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Der Spielmann Die Geschichte des Johann Georg Faustus von Pötzsch, Oliver (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 21.09.2018
  • Verlag: Ullstein
eBook (ePUB)
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Der Spielmann

Das älteste Spiel der Welt ist das Spiel um deine Seele ...

1486: Knittlingen ist ein ruhiger Ort im Kraichgau. Bis zu dem Tag, als die Gaukler in die Stadt kommen und plötzlich Kinder verschwinden. Johann Georg, genannt Faustus , der Glückliche, kümmert das nicht. Ihn interessiert nur der Spielmann und Magier Tonio del Moravia: Von dem blassen Mann mit den stechend schwarzen Augen, der Johann eine große Zukunft als Gelehrter voraussagt, geht eine seltsame Faszination aus. Johann schließt sich ihm an, gemeinsam ziehen sie durch die deutschen Lande. Der junge Mann saugt alles auf, was Tonio ihm beibringt. Doch von Tonios Lehren geht eine ungeahnte Gefahr aus, und schon bald beschleicht Johann das Gefühl, dass sein Meister mit dunklen Mächten im Bunde steht. Mächte, die Johanns ganzes weiteres Leben bestimmen werden  

Ein farbenprächtiges Abenteuer-Epos von Bestsellerautor Oliver Pötzsch



Oliver Pötzsch, Jahrgang 1970, arbeitete nach dem Studium zunächst als Journalist und Filmautor beim Bayerischen Rundfunk. Heute lebt er als Autor mit seiner Familie in München. Seine historischen Romane haben ihn weit über die Grenzen Deutschlands bekannt gemacht: Die Bände der 'Henkerstochter'-Serie sind internationale Bestseller und wurden in mehr als 20 Sprachen übersetzt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 784
    Erscheinungsdatum: 21.09.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843718141
    Verlag: Ullstein
    Serie: Faustus-Serie 1
    Größe: 3385 kBytes
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Der Spielmann

Prolog

Knittlingen im Kraichgau, 27._Oktober Anno Domini 1486

Im Herbst, als die Kinder verschwanden, kamen die Gaukler in die Stadt.

Mit offenem Mund stand der kleine Johann in einer Nische des Oberen Stadttors und beobachtete den lärmenden, tanzenden, singenden Zug bunter Menschen. Wie eine kleine Armee überquerten sie die Zugbrücke über den morastigen Stadtgraben, durchschritten das weit geöffnete Tor und füllten Knittlingen mit Leben. Vorneweg schlugen zwei fremdländisch aussehende, dunkelhäutige Männer Rad, dazwischen stolzierte eine Handvoll Spielleute mit Einhandpfeifen, Sackpfeifen und Tamburinen. Es folgten maskierte Seiltänzer, ein buckliger Zwerg im Narrenkostüm, Schwerter schwingende Schaufechter und ein leibhaftiger zottiger Bär, der von einem Riesen an einer Kette geführt wurde. Noch nie hatte Johann eine solche Pracht gesehen! Fast so, als wäre der Kaiser selbst in die kleine Pfälzer Stadt gekommen. Die geduckten Steinhäuser erstrahlten mit einem Mal in einem seltsamen Glanz, und ein exotischer Geruch umwölkte Johanns Nase - der Geruch der fernen Welt.

Einer nach dem anderen zogen die Gaukler an ihm vorbei, gefolgt von einer Schar lachender Kinder, die wie er sehnsüchtig auf diesen Tag gewartet hatten. Einer der Seiltänzer zwinkerte ihm zu, jemand lachte und gab ihm einen Stups, der ihn zurücktaumeln ließ. Erst jetzt merkte Johann, dass er vor lauter Staunen und Schauen zu weit auf die Straße hinausgetreten war. Die Räder eines Fuhrwerks rollten nur um Haaresbreite an ihm vorbei; tiefe Furchen gruben sich in den vom letzten Regen noch nassen Boden. Von den umliegenden Hügeln und Wäldern senkte sich feuchter, kalter Herbstnebel über die Stadt, doch Johann spürte ihn nicht; er starrte weiter auf die nicht enden wollende Karawane von Menschen, Karren, Pferden und Ochsen, die unter lautem Getöse in die Stadt einzog.

Woher sie wohl alle kommen?, dachte er. Aus dem großen Nürnberg? Aus den welschen Landen hinter den Alpen oder vielleicht sogar von jenseits des Meeres? Dort, wo Kopffüßler, Löwen und Drachen wohnen ...

Für ihn selbst hörte die Welt schon hinter den nächsten Hügeln des Kraichgaus auf, dahinter begannen die Sagen, Märchen und Legenden. Wann immer seine Mutter die Kraft dazu aufbrachte, erzählte sie ihm Geschichten, vom schlafenden Kaiser Barbarossa, von Rittern, Gnomen und Feenköniginnen, vom Schwarzen Mann im Wald, von den Reichstagen in Augsburg und Nürnberg und von rauschenden Festen. Johann saß auf ihrem Schoß und lauschte gebannt ihrer sanften Stimme.

Nach den Gauklern folgten die vielen Händler, einige mit rumpelnden Fuhrwerken, andere nur mit einer Kraxe auf dem gebeugten Rücken. Wie jedes Jahr am Simonis-Judae-Tag, dem Feiertag der beiden Apostel, stellten sie ihre Stände entlang der Marktstraße auf, die vom Oberen Stadttor zur Leonhardskirche führte. Der Herbstmarkt war der größte Jahrmarkt Knittlingens, mit dem Cantate-Markt im Frühling. Aus Bretten, Pforzheim, ja sogar aus dem fernen Heidelberg strömten die Menschen herbei, um hier ihre Waren feilzubieten.

Seit Wochen schon freute sich Johann auf diesen Tag. Er war acht Jahre alt, der Markt im letzten Herbst nur noch eine ferne Erinnerung. Schon am frühen Morgen war er zum Stadttor gelaufen, um die ersten Spielleute, Kaufleute und Tandler abzupassen, doch erst jetzt, gegen Mittag, füllte sich der Ort. Als auch der letzte Händler durch das Tor gezogen war, folgte Johann dem Zug hinein in die Stadt. Marktschreier balgten sich um die besten Plätze nahe der Kirche, ein bärtiger, bereits betrunkener Wanderprediger verkündete von einem Weinfass aus den baldigen Weltuntergang, die Musikanten spielten zum Tanz auf, mit lauten Schlägen wurde gegenüber dem Gasthaus »Zum Löwen« das erste Weinfass angezapft. Es roch nach Maische, Most, Pferdemist, Rauch und dem Kochdunst aus den vielen Garküchen, der Johann verführerisch i

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