text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Der Page und die Herzogin von Heyer, Georgette (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.03.2017
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
6,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Der Page und die Herzogin

Paris zur Zeit Louis XV.: Der Herzog von Avon trägt den Spitznamen 'Satanas' zurecht, denn er ist für seine Skrupellosigkeit und sein ausschweifendes Leben berüchtigt. Als ihn eines Abends ein Knabe beinahe umrennt, kauft er den jungen Léon kurzerhand seiner Familie ab und macht ihn zu seinem Pagen. In den feinen Pariser Kreisen sorgt dies für großes Aufsehen. Niemand ahnt, dass Avon damit einen raffinierten Rachefeldzug an seinem Erzfeind Graf Henry de Saint-Vire plant, dem Léon verblüffend ähnlich sieht. Doch zum Erstaunen des Herzogs stellt sich heraus, dass Léon eigentlich ein Mädchen ist. Die entzückende Léonie erobert die Pariser Gesellschaft im Sturm und Avon muss feststellen, dass die junge Dame sich nicht so einfach für seine Zwecke einspannen lässt. Und auch er selbst erliegt bald den Reizen des temperamentvollen jungen Mädchens ... In 'Der Page und die Herzogin' (im Original: These Old Shades) lässt Georgette Heyer die gute alte Zeit des Ancién Regime wieder aufleben. Die historische Liebeskomödie besticht durch einen humorvollen Ton, fein pointierte Dialoge und einen spannenden Plot, bei dem kein Auge trocken bleibt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 491
    Erscheinungsdatum: 28.03.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732531776
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Größe: 1247 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Der Page und die Herzogin

1.
Seine Gnaden kauft eine Seele

Ein Kavalier schlenderte durch eine Seitengasse von Paris; er hatte eben das Haus einer gewissen Madame de Verchoureux verlassen. Sein Gang hatte etwas Geziertes, denn die roten Hacken seiner Schuhe waren sehr hoch. Ein langer purpurner, rosa gefütterter Mantel hing um seine Schultern und enthüllte in lässigem Fall einen reich bordierten und mit goldenen Tressen besetzten Rock aus purpurnem Brokat, eine geblümte Seidenweste, makellose Kniehosen und verschwenderisches Juwelengefunkel auf Halsbinde und Jabot. Ein Dreispitz mit scharfen Kanten saß auf der gepuderten Perücke, ein langes bebändertes Stückchen wippte in der Hand. Es mochte wenig Schutz gegen Straßenräuber bieten, und hing auch ein leichter Galadegen an des Kavaliers Seite, so war doch sein Heft in den Mantelfalten verborgen und nicht schnell zur Hand.

Zu dieser späten Stunde und in dieser menschenleeren Gasse bedeutete es den Gipfel der Verwegenheit, unbegleitet und juwelenglitzernd dahinzuschreiten, doch der Kavalier schien seiner Tollkühnheit gar nicht bewusst zu sein. Er ging achtlos seines Wegs und blickte weder nach rechts noch nach links.

Plötzlich stürzte sich, wie von einer Kanone abgeschossen, aus einem finsteren Durchlass zur Rechten ein Körper auf den Kavalier. Die Gestalt klammerte sich an den eleganten Mantel und versuchte unter Schreckensschreien das Gleichgewicht zu wahren.

Seine Gnaden, der Herzog von Avon, machte eine rasche Wendung. Er packte die Handgelenke seines Angreifers und drehte sie mit einer unbarmherzigen Kraft einwärts, die sein dandyhaftes Aussehen Lügen strafte. Das Opfer wimmerte schmerzlich auf und brach zitternd in die Knie.

"M'sieur, ach, lassen Sie mich los! Ich wollte ja nicht. - Ich wusste nicht - Ich hätte nie - Ach, M'sieur, lassen Sie mich doch los!"

Seine Gnaden beugte sich, leicht zur Seite geneigt, über den Jungen. Das Licht einer in der Nähe stehenden Straßenlaterne fiel auf ein weißes, zu Tode erschrecktes Gesicht. Große, veilchenblaue Augen starrten wild zu ihm empor, in deren Tiefen Entsetzen lag.

"Für derlei Spiele scheinst du mir reichlich jung", sagte der Herzog verwundert. "Oder glaubst du, mich überrumpeln zu können?"

Der Knabe errötete, und seine Augen verdunkelten sich vor Empörung.

"Ich wollte Sie nicht berauben! Wirklich nicht, wirklich nicht! Ich - ich wollte durchbrennen! Ich - oh, M'sieur, lassen Sie mich doch los!"

"Alles zu seiner Zeit, Kind. Von wo wolltest du durchbrennen, wenn ich fragen darf? Von einem anderen Opfer?"

"O nein! Ach bitte, lassen Sie mich los! Sie - Sie verstehen das nicht! Er wird schon meine Verfolgung aufgenommen haben! Ach bitte, bitte, Milor'!"

Die seltsamen, von schweren Lidern beschatteten Augen des Herzogs wandten sich nicht vom Jungengesicht ab. Sie hatten sich plötzlich weit geöffnet und einen gespannten Ausdruck angenommen.

"Und wer, Kind, ist dieser 'Er'?"

"Mein - mein Bruder. O bitte -"

Um die Ecke des Gässchens kam ein Mann gehastet. Als sein Auge auf Avon fiel, hielt er inne. Der Knabe began zu zittern und klammerte sich an Avons Arm.

"Ah!", stieß der Mann aus. "Wenn diese Missgeburt Euch zu berauben versucht hat, Milor', wird er's teuer büßen müssen! Bei Gott! Du Lump, du! Undankbares Biest! Das wirst du noch bereuen, kann ich dir versichern! Ich bitte tausendmal um Entschuldigung, Milor'! Der Bursche ist mein jüngerer Bruder. Grade verprügelte ich ihn wegen seiner Faulheit, da schlüpfte er mir davon -"

Der Herzog hob ein parfümiertes Taschentuch an seine Nase.

"Bleib Er mir vom Leibe, Geselle", sagte er arrogant. "Prügel dürften zweifellos dem Jungen nicht schaden."

Der Knabe heftete sich noch mehr an seine Seite. Er unternahm keinen Fluchtversuch, doch seine Hände zuckten wie im Krampf. Abermals schweiften die seltsamen Augen des Herzogs über ihn und verweilten

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen