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Der Sohn des Tuchhändlers von Dübell, Richard (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.01.2018
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Der Sohn des Tuchhändlers

Peter Bernward in seinem größten Abenteuer Krakau, 1486. Der Tuchhändler Peter Bernward führt mit seiner Lebensgefährtin Jana Dlugosz in deren Heimatstadt ein beschauliches Familienleben. Doch die Ruhe währt nicht lange: Als Bernward versucht, einem befreundeten jüdischen Bankier zu helfen, sticht er in ein Wespennest. Die antijüdische Stimmung in Krakau heizt sich auf, und es kommt zu Ausschreitungen. Als auch Janas Adoptivsohn Paolo in Gefahr gerät und nur mit knapper Not entkommt, wird Bernward bewusst: Das Feuer leckt bereits an dem Pulverfass, auf dem sie alle sitzen ... Weitere historische Romane von Bestsellerautor Richard Dübell bei beTHRILLED: Im Schatten des Klosters, Die Tochter des Bischofs und Die Braut des Florentiners. eBooks von beTHRILLED - mörderisch gute Unterhaltung. Richard Dübell, geboren 1962, lebt mit seiner Frau und seinen zwei Söhnen in Niederbayern und ist Träger des Kulturpreises der Stadt Landshut. Er zählt zu den beliebtesten deutschsprachigen Autoren historischer Romane. Seine Bücher standen auf der SPIEGEL-Bestsellerliste und wurden in 14 Sprachen übersetzt. Mehr Informationen über den Autor finden Sie auf seiner Homepage: www.duebell.de

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 461
    Erscheinungsdatum: 09.01.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732553990
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Größe: 751 kBytes
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Der Sohn des Tuchhändlers

K APITEL 1

25. Tag des Lenzmonats, 1486 A.D.

Verkündigung des Herrn

Judex crederis esse venturus

In te, Domine, speravi

Non confundar in aeternum

Salvum fac populum tuum

Judex crederis

"G OTT DER H ERR BLICKT AUF DIESE S TADT ", brüllte der Mönch. "Und Gott WEINT !"

Die Anzahl seiner Zuhörer war beträchtlich. Er stand in taktisch günstiger Position gleich außerhalb des Hauptportals der Sankt-Andreas-Kirche mitten in der Vorstadtgasse, und alles, was es gebraucht hatte, um die Zuhörermenge zu bannen, waren ein paar Dutzend Neugierige, die stehen blieben und die Eingänge der nächstgelegenen Gassen verstopften. Dafür, dass es Neugierige gab, hatte der Mönch gesorgt: Er stand auf einer schwankenden Staffelei, die von zwei Chorknaben aus dem Dom nur mangelhaft stabilisiert wurde; und als die ersten Messbesucher ins Freie gestrebt waren, hatte er sich die Kutte bis zum Bauchnabel aufgerissen und laut zu kreischen begonnen wie einer, der auf dem Scheiterhaufen steht und merkt, dass das Ganze kein Spaß mehr ist.

Die Leute blieben stehen und gafften. Die Nachfolgenden strömten aus der Kirche und drängten die Gaffer beiseite, aber da diese ihr Recht zu gaffen behaupteten und sich gegen den Andrang wehrten, wurde aus der Menge bald ein unentwirrbarer Knäuel Leiber, der Schimpfwörter und Flüche absonderte und ganz allgemein die Energie für eine baldige Prügelei ansammelte.

Friedrich von Rechberg und ich waren mittendrin.

"Das muss dieser Kapuzinermönch aus Italien sein", schrie ich Rechberg ins Ohr. "Er hat sich durch das ganze Reich bis hierher gepredigt und soll seit einer oder zwei Wochen beim Kardinal leben. Fryderyk Jagiello hat scheinbar einen Narren an ihm gefressen."

"Und was predigt er?", schrie Rechberg zurück.

"Die frohe Botschaft der Christenheit ..."

"Gott der Herr WEINT bittere TRÄNEN !", donnerte der Mönch.

Die Gesichter der Menschen um uns herum wirkten in der Mehrzahl ungeduldig. Die meisten wandten die Köpfe, um nach einem Ausweg aus der Menge zu suchen; ein paar Glückspilze am Rand schafften es, sich abzusetzen. Sie hatten bis gerade eben eine Stunde lang den Rücken des Priesters der Sankt-Andreas-Kirche betrachtet, dessen Eigenart es war, die Messe flüsternd zu halten und selbst die Wandlung mit so sparsamen Bewegungen auszuführen, dass ein unaufmerksamer Beobachter ihn für eine lebensgroße Heiligenfigur halten konnte - sie hatten, selbst wenn sie mir in all den Jahren meines Hierseins gläubiger und ernsthafter erschienen waren als die Bewohner der Städte des Deutschen Reichs, für heute einfach genug von unverständlichen Predigten.

"Wieso spricht der Bursche in Latein?", fragte Friedrich von Rechberg. "Ich dachte, hier spricht man entweder deutsch oder polnisch?"

"Auf Latein hört sich selbst Gegeifer edel an."

"Der Herr SIEHT die gottesfürchtigen Menschen in dieser Stadt", schrie der Mönch. "Er SIEHT die fleißigen Handwerker, von deren Tagwerk die Gassen widerhallen; er SIEHT die treuen Schreiber, die den Reichtum des Landes aufzeichnen; er sieht die kräftigen Baumeister, die den Ruhm der Stadt in Stein meißeln und in die Höhe bauen; er SIEHT die ehrlichen Dienstboten und die tapferen Scharwächter und die eifrigen Gesellen und die besorgten Betbrüder und die aufopferungsvollen Magister an der Universität und ihre klugen Studenten ..."

"Komm zur Sache!", rief jemand in der Menge, der den Prediger offenbar verstand. Spärliches Gelächter ertönte. Den meisten war nicht klar, worauf der Schreihals anspielte.

"Schmeißt ihn von der Leiter!" Jetzt kamen die Zwischenrufe auf Polnisch und ernteten bedeutend mehr Aufmerksamkeit im Publikum. Die deutschsprachige Oberschicht verschmähte die S

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