text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Der Sohn des Wolfs und andere Erzählungen von Jack London von London, Jack (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 03.04.2018
  • Verlag: EClassica
eBook (ePUB)
0,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Der Sohn des Wolfs und andere Erzählungen von Jack London

Für die eBook-Ausgabe neu lektoriert und mit modernisierter Rechtschreibung. Voll verlinkt, mit eBook-Inhaltsverzeichnis und zahlreichen Worterklärungen In neun lose miteinander verbundenen, spannenden Erzählungen zeichnet Jack London ein grandioses Panorama des hohen Nordwestens Amerikas, zur Zeit des großen Goldrausches im Yukon-Territory, einem Grenzgebiet zwischen Kanada und Alaska. Das Leben nahe am Polarkreis ist hart, ein Menschenleben zählt nicht viel, Selbstjustiz ist die Normalität. Schonungslos, aber auch humorvoll beschreibt London dieses Leben und verschwendet oft lapidar für den gewaltsamen Tod eines Mannes nicht mehr Zeilen als auf das Trinken einer Tasse Schnaps. © Redaktion eClassica, 2018 Kaum ein Schriftsteller hat in so kurzer Lebensspanne (1876-1916) so großen literarischen Ruhm erworben, wie Jack London. - Er schrieb nicht nur über Abenteuer, er führte auch ein abenteuerliches Leben. Schon im Alter von 15 Jahren kauft er sich von geborgtem Geld ein Schiff und wird Austernpirat in der Bucht von San Francisco, fährt dann mit Robbenjägern zur See und zieht als Goldsucher zum Klondike. Als er im Alter von 23 Jahren seine schriftstellerische Karriere beginnt, wird er binnen kürzester Zeit zum Bestseller-Autor.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 160
    Erscheinungsdatum: 03.04.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783963619991
    Verlag: EClassica
    Größe: 423kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Der Sohn des Wolfs und andere Erzählungen von Jack London

Das weiße Schweigen

" Carmen hält keine zwei Tage mehr aus." Mason spie einen Klumpen Eis aus und betrachtete besorgt das arme Tier, dann nahm er die Pfote der Hündin in den Mund und begann das Eis loszubeißen, das zwischen ihren Zehen saß und sie grausam quälte.

"Ich hab' auch noch nie einen Hund mit einem so hochtrabenden Namen gesehen, der etwas taugte", sagte er, spie das letzte Eisstück aus und schob den Hund fort. "Die schwinden einem direkt unter den Fingern weg. Habt ihr je gesehen, dass ein Hund mit einem ordentlichen Namen wie Cassiar, Siwash oder Husky zu Schaden gekommen wäre? Seht nur Shookum, das ist -"

Haps! Die magere Bestie fuhr hoch und hätte Mason um ein Haar an der Kehle gepackt.

"Was!" Ein gewandter Schlag hinters Ohr mit der Hundepeitsche streckte das Tier in den Schnee, wo es zitternd liegenblieb, während ihm gelblicher Schaum aus dem Fang tropfte.

"Was ich sagen wollte: Seht mal Shookum an - der hat's in sich. Wetten, dass er Carmen gefressen hat, ehe die Woche um ist!"

"Ich schlage eine andere Wette vor", entgegnete Malemute Kid und wendete das gefrorene Brot, das zum Auftauen vor das Feuer gestellt war. "Wir werden Shookum fressen, ehe die Reise zu Ende ist. Was meinst du, Ruth?"

Die Indianerin, die dabei war, Eis aufzutauen, um Kaffee zu machen, blickte von Malemute Kid auf ihren Mann und dann auf die Hunde, ließ sich aber zu keiner Antwort herbei. Die Wahrheit dessen, was der Mann gesagt hatte, war so offenkundig, dass jede Antwort überflüssig war. Eine ununterbrochene Reise von zweihundert Meilen vor sich und kaum für sechs Tage Proviant für Menschen und Hunde - es gab keine Wahl. Die Frau und die beiden Männer setzten sich um das Feuer und machten sich an ihre karge Mahlzeit. Die Hunde lagen angeschirrt da, denn es war nur Mittagsruhe, und beobachteten neidisch jeden Bissen.

"Von heute ab gibt es kein Frühstück mehr", sagte Malemute Kid. "Und wir müssen ein Auge auf die Hunde haben - sie fangen an, bösartig zu werden. Wenn sich die Gelegenheit bietet, fallen sie ohne weiteres über uns her."

"Und dabei bin ich Geschworener und Sonntagsschullehrer gewesen." Nachdem Mason sein Herz durch diesen etwas merkwürdigen Ausspruch erleichtert hatte, versank er in träumerische Betrachtung seiner dampfenden Mokassins, wurde aber aus seinen Betrachtungen durch Ruth geweckt, die ihm die Tasse füllte. "Gott sei Dank haben wir ja noch eine Menge Tee! Ich hab' ihn selbst wachsen sehen in Tennessee. Was würde ich jetzt für ein Stück Kuchen geben! Na, mach' dir nichts draus, Ruth; denn es dauert gar nicht mehr lange, dann brauchst du nicht mehr hungrig in Mokassins herumzulaufen."

Als die Frau diese Worte hörte, schüttelte sie die Niedergeschlagenheit ab, und eine große Liebe zu ihrem weißen Herrn und Gebieter leuchtete in ihren Augen auf. Er war der erste Weiße, den sie je gesehen - der erste Mann, den sie je ein Weib besser als ein Lasttier hatte behandeln sehen.

"Ja, Ruth", sagte ihr Gatte in dem Kauderwelsch, in dem sie sich allein verständlich machen konnten. "Warte nur, bis wir aus dem Dreck heraus sind. Wir werden das Kanu des weißen Mannes nehmen und nach dem Salzwasser fahren. Ja, schlimmes Wasser, rings Wasser - große Berge, die immer auf und nieder tanzen. Und so groß, so weit, weit fort - du reisen zehn Schlaf, zwanzig Schlaf, vierzig Schlaf" (er zählte die Tage an den Fingern ab), "immer Wasser, schlimmes Wasser. Dann du kommen nach großem Dorf, viele Menschen, gerade wie Moskitos nächsten Sommer. Wigwams, oh, so hoch - zehn, zwanzig Kiefern. Hi-yu Shookum!" Er hielt inne, sandte Malemute Kid einen flehentlichen Blick und stellte dann mühselig mittels Zeichensprache die zwanzig Kiefern aufeinander. Malemute Kid lächelte ironisch, aber Ruths Augen standen weit offen vor Verwunderung und Freude; denn sie wusste nicht recht, ob er nicht scherzte, und eine solche Herablassung erfreute ihr armes Frauenher

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen