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Der Ruf des Sturmvogels Roman von Maly, Rebecca (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.07.2013
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
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Der Ruf des Sturmvogels

Intrigen, Schmerz und große Gefühle im Patagonien des 19. Jahrhunderts 1859. Nach dem Tod ihres Vaters stehen die Schwestern Stella und Claire völlig mittellos da. Ihr Onkel Longacre arrangiert für Claire eine Ehe mit dem wohlhabenden Schafzüchter Shawn Fergusson im weit entfernten Chile. Doch die fromme Claire wehrt sich innerlich gegen die Ehe, während Stella sich nichts sehnlicher wünscht, als zu heiraten. Als die Schwestern auf der entlegenen Farm ankommen, fühlt Stella sich wie magisch von Shawn angezogen. Doch das Leben in dem fremden Land ist hart, und Stella hat ihrer Schwester versprochen, ihr zur Seite zu stehen. Sie muss sich entscheiden zwischen ihrer Pflicht und der Liebe ... Rebecca Maly, geboren 1978, arbeitete als Archäologin und Lektorin, bevor sie sich ganz der Schriftstellerei widmete. Die Kultur der Maori lernte sie bereits im Studium kennen, eine Faszination, die bis heute geblieben ist. Die Autorin kann sich nichts Schöneres vorstellen, als ferne Länder zu bereisen und deren Kultur kennen zu lernen. In ihrer Freizeit genießt sie es, lange Ausritte in der Natur zu machen oder gemütlich mit ihren Katzen daheim zu lesen. Unter ihrem realen Namen Rebekka Pax hat sie bereits erfolgreich mehrere Romane veröffentlicht.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 480
    Erscheinungsdatum: 08.07.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641102845
    Verlag: Heyne
    Größe: 1007 kBytes
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Der Ruf des Sturmvogels

Kapitel 2

Im Hafen von Punta Arenas

D ie Witwe hatte sich mit guten Wünschen verabschiedet, ihren Koffer genommen und war den Kai hinuntergeeilt, während die anderen Passagiere von Verwandten in Empfang genommen wurden, und bald waren alle fort.

Niemand beachtete die Schwestern.

Sobald auch die Matrosen abgelegt hatten und gegen die heranrollenden Wellen zurückruderten, brach Claire in Tränen aus.

" Komm, setz dich hier auf den Koffer, Claire. Onkel Longacre kommt sicher bald. " Stella reichte ihr ein weiteres Taschentuch.

" Glaubst du, er hat uns vergessen, oder weiß gar nicht, dass wir hier sind? "

" Er hat sich sicher nur verspätet. Vielleicht halten ihn dringende Geschäfte auf. "

Während sich Claire fasste und Zuflucht in einem Gebet suchte, hielt Stella Ausschau nach ihrem Verwandten. Es war wenig hilfreich, dass sie nicht wussten, wie er aussah.

Als Bruder ihres Vaters würde er ihm wahrscheinlich ähnlich sehen, oder? Weit und breit sah sie nur Hafenarbeiter, Männer, die Fässer umherrollten, beladene Karren schoben oder nur herumsaßen und scheinbar auf Arbeit warteten. Ihr raues, mitunter grimmiges Äußeres machte ihr Angst, die sie auf keinen Fall zeigen wollte. Schon früh hatte ihr Vater ihr eingebläut, falls sie durch ein Unglück plötzlich auf sich allein gestellt sei, sich ihre Unsicherheit nicht anmerken zu lassen. Zwielichtige Gestalten wussten genau, wann eine Frau Angst hatte, und fühlten sich magisch davon angezogen. Stella beherzigte seinen Rat und richtete sich auf. Es war helllichter Tag und es gab keinen Grund, sich zu fürchten.

Stella versuchte, keinen der Arbeiter direkt anzusehen und sie doch zugleich einzuschätzen. Eigentlich hatte sie ein gutes Gespür für Menschen. Denn sie brauchten wohl Hilfe, und diesmal würde nicht Claire mit ihren perfekten Umgangsformen sie retten.

Schließlich, als das Ruderboot mit den nächsten Passagieren schon die halbe Strecke vom Klipper zurückgelegt hatte, nahm Stella ihren ganzen Mut zusammen und sprach einen älteren Fischer an. Sein Gesicht war vom Leben auf See furchig wie verwitterter Stein, aber er hatte warme Augen.

" Entschuldigen Sie, wir warten auf unseren Onkel, Bernard Longacre, er soll in Punta Arenas ein Kontor unterhalten. Wissen Sie, wie wir ihn finden können? "

Der Alte grinste verschmitzt und fuhr sich durch den struppigen Bart.

" Longacre? Der dicke Longacre? Den kennt jeder hier. "

Der Alte stieß einen schrillen Pfiff aus, und Stella roch seinen fauligen Atem.

Ein dumpfes Rumpeln erklang, als ein Mann mit einem Karren über einen Bohlenweg eilte und auf den Pier einbog.

" Mein Sohn, Peter " , erklärte der Fischer.

Der junge Mann sah seinem Vater sehr ähnlich. Sein blondes Haar war von Salz und Sonne ausgeblichen. Die Ärmel des verschlissenen Wollpullovers hatte er sich bis über die Ellenbogen seiner sehnigen Arme geschoben. Fröhlich tippte er an die Kappe, während der Alte ihm sagte, nach wem die Schwestern suchten.

" Keine Sorge, wir werden Sie zu Ihrem Onkel bringen, Señoritas, es ist nicht weit. "

" Vielen Dank. " Das Lächeln, das Stella dem Alten und seinem Sohn schenkte, kam aus tiefstem Herzen und auch Claire fasste wieder Mut und trocknete unauffällig ihre Tränen.

Bald war das Gepäck auf den Holzkarren geladen und die Schwestern folgten den Männern über den Pier in den Ort. Vor der Kulisse der Berge, die weich durch das milchige Licht schimmerten, wirkten die Häuser winzig, wie willkürlich verstreutes Spielzeug eines Riesen.

Die Bezeichnung Stadt hatte Punta Arenas wahrhaftig nicht verdient. Die breiten Straßen waren schlammig und aufgeweicht, und nur hier und da erleichterten Bohl

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