text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Der Opernheld Roman von Singer, Lea (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.09.2011
  • Verlag: Hoffmann und Campe Verlag
eBook (ePUB)
8,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Der Opernheld

Wenn die Liebe zur italienischen Oper so mächtig wird, dass nichts anderes mehr in deinem Kopf Platz hat, dann musst du dieser Liebe folgen. Moritz Redder hat sich entschieden: Sein Leben gehört der Oper. Moritz Redder, erfolgreicher Jurist, führt ein geordnetes Dasein und kennt keine Unwägbarkeiten. Als aber durch eine Erbschaft die Musik Einzug in sein Leben hält, verändert sich alles. Die italienische Oper erobert ihn im Sturm: zuerst sein Herz und dann seinen Verstand. Sie erweckt ihn zum Leben und lässt ihn an die besungenen Ideale glauben - bedingungslose Liebe, lodernde Leidenschaft, Heldenmut. Moritz Redder verliert keine Zeit: Er reist nach Italien und nennt sich fortan Maurizio Salvatore. Die Liebe zur Oper und zu den Sängerinnen wird zur Obsession. Der Magie der Oper verfallen, verliert er sich selbst immer mehr und findet doch zuletzt ein Glück, das er eigentlich gar nicht suchte. 'Lea Singer versteht es, aus ihren Recherchen Honig zu saugen.' NDR Lea Singer wurde in Kunstgeschichte, Musik und Literaturwissenschaft promoviert. Sie arbeitet auch als Sachbuchautorin und Publizistin, lebt in München und hat einige hochgelobte Romane geschrieben: Mandelkern (2007), Konzert für die linke Hand (2008), Der Opernheld (2011), Verdis letzte Versuchung (2012) und zuletzt Anatomie der Wolken (2015).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 384
    Erscheinungsdatum: 28.09.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783455810080
    Verlag: Hoffmann und Campe Verlag
    Größe: 1378 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Der Opernheld

Rom

März 2010

E s gibt ein Geheimnis, das mehr beglückt als alle anderen: zu wissen, dass diejenigen, die einen für verrückt halten, arme Irre sind. Sie erkennen den Erleuchteten nicht. Sie ahnen nicht, was er ihnen voraushat. Helligkeit am dunkelsten Ort, ungeachtet jeder Demütigung, und Freiheit, selbst in der Zwangsjacke; vor allem aber Dankbarkeit dafür, der Erleuchtung teilhaftig geworden zu sein.

Dieses Glück konnte Maurizio Salvatore keiner mehr nehmen. Geboren als Moritz Redder in einer süddeutschen Mittelstadt am 3. November 1971, einhundertsiebzig Jahre nach Bellini, ziemlich genau auf demselben Längengrad wie Verdi, war er entschlossen, am 24. November 2024, hundert Jahre nach Puccini, zu sterben. Ein relativ früher Tod für die Maßstäbe der westlichen Welt des 21. Jahrhunderts, aber die Vorstellung eines späten, womöglich sanften Todes schmeckte ihm schal. Dumm war dieser Wunsch, im Schlaf zu sterben und den Höhepunkt des Lebens zu versäumen, vor dem sich die meisten fürchteten, anstatt ihn zu einem grandiosen Finale zu gestalten.

Maurizio bedachte bereits genau die Umstände seiner letzten Szene und des endgültigen Abtritts von der Bühne. Musik und Beleuchtung konnte er programmieren, doch die Todesart, sollte er sich nicht für den Freitod entscheiden, lag nicht allein in seiner Hand. Ein Trinker konnte sich andante, presto oder prestissimo zu Tode trinken, ein solches Ende aber passte in keine Oper, höchstens in eine, die Salvatore nicht als solche bezeichnet hätte. Bellini war, was den letzten Akt seines Daseins anging, vorbildlich gewesen. Ein Mann der Oper bis zum Tod und über ihn hinaus. Umraunt war sein frühes Ableben mit dreiunddreißig, Mord schien wahrscheinlich. Als Mörder waren Hunderte in Frage gekommen: Ehemänner, Verlobte, Liebhaber, von ihren Frauen, Bräuten, Freundinnen mit Bellini hintergangen, im Bett, hinter den Gardinen der Logen, auf den Chaiselongues irgendwelcher Hotels zwischen Palermo und Paris, vielleicht auch nur im Kopf. So zu sterben setzte freilich eine Karriere als Verführer voraus, und an der gebrach es Maurizio mit über achtunddreißig Jahren noch immer.

Maurizio Salvatore war guter Stimmung, was außer ihm in dieser Situation kaum einer gewesen wäre. Ein Mann seines Alters und seiner Ansprüche schlief ungern in einem Zimmer mit Männern eingesperrt, die ihn als das behandelten, was er war, ein Fremder. Ein Mann, der vor ein paar Jahren seinen ersten Achtzylinder abbezahlt hatte und die Eigentumswohnung zur Hälfte, war es nicht gewohnt, die Dusche mit so vielen zu teilen, dass er meist kein heißes Wasser mehr abkriegte. Die anderen Männer hier tuschelten über ihn und mieden es, ihm nahe zu kommen. Sie verließen die Dusche oder blieben ihr fern, wenn er sie betrat. Vielleicht ahnten sie, schon weil er fast immer lächelte, dass er über irgendein verborgenes Vermögen verfügte, und waren verärgert, nichts Näheres darüber herausfinden zu können. Vielleicht fürchteten sie sich auch vor ihm. Es war durchaus möglich, dass sie erfahren hatten, warum er hier gelandet war.

Die Vorstellung, gefürchtet zu werden, behagte Salvatore und tröstete ihn über sein Äußeres hinweg: Die Haut blass, die Brauen aschblond, die Wimpern beige, auch das gekrauste Haupthaar beige. Einer aus der Schule hatte gesagt, es schaue aus wie das Haar an seinen Eiern. Den Entschluss, es schwarz zu färben, bereute Salvatore nicht, aber dass es nun am Ansatz beige herauswuchs, war ihm peinlich. Brusthaar besaß er gar keines. Die Augen waren von undefinierbarer Farbe, bräunlich wäre wohl alles, was einem Menschen dazu ein

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen