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Der Seewolf (Roman) Roman. Neue deutsche Rechtschreibung von London, Jack (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.11.2015
  • Verlag: Anaconda
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Der Seewolf (Roman)

In jungen Jahren lernte Jack London das harte Seemannsleben auf einem Robbenfänger kennen. In seinem Roman 'Der Seewolf' hat er später seine Erfahrungen als dramatischen Kampf ums Überleben geschildert. Kaum aus Seenot gerettet, gerät der Schöngeist Humphrey van Weyden in neue Gefahr: Kapitän Wolf Larsen, ein Mann von großer Kraft und Brutalität, terrorisiert alle Männer an Bord seines Schiffes. Auch van Weyden erlebt die Erniedrigungen durch den 'Seewolf' und sieht sich vor die Wahl gestellt: an ihnen zu zerbrechen oder ihnen zu widerstehen. Und er entdeckt ungeahnte Kräfte in sich. Jack London wird am 12. Januar 1876 in San Francisco geboren und wächst in ärmlichen Verhältnissen auf. Er schlägt sich als Fabrikarbeiter, Austernpirat, Landstreicher und Seemann durch, holt das Abitur nach, beginnt zu studieren, geht dann als Goldsucher nach Alaska, lebt monatelang im Elendsviertel von London, gerät als Korrespondent im russisch-japanischen Krieg in Gefangenschaft und bereist die ganze Welt. Am 22. November 1916 setzt der berühmte Schriftsteller auf seiner Farm in Kalifornien seinem zuletzt von Alkohol, Erfolg und Extravaganz geprägten Leben ein Ende.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 416
    Erscheinungsdatum: 12.11.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783730691182
    Verlag: Anaconda
    Originaltitel: The Sea-Wolf
    Größe: 1095 kBytes
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Der Seewolf (Roman)

1. KAPITEL

Ich weiß kaum, wo ich anfangen soll, obwohl ich manchmal spaßeshalber alles Charley Furuseth in die Schuhe schiebe. Er hatte ein Ferienhaus in Mill Valley am Fuße des Mount Tamalpais, das er nur in den Wintermonaten bewohnte, um dort auf der faulen Haut zu liegen, Nietzsche und Schopenhauer zu lesen und so auch im Kopf Ferien zu machen. Sobald es aber Sommer wurde, stürzte er sich wieder in das heiße und staubige Stadtleben und schuftete im Schweiße seines Angesichts rund um die Uhr. Wäre es nicht meine Gewohnheit gewesen, ihn jeden Samstagnachmittag zu besuchen und übers Wochenende zu bleiben, hätte ich mich an jenem besonderen Montagmorgen nicht in der Bucht von San Francisco befunden.

Sichere Schiffsplanken unter den Füßen, versteht sich, denn die Martinez war ein neues Dampfschiff, das im Fährdienst zwischen Sausalito und San Francisco eingesetzt wurde und eben seine vierte oder fünfte Fahrt absolvierte. Sie war gefährlich, weil dichter Nebel über der Bucht lag, was ich als Landratte aber kaum begriff. Vielmehr erinnere ich mich noch an die milde Erregung, mit der ich auf dem oberen Vorderdeck direkt unter dem Ruderhaus Aufstellung nahm und meine Einbildungskraft von dem geheimnisvollen Nebel gefangen nehmen ließ. Es ging eine frische Brise, und eine ganze Zeit lang stand ich allein in den undurchdringlichen Schwaden - und doch in Gesellschaft, denn über mir im Glaskasten befanden sich der Lotse und ein Mann, den ich für den Kapitän hielt, und auf eine verschwommene Weise war mir ihre Anwesenheit bewusst.

Wie angenehm sie doch war, dachte ich damals, diese Arbeitsteilung, die einen der Mühe enthob, sich mit Nebel, Wind, Gezeiten und Navigation auszukennen, wenn man seinen Freund auf der anderen Seite des Meeresarms besuchen wollte. Es war gut, dass sich die Menschen spezialisierten, kam mir in den Sinn. Die Spezialkenntnisse des Lotsen und des Kapitäns reichten für Tausende von Passagieren, die vom Meer und der Navigation ebenso wenig verstanden wie ich. Auf der anderen Seite brauchte ich meine Energie nicht darauf zu verschwenden, mir eine Vielzahl von Dingen anzueignen, sondern konnte sie auf einige wenige Gegenstände konzentrieren, so beispielsweise auf die Untersuchung der Stellung Poes in der amerikanischen Literatur - übrigens das Thema meines in der letzten Ausgabe des Atlantic abgedruckten Essays. Als ich an Bord ging und den Passagierraum durchquerte, hatten meine begierigen Augen einen beleibten Herrn ausgemacht, der den Atlantic las und ausgerechnet meine Abhandlung aufgeschlagen hatte. Und da stieß ich also wieder auf die Arbeitsteilung, das Spezialwissen des Lotsen und Kapitäns, das dem beleibten Herrn erlaubte, mein Spezialwissen über Poe zur Kenntnis zu nehmen, während sie ihn sicher von Sausalito nach San Francisco transportierten.

Ein rotgesichtiger Mensch, der die Tür des Passagierraums hinter sich zuschlug und an Deck stapfte, unterbrach meine Überlegungen, obwohl ich mir das Thema für eine künftige Abhandlung merkte, die den Titel tragen sollte: "Unverzichtbare Freiheit. Ein Plädoyer für den Künstler". Der Rotgesichtige warf einen Blick zum Ruderhaus, äugte in den Nebel, stampfte (offenbar auf Prothesen) quer über das Deck und zurück und hielt endlich, breitbeinig und mit einer von großem Vergnügen zeugenden Miene, neben mir an. Mein erster Eindruck, dass er sein Leben auf See verbracht hatte, sollte sich rasch bestätigen.

"So eine Waschküche hat schon manchem vor der Zeit graue Haare beschert", sagte er und nickte zum Ruderhaus hinüber. "Ich wusste gar nicht, dass das so viel Mühe macht", antwortete ich. "Es scheint doch ganz kinderleicht. Sie können die Richtung vom Kompass ablesen, kennen die Entfernung und die Geschwindigkeit, und der Rest ergibt sich - mit mathematischer Sicherheit."

"Mühe!", schnaubte er. "Kinderleicht! Mit mathematischer Sicherheit!"

Es schien, als lehne er sich gegen

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