelt wird.

Wie feine Filigrane hoben sich die gefiederten Palmen, die in weiten Abständen den Grat bestanden, vom Horizont ab. Aus dunkel verschatteter Schlucht stürzte weiß schäumend der Bach in vielen Terrassen nach unten. Über seinen Fällen und Strudeln gaukelten kleine Regenbogen hin und her, auf und nieder, und die runden Schultern der Basaltblöcke ragten schwarz und nass glitzernd aus üppigem Grün. Erst wenn der Sonnenball sich ins flammend gerötete Meer stürzte, erlosch der Farbenzauber, und die Landschaft zerlief in dunkler Tusche, mit wahllos eingestreuten silbernen Pinselstrichen.

Auf der anderen Seite des Berges war die Erde flach, mit spärlichen Grastupfern und viel Sand bedeckt. An der Innenseite einer tiefen Halbmondbucht, gegen die das Meer frei und ungehindert schlug, lag die Bretterbuden- und Ölpapierstadt des reichen Chinesen Ah-Quong. Seine Schecks galten von Hongkong bis nach dem Schott el Arab, und seine Dschunken befuhren das Inselmeer nach allen Richtungen. Ah-Quongs Niederlassung ähnelte einem farbenglühenden Märchenbasar aus der endlosen Phantasienkette des Orients, die von Morgen bis Mitternacht und wieder bis zum neuen Morgen währt.

Das war Boro-Boro, die ferne Insel, deren Bewohner manchmal brüllend aus ihrer Ruhe gerissen wurden und dann in langer Prozession mit Räucherstäbchen, duftenden Gefäßen und Ah-Quong an

der Spitze zum Strande wallten, wenn der "Alte Mann" im Innern des Berges sich regte, dass dumpfes Grollen durch die schwüle Natur brach und die Insel in ihren Grundfesten erbebte. Ah-Quong opferte nach heimischer Sitte beim Gezirpe und Geschnatter merkwürdiger chinesischer Musikinstrumente den Göttern, um sie zu versöhnen. Weit in die See hinaus warf er eine schimmernde Perle. Am Fuße des Berges entzündete er Räucherwerk und Sandelholz, und alle Menschen, selbst die paar übriggebliebenen Ureinwohner der Insel, jene schlanken, goldbraunen Kanaken mit krausen Bärten und ihre schön geformten Frauen, sanken in die Knie, um den "Alten Mann" auf chinesische Art zu ersuchen, ihr Leben zu verschonen.

Das war Boro-Boro, das Eiland in der glitzernden See, auf dem ein Tag oder eine Nacht wie die anderen waren, wenn der "Alte Mann" im Berge nicht gerade grollte! Dort war ein Paradies für Menschen, die Ruhe suchten und ein neues Leben anfangen wollten. Dort ist gut sein!, sagte sich Peter Holders mit seiner hungernden, brutalisierten, in einem verprügelten Körper wohnenden Seele, als er die schlanken Kokospalmen, das grüne Gras und die gleich zuckenden Farbenblitzen durch die duftschwere Luft schwirrenden Vögel erblickte. Die schön geschnitzten Auslegerkanus und die zierlichen Hütten der Kanaken, die am Fuße des Berges an der Lagune, fern von der bunten Stadt des Chinesen wohnten, sah er.

Und seltsam beschwichtigend schlugen der klagende Tenor und die schluchzenden Chorstimmen der braunen Menschen an sein Ohr, während er sich im har

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