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Der Sohn von Durlacher, Jessica (eBook)

  • Verlag: Diogenes
eBook (ePUB)
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Der Sohn

Schlagartig ist es vorbei, das sorglose Leben der Familie Silverstein. Da ist einer, der ihr Leben bedroht, denn er ist gefangen in einer Geschichte, die der Vergangenheit angehört und doch auf fatale Weise bis in die Gegenwart reicht. Eine Geschichte, die Großvater Silverstein immer verschwiegen hat. Und die sein Enkel Mitch zu Ende führt.

Jessica Durlacher, 1961 in Amsterdam geboren, ist mit ihren preisgekrönten Romanen Das Gewissen Die Tochter Emoticon Der Sohn

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 416
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783257601398
    Verlag: Diogenes
    Originaltitel: De held
    Größe: 2487kBytes
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Der Sohn

37

Abends sagte Jacob: "Ich habe mir etwas überlegt - es wird euch vielleicht erschrecken."

[103] Was jetzt wieder?, dachte ich. Ich hinke hinterher, mein Kind weht davon, verschwindet in der Ferne, und ich bekomme es nicht mehr zu fassen.

Wir hatten uns thailändisches Essen kommen lassen. Ich schälte gerade die Alufolie von den Behältern, Tess stellte Teller auf den Tisch. Sie sah blass aus, ihre Haut fleckig, und ihre langen Haare waren fettig. Sie wirkte einsam und verdrossen, fand ich. Ich hätte sie am liebsten auf den Schoß genommen, aber das ließ sie nicht mehr zu.

"Vielleicht sollten wir wieder in die USA ziehen. Dann könnten wir Mitch wenigstens sehen, wenn er Urlaub hat."

"Waaaas?", rief Tess.

"Hm", machte ich. "Ja. Ja, warum nicht. Aber lass uns noch etwas darüber nachdenken, okay?"

In San Francisco war jetzt Vormittag, aber ich wollte Mitch noch etwas schonen - obwohl er mich überhaupt nicht geschont hatte. Ich wollte zu ihm. Möglichst sofort.

Erst als wir alles aufgegessen hatten, sagte Jacob: "Mitch schrieb, dass er Berkeley vorläufig nicht verlassen kann, wegen Klausuren. Wie wär's, wenn wir zu dritt rüberfliegen - Weihnachten?"

Tess und ich wechselten einen Blick.

"Warum willst du denn zu Mitch?", fragte ich. "Wenn du ihm nur noch mal auf die Schulter klopfen möchtest, um ihm persönlich zu sagen, wie sehr du dich darüber freust, dass er Marine werden will: nein, danke. Da mache ich nicht mit."

Jacob sah mich nur an. Kopfschüttelnd. Der warme, mitfühlende Blick in seinen Augen, bei dem mir so jämmerlich zumute geworden war, hatte sich verloren.

[104] 38

"Weiß Mitch schon, dass ich seinen Brief jetzt gelesen habe?", fragte ich Jacob später im Schlafzimmer.

"Ja. Ich habe ihn darauf vorbereitet", antwortete er.

Sowie ich ihn schnarchen hörte, packte ich meine Sachen. Mein lädiertes Fußgelenk war dabei nicht gerade förderlich. Die Länge unserer Treppen verfluchend, musste ich meine Kleidung wohl oder übel portionsweise im Rucksack von oben nach unten bugsieren, um sie dann dort in den Koffer zu stopfen. Ich mache selten etwas heimlich, aber jetzt ging es um Leben und Tod. Erst als alles gepackt war, zog ich mich aus und legte mich ins Bett.

Jacob schien zu schlafen, tastete aber sofort mit der Hand nach mir, als ich mich auf unsere Matratze aus viskoelastischem Schaum niederließ, die warm und weich wie Sand ist. Jede Ehe hat ihre Signale - dieses war ein Ansuchen, leicht, fast unverbindlich, mit der nötigen Zärtlichkeit. Ich erstarrte trotzdem. Seit der Sache im Wald war ich jeder irgendwie erotisch gearteten Berührung ausgewichen. Ich hatte nicht darüber nachdenken wollen, aber ich war eigentlich auch noch keinen Moment versucht gewesen, diese Haltung zu ändern. Es fragte sich, ob das je geschehen würde - was mich betraf, war das zuvor so sichere Spiel von Macht und Überwältigung ausgespielt. Sex war für mich jetzt gleichbedeutend mit Gewalt, reiner Gewalt. Sex hieß Gefahr.

Jacob schnarchte nicht mehr, und ich wusste, dass er jetzt wach war. Sein Körper war auf jeden Fall sehr wach. Ich drückte mich tiefer in die Matratze und versuchte mich [105] auf die Seite zu drehen, ohne dass es beleidigend wirkte, aber die Hand kroch weiter, zu meinen Schultern. Da war schon das Streicheln vom Hals zur Schulter, das Drehen der Handfläche, der vertraute Auftakt zu einem ersten Hinabwandern. Brust Nummer eins! Die Hand greift zu.

Geh weg! Hier beginne ich, meine Körpergrenze verläuft einen Millimeter von meiner Haut entfernt. Vielleicht noch mehr. Überschreiten verboten! Das ist meine Brust! Das bin ich! Mein Herz klopfte wie wild.

"Jacob! Nein!"

Erschrockenes Deckenrascheln. Der Arm ergriff sofort die Flucht. Jacob war jetzt so hellwach wie ich.

"Nein?"

Nach der G

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