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Der Sohn des Wolfes Vollständige deutsche Ausgabe von London, Jack (eBook)

  • Verlag: epubli
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Der Sohn des Wolfes

'Der Sohn des Wolfes' enthält zehn Erzählungen von Jack London aus der Zeit des Goldrausches in Alaska. Jack London schildert aus seiner eigenen Erfahrung als Goldgräber das harte Leben der Glücksritter, die sich Ende des 19. Jahrhunderts in der Hoffnung auf schnellen Reichtum auf den Weg nach Alaska gemacht hatten. Sie erlebten einen fortwährenden Kampf mit den Naturgewalten, mit den indianischen Ureinwohnern und mit ihren Weggefährten, die gleichzeitig ihre Konkurrenten um die stets knappen Mittel zum Überleben waren. Jack London (1876 - 1916) war ein US-amerikanischer Schriftsteller und Journalist.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 100
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783748516552
    Verlag: epubli
    Größe: 1099 kBytes
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Der Sohn des Wolfes

Das weiße Schweigen

"Carmen hält keine zwei Tage mehr aus." Mason spie einen Klumpen Eis aus und betrachtete besorgt das arme Tier, dann nahm er die Pfote der Hündin in den Mund und begann das Eis loszubeißen, das zwischen ihren Zehen saß und sie grausam quälte.

"Ich hab' auch noch nie einen Hund mit einem so hochtrabenden Namen gesehen, der etwas taugte", sagte er, spie das letzte Eisstück aus und schob den Hund fort. "Die schwinden einem direkt unter den Fingern weg. Habt ihr je gesehen, dass ein Hund mit einem ordentlichen Namen wie Cassiar, Siwash oder Husky zu Schaden gekommen wäre? Seht nur Shookum, das ist -"

Haps! Die magere Bestie fuhr hoch und hätte Mason um ein Haar an der Kehle gepackt.

"Was!" Ein gewandter Schlag hinters Ohr mit der Hundepeitsche streckte das Tier in den Schnee, wo es zitternd liegenblieb, während ihm gelblicher Schaum aus dem Fang tropfte.

"Was ich sagen wollte: Seht mal Shookum an - der hat's in sich. Wetten, dass er Carmen gefressen hat, ehe die Woche um ist!"

"Ich schlage eine andere Wette vor", entgegnete Malemute Kid und wendete das gefrorene Brot, das zum Auftauen vor das Feuer gestellt war. "Wir werden Shookum fressen, ehe die Reise zu Ende ist. Was meinst du, Ruth?"

Die Indianerin, die dabei war, Eis aufzutauen, um Kaffee zu machen, blickte von Malemute Kid auf ihren Mann und dann auf die Hunde, ließ sich aber zu keiner Antwort herbei. Die Wahrheit dessen, was der Mann gesagt hatte, war so offenkundig, dass jede Antwort überflüssig war. Eine ununterbrochene Reise von zweihundert Meilen vor sich und kaum für sechs Tage Proviant für Menschen und Hunde - es gab keine Wahl. Die Frau und die beiden Männer setzten sich um das Feuer und machten sich an ihre karge Mahlzeit. Die Hunde lagen angeschirrt da, denn es war nur Mittagsruhe, und beobachteten neidisch jeden Bissen.

"Von heute ab gibt es kein Frühstück mehr", sagte Malemute Kid. "Und wir müssen ein Auge auf die Hunde haben - sie fangen an, bösartig zu werden. Wenn sich die Gelegenheit bietet, fallen sie ohne weiteres über uns her."

"Und dabei bin ich Geschworener und Sonntagsschullehrer gewesen." Nachdem Mason sein Herz durch diesen etwas merkwürdigen Ausspruch erleichtert hatte, versank er in träumerische Betrachtung seiner dampfenden Mokassins, wurde aber aus seinen Betrachtungen durch Ruth geweckt, die ihm die Tasse füllte. "Gott sei Dank haben wir ja noch eine Menge Tee! Ich hab' ihn selbst wachsen sehen in Tennessee. Was würde ich jetzt für ein Stück Kuchen geben! Na, mach' dir nichts draus, Ruth; denn es dauert gar nicht mehr lange, dann brauchst du nicht mehr hungrig in Mokassins herumzulaufen."

Als die Frau diese Worte hörte, schüttelte sie die Niedergeschlagenheit ab, und eine große Liebe zu ihrem weißen Herrn und Gebieter leuchtete in ihren Augen auf. Er war der erste Weiße, den sie je gesehen - der erste Mann, den sie je ein Weib besser als ein Lasttier hatte behandeln sehen.

"Ja, Ruth", sagte ihr Gatte in dem Kauderwelsch, in dem sie sich allein verständlich machen konnten. "Warte nur, bis wir aus dem Dreck heraus sind. Wir werden das Kanu des weißen Mannes nehmen und nach dem Salzwasser fahren. Ja, schlimmes Wasser, rings Wasser - große Berge, die immer auf und nieder tanzen. Und so groß, so weit, weit fort - du reisen zehn Schlaf, zwanzig Schlaf, vierzig Schlaf" (er zählte die Tage an den Fingern ab), "immer Wasser, schlimmes Wasser. Dann du kommen nach großem Dorf, viele Menschen, gerade wie Moskitos nächsten Sommer. Wigwams, oh, so hoch - zehn, zwanzig Kiefern. Hi-yu Shookum!" Er hielt inne, sandte Malemute Kid einen flehentlichen Blick und stellte dann mühselig mittels Zeichensprache die zwanzig Kiefern aufeinander. Malemute Kid lächelte ironisch, aber Ruths Augen standen weit offen vor Verwunderung und Freude; denn sie wusste nicht recht, ob er nicht scherzte, und eine solche Herablassung erfreute ihr armes Frauenherz.

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