text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Der singende Baum Roman von Winton, Tim (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 22.03.2013
  • Verlag: Luchterhand Literaturverlag
eBook (ePUB)
8,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Der singende Baum

Einer der erfolgreichsten Autoren Australiens hat sein Meisterwerk geschaffen. Er erzählt von der Liebe zwischen zwei Menschen, die im Leben gestrandet und ohne Hoffnung sind und sich aneinander aufrichten. Und er erzählt von seinem Land, der Geschichte und der Gegenwart Australiens, vor allem der Landschaft - und man sieht sie vor sich: die windgepeitschte Westküste, die karge, rote Wüste, das spektakuläre Bergland und die unbarmherzige Wildnis der Tropen im hohen Norden. Ein Roman über große Themen und über ein großartiges Land. Eine Reise durch innere wie äußere Landschaften, grausam und schön. Tim Winton wurde 1960 in der Nähe von Perth, Westaustralien, geboren. Er hat zahlreiche Romane, Sach- und Kinderbücher sowie ein Theaterstück veröffentlicht und ist einer der erfolgreichsten Schriftsteller Australiens. Zweimal kam er auf die Shortlist des Man Booker Prize, und viermal erhielt er den Miles Franklin Award, den wichtigsten Literaturpreis Australiens. Seine Werke sind in zwölf Sprachen übersetzt, fast alles wurde für Bühne, Radio oder Film adaptiert. Tim Winton lebt mit seiner Familie in Westaustralien.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 480
    Erscheinungsdatum: 22.03.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641112028
    Verlag: Luchterhand Literaturverlag
    Originaltitel: Dirt Music
    Größe: 620 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Der singende Baum

I n einer Novembernacht, mal wieder eine, die zum Morgen geworden war, während sie einfach nur dasaß, hob Georgie Jutland den Kopf und sah ihr blasses und wütendes Gesicht im Fenster. Kurz zuvor hatte sie noch die Blaupausen einer zweiunddreißig Fuß langen Pain-Clark-Yacht von 1913 studiert, die ein Segelfan aus Manila in seine Website gestellt hatte, doch dann warf der Server sie raus, und unvermittelt packte sie eine so lächerliche Wut, daß sie sich fragen mußte, was da mit ihr geschah. Weder das Boot noch der Kerl in Manila bedeutete ihr irgend etwas; beide waren so unwichtig für sie wie jede andere Site, die sie in den letzten sechs Stunden besucht hatte. Genaugenommen hatte sie sogar Schwierigkeiten, sich zu erinnern, wie sie die Zeit verbracht hatte. Sie war durch die Uffizien geschlendert, hatte aber den Bildern kaum mehr Aufmerksamkeit geschenkt als ein Tourist mit Blasen an den Füßen. Sie hatte das Livebild einer Kamera in einem Einkaufszentrum in der Innenstadt von Perth angestarrt und den Frank-Zappa-Fanclub in Brasilien besucht, hatte Francis Drakes Nachttopf im Tower von London gesehen und war über eine Chatgroup von Leuten gestolpert, die sich danach sehnten, Amputierte zu sein.

Einloggen - was für ein Witz. Man hätte es Wegtreten nennen sollen. Wenn Georgie sich vor ihren Computer setzte, tauchte sie in ihrem Sessel ab wie Rentner am Spielautomaten, absolut unansprechbar. Nacht um Nacht hinein in diesen Wust aus nutzloser Information, um sich mit Menschen und Ideen zu beschäftigen, die ihr nichts gaben. Sie wußte nicht, warum sie es tat, außer daß es die Stunden fraß. Dennoch mußte man zugeben, daß es nett war, eine Zeitlang ohne Körper zu sein; es hatte etwas Berauschendes, ohne Alter, Geschlecht oder Vergangenheit zu sein. Eine unendliche Reihe sich öffnender Portale, Menüs und Korridore führten einen zu kurzen, schmerzlosen Begegnungen, und das, was man für Leben hielt, war nur teilnahmsloses Schaufensterbummeln. Welt ohne Folgen, Amen. Und in ihr fühlte sie sich leicht wie ein Engel. Außerdem hielt es sie vom Schnaps fern.

Sie drehte sich mit ihrem Sessel, griff nach der Tasse und schrak zurück, als ihre Lippen das kalte Sarkom berührten, das sich auf der Kaffeeoberfläche gebildet hatte. Hinter ihrem Spiegelbild im Fenster schien das mondhelle Meer zu erzittern.

Georgie stand auf und ging in die Küche, die vom Wohnzimmer durch eine glänzende Brustwehr aus Arbeitsflächen und Küchengeräten abgetrennt war. Sie holte eine Flasche aus dem Kühlschrank und goß sich eine solide Dosis Wodka ein. Dann stand sie eine Weile da und starrte in den riesigen Versammlungsraum des Wohnzimmers. Es war so groß, daß es nicht überfüllt wirkte, obwohl sich ein Eßtisch mit acht Stühlen, das Computereck und am anderen Ende der Fernseher mit drei vor ihm gruppierten Sofas darin befanden. Die gesamte dem Meer zugewandte Seite dieses Obergeschosses bestand aus Glas, und alle Vorhänge waren zurückgezogen. Zwischen dem Haus und der etwa hundert Meter entfernten Lagune gab es nur Rasen und ein paar mit Gestrüpp bewachsene Dünen. Georgie kippte den Wodka in einem Schluck hinunter. Es war alles Gefühl und kein Geschmack, wie eine Schwester sie selbst einmal beschrieben hatte. Sie lächelte und stellte das Glas zu laut auf das Abtropfblech. Jim schlief in seinem Zimmer nur einige Meter entfernt. Die Jungs waren unten.

Sie zog die Schiebetür auf und trat hinaus auf die Terrasse, wo die Luft kühl war und intensiv nach dampfendem Seegras roch, nach Salzwasser und kalkigem Sand, nach Fischköder und nach dem würzigen Aroma des Rundblättrigen Salzbusches. Die Terrassenmöbel waren taufeucht. Die Brise war nicht stark genug, um den gebogten Saum des Perrier-Sonnenschirms zu bewegen, aber Tau um diese Jahreszeit war ein Vorbote des Winds. White Point lag mitten in den Roaring Forties , den "Brüllenden Vierzigern", dem Starkwindgebiet um den vierzigsten Breitengrad. Hier an der mit

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen