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Der Philosoph, der nicht mehr denken wollte Unterwegs ins Innere der Seele - von Gounelle, Laurent (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 29.04.2014
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
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Der Philosoph, der nicht mehr denken wollte

Ein berührendes Buch über das Verzeihen Sandro, ein junger Philosoph, fährt nach Südamerika, um den Tod seiner Frau zu rächen, die im Amazonas umgekommen ist. Er führt bei dem Stamm, den er für schuldig hält, alle negativen Aspekte unserer westlichen Zivilisation ein: Einsamkeit, Neid, Kommunikationslosigkeit, Materialismus und Individualismus. Die junge Schamanin Elianta bringt Sandro jedoch dazu, sein Tun und dadurch die Werte, auf denen sich die westliche Zivilisation gründet, zu hinterfragen. Er sieht ein, dass er falsch gehandelt hat und hilft dem Stamm - und damit auch sich selbst -, das Glück wiederzufinden. In seinem neuen Roman bringt Laurent Gounelle uns dazu, unser Gesellschaftsmodell und unsere Vorstellung vom Sinn des Lebens aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Laurent Gounelle, 1968 geboren, studierte Soziologie und Philosophie an der Universität von Santa Cruz, Kalifornien. Seit vielen Jahren beschäftigt er sich in seinen Büchern mit Neurowissenschaften, östlichen Weisheitslehren und dem Thema Persönlichkeitsentwicklung, einige Jahre unterrichtete er an der Universität von Clermont-Ferrand. Laurent Gounelle gehört zu den erfolgreichsten Autoren Frankreichs, seine Bücher stürmen stets die oberen Ränge der Bestsellerliste.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 352
    Erscheinungsdatum: 29.04.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641120535
    Verlag: Goldmann
    Originaltitel: Le philosophe qui n'était pas sage
    Größe: 581 kBytes
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Der Philosoph, der nicht mehr denken wollte

3

"M iststück!"

Die fleischige Hand von Roberto Krakus schlug auf das linke Handgelenk - zu spät. Seine Haut schwoll bereits zu einem gewaltigen Höcker an, auf dem der zerquetschte Moskito ruhte.

Sandro, zusammengekauert in einer Ecke des Einbaums, wandte den Blick ab und richtete ihn auf das braune, undurchsichtige Flusswasser. Nach bald vier Stunden Fahrt wurde der rasenmäherartige Lärm des kleinen Außenbordmotors ohrenbetäubend. Die Sonne brannte unerbittlich herab. Nur die ständige Brise auf seinem Gesicht ließ ihn die erdrückende Hitze ein wenig vergessen.

Die fünf Männer waren auf zwei Boote verteilt. Krakus war - zweifellos aus Rücksicht auf seinen Klienten - in das von Sandro gestiegen. Einer seiner Kumpanen namens Alfonso hielt das Ruder und kaute dauernd auf einem Kokablatt herum. Die beiden anderen folgten im zweiten Boot, bis zum Rand beladen mit Material: Benzinkanister, Seile, Wasserbehälter und wasserdicht verpackte Vorratstaschen, darunter eine voller Medikamente, hauptsächlich Antibiotika; das sagte genug über die Gefahren des Urwalds aus. Die Männer trugen Militäranzüge unterschiedlicher Herkunft. Zu Beginn der Expedition hatten ihre männlichen Allüren Sandro ein gewisses Gefühl von Sicherheit vermittelt, das ihn vor dieser feindlichen Umgebung zu schützen schien. Nun aber nervten sie ihn zusehends.

Marco, der Steuermann des zweiten Bootes, ein kleiner, tief gebräunter Mann, beschleunigte das Tempo und scherte nach links aus, ein siegessicheres Lächeln auf den Lippen. Alfonso, der nicht überholt werden wollte, brachte seinen Motor auf Hochtouren und ließ ihn laut aufheulen. Die Situation wurde immer unerträglicher.

"Genau", rief Krakus, "verschwendet nur das Benzin, so werden wir auf der Rückfahrt gegen die Strömung paddeln!"

Die anderen hörten nicht auf, hämisch zu grinsen.

"Gody hat ausgerechnet, dass wir genug Sprit dabeihaben", erwiderte Alfonso.

Der besagte Gody war der Sonderbarste unter den vieren. Krakus hatte ihn stolz vorgestellt, indem er seinem Namen den Titel "Doktor" beifügte, woraufhin die beiden anderen sofort in schallendes Gelächter ausbrachen. Er war völlig kahl, ausgestattet mit einer quadratischen Bifokalbrille, die den verschwommenen Blick, der nichts und niemanden zu fixieren schien, umrahmte. Selbst inmitten der Gruppe wirkte er wie ein Einzelgänger. Obwohl sein Körper an der Reise teilnahm, waren seine Gedanken in weiter Ferne. Dann und wann gingen aus seinen Überlegungen ein paar Worte hervor, die er mit hoher Stimme artikulierte, unzusammenhängende Bruchstücke unvollständiger Sätze, als hätte sich sein Gehirn einiger überzähliger Ideensplitter entledigt.

"Ist das sein wahrer Name, Gody?", fragte Sandro ebenso taktvoll wie ungläubig.

Der Anführer der Expedition lächelte.

"Wir nennen ihn so, weil er sich für Gott hält."

Die Boote kamen gut voran, wurden nur manchmal abgebremst durch das treibende Skelett eines toten Baumes, den es zu umfahren galt. Sobald sie sich Kaimanen näherten, verschwanden diese misstrauisch im schlammigen Wasser.

"Mittagspause!", schrie Krakus, offensichtlich bemüht, über seine Männer wieder Macht zu gewinnen.

Das Heulen der Motoren endete in kurzen Ächzern, während die Steuerleute die Einbäume nebeneinander ans Ufer manövrierten, das von wild wuchernder Vegetation bedeckt war. Die Brise verschwand, und die feuchte, stickige Hitze ergriff von Sandro Besitz. Ein Schwarm Moskitos tauchte auf, als hätte man sich mit ihnen verabredet. Sandro stellte den Kragen seiner Safarijacke hoch. Nach dem Aufwachen hatte er sich reichlich mit Insektenschutzmittel eingerieben, um dann in lange, sorgfältig ausgewählte Kleidungsstücke zu schlüpfen, die seinen Körper optimal vor äußeren Angriffen abschirmen sollten. Jeder Zentimeter der unbedeckten Haut war Insekten, Spinnen und Parasiten jeder Art ausgeliefert.

Krakus schraubte einen der Wasse

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