text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Der Ruf der Heimat von Raspel, Gabriele (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 07.01.2015
  • Verlag: Rosenheimer Verlagshaus
eBook (ePUB)
11,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Der Ruf der Heimat

Annes Glück scheint zum Greifen nah: Die hübsche Münchnerin kauft in ihrem Heimatdorf das Haus des verstorbenen Geigenbauers, um sich dort selbstständig zu machen. Voller Elan stellt sie sich dieser neuen Herausforderung. Als ihr Jugendschwarm Peter wieder in ihr Leben tritt, fangen die Turbulenzen erst richtig an. Die beiden ziehen einander magisch an und geraten dennoch von einem Konflikt in den nächsten. Anne muss lernen, dass der Weg zur großen Liebe, wahren Freundschaft und beruflichen Erfüllung von vielen Stolpersteinen gesäumt ist. Entschlossen kämpft sie für ihre Träume. Gabriele Raspel begann 1995 mit dem Schreiben, vor allem von modernen Heimat- und spannenden Liebesromanen. Im Rosenheimer Verlagshaus sind von der Autorin bereits fünf Bücher, zuletzt 'Schatten über dem Enzianhügel' erschienen. Heute lebt die Autorin in Ratingen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 272
    Erscheinungsdatum: 07.01.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783475543616
    Verlag: Rosenheimer Verlagshaus
    Größe: 784 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Der Ruf der Heimat

1

München atmete auf. Das Thermometer hatte auch heute wieder die Dreißig-Grad-Marke überschritten, und jeder freute sich auf ein freies Wochenende, das erneut so warm zu werden versprach wie die vergangenen. Selten hatte man eine so lang anhaltende Schönwetter-Periode erlebt wie in diesem heiteren Sommer.

Leicht erschöpft verließ Anne den Stoffladen in der Innenstadt, erleichtert, dass sie endlich geschlossen hatten. Die schnurglatten blonden Haare, die, wenn sie sie zu seltenen Gelegenheiten offen trug, nur mit Mühe ihre etwas abstehenden Ohren bedeckten, hatte sie am Hinterkopf zusammengebunden, damit sie nicht wie Spaghetti herabhingen. Der feine Pony kitzelte ihre hohe Stirn, an der eine Schweißperle die andere ablöste. Bei jedem Schritt umspielte ihr Batist-Rock ihre langen Beine, und die Bluse klebte nach neun Stunden in der Glut des Geschäfts, in dem sich die Kunden ausnahmsweise die Klinke in die Hand gegeben hatten, an ihrer Haut. Sie lechzte nach dem freien Wochenende, das ihr kühle Duschen, kurze Shorts mit einem luftigen Oberteil, einen neuen Schmöker und ansonsten süßes Nichtstun bescheren würde. Ja, sie würde es sich nett machen. Doch wenn sie an Gesine, ihre Chefin, dachte, die ihr im Laufe der Jahre auch eine Freundin geworden war, schämte sie sich beinahe angesichts dieser Belanglosigkeiten. Gesine hatte wirklich Grund zu klagen, sie kämpfte schlicht ums Überleben mit ihrem Geschäft.

In Münchens bester Lage betrieben sie einen kleinen, feinen Stoffladen, der seinen guten Ruf nicht nur der ausgesuchten Qualität ihrer Waren, sondern auch dem beständigen Bemühen um ihre Kundinnen verdankte. In der Adventszeit durchzog der Duft von selbst gebackenen Plätzchen und Kaffee die beiden Geschäftsräume. Extra angefertigte Decken und Läufer mit Weihnachtsoder Ostermotiven sollten die Damen animieren, sich selbst ans Werk zu machen. Das war Annes Spezialgebiet. Sie liebte es seit jeher, zu handarbeiten. Was für andere Frauen der Anblick von Schmuck war, war für sie eine besondere Wolle oder ein exquisiter Stoff. Die Vorstellung der schönen Dinge, die daraus entstehen konnten, ließ ihr Herz höher schlagen - was ihre Freundinnen zum Lächeln brachte und im Grunde nur ihre Mutter und natürlich Gesine nachvollziehen konnten. Ja, sie waren überzeugt, dass die Atmosphäre eines gemütlichen Ladens und das freundliche Eingehen der Verkäuferin auf die Wünsche der Kunden nicht durch ein anonymes Bestellen im Internet ersetzt werden konnten. Und natürlich hatten sie einigen verwöhnten Kundinnen den feinen Stoff frei Haus geliefert.

Tage wie diese, sinnierte Anne, stählten sie oder beförderten einen vorzeitig ins Grab. Damit Letzteres nicht geschah, betrat sie die neu eröffnete Kaffeerösterei nebenan und erstand sechs Kaffeekugeln. Kaffeebohnen, umhüllt mit Schokolade, gefüllt mit einer weiteren, halbflüssigen Köstlichkeit - ein Hochgenuss, der ihr Tagesbudget sprengte. Aber diese Kaffeekugeln waren eine Sünde wert. Sie steckte die Nase in die Tüte und war überwältigt von dem Duft. Übermütig legte sie eine Kugel in die Hand des jungen Mannes, der neben der Tür stand und ihre Tüte begehrlich anschaute - jedenfalls schien es ihr so. Sie kannten sich gut, denn jeden Morgen verkaufte er die Obdachlosenzeitung neben dem Laden, und jeden Monats-Ersten kaufte sie ihm eine ab. Dass sie ihn einmal täglich auf einen Kaffee und eine Wurstsemmel einluden, verstand sich fast von selbst.

Sie wusste, dass sie trotz des bevorstehenden Wochenendes und der Leckereien nicht so schnell würde abschalten können. Sie quälten die gleichen Sorgen wie Gesine. Kein Wunder, dass deren Nerven blank lagen. Anne rechnete jederzeit damit, dass die achtundsechzigjährige Chefin, die im Laufe der Jahre immer mehr zur Freundin geworden war, dem Druck des neuen Vermieters nachgab und das Geschäft schließen würde. Heute hatte sie vor dem Erben des alten Brunner derart die Fassung verloren, das

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen