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Der Stern der Elbe von Seidel, Diana (eBook)

  • Verlag: Edel Elements
eBook (ePUB)
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Der Stern der Elbe

Jetta Reckewisch ist dreizehn Jahre alt, als ihre Eltern nach Ende des Ersten Weltkriegs das Gasthaus 'Zum Stern' eröffnen. Anders als ihre drei Geschwister hat sie allerdings Aufregenderes im Sinn, als nach der Schule im 'Stern' mitzuhelfen. Mit sechzehn schneidet sie sich zum Entsetzen des Vaters die Haare kurz, schminkt sich und genießt mit engelsgleicher Unschuld die Verehrung vieler junger Männer. Bis sie sich eines Tages unsterblich verliebt und für eine Nacht alle guten Vorsätze über Bord wirft; am nächsten Morgen ist der schöne Unbekannte verschwunden, aber die Liebesnacht bleibt nicht ohne Folgen. Mit Anmut und Rafinesse nimmt Jetta jetzt ihr Leben in die Hand, während in Deutschland und der Welt die Ereignisse sich immer krisenhafter zuspitzen. Die mit viel Humor erzählte Geschichte einer unerschrockenen jungen Frau, zugleich eine deutsche Familiensaga und ein zauberhafter Hamburg-Roman.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 290
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783962151799
    Verlag: Edel Elements
    Größe: 1449 kBytes
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Der Stern der Elbe

2. Kapitel

Fritz rettet eine Katze

Einige Tage später sprach Vater Reckwisch am frühen Nachmittag über den Gartenzaun mit dem Nachbarn über die Zustände, die sich auswuchsen bis nach Altona. Inzwischen waren offenbar Handgranaten von wütenden Bürgern auf das Hamburger Rathaus geworfen worden. "Wie mag es bloß dazu gekommen sein?", wunderte er sich. Dass seine Jüngste ihm das detailliert hätte schildern können, ahnte er nicht.

Herr Leu berichtete nur aus zweiter Hand, und was er da erzählte, wusste inzwischen jeder: "Das's 'ne richtige Rewolutschoun is das! Aber is doch wahr, so 'ne Schweinerei, Herr Reckwisch, vergammelte Tiere inne Sülze für das hungernde und geknechtete Volk!"

Für das Volk empfand Adolf Reckwisch nur sehr bedingt Sympathie, sofern es nicht in seiner Eigenschaft als Gast in den Stern marschierte. Ihn interessierte etwas anderes.

"Ich hab gehört, Reichswehrminister Noske hat Generalmajor von Lettow-Vorbeck und seine Männer einbestellt, um die Unruhen niederzuschlagen?"

Doch, das war Herrn Leu ebenfalls zu Ohren gekommen.

Nun kam Addi in Fahrt. Wusste Herr Leu, dass er selbst ja unter diesem Mann in Afrika gedient hatte?

"Da bin ich meinen Arm losgeworden, in der Fremde fürs Vaterland. Und Sie können sich nicht denken, Herr Leu, was für ein Mensch das ist, der von Lettow-Vorbeck! Ein ganzer Mann, sage ich Ihnen; stark, konsequent, voller Geist! So ist unser deutscher Adel. Das sind erlesene Menschen. Edel. Daher kommt ja schließlich das Wort Adel. Das sieht man schon am Blick. So ein Blitzen in den Augen. Unnachahmlich ..." Er selbst guckte entsprechend.

Herr Leu, der mehr für das Volk war als für den Adel, wollte nun seine Hecke schneiden, aber Adolf hielt ihn am Ärmel fest. "Hab ich Ihnen schon mal erzählt, dass unser Name ursprünglich von Reckwisch gelautet hat?"

"Ach nee", meinte Herr Leu und blinzelte über seinen fettigen Kneifer.

"Allerdings. Wir waren Freiherren. Bis so ein gemütskranker Großvater plötzlich unsern Adel abgeschafft und auf das 'von' verzichtet hat. Dem waren in der Märzrevolution 1848 auf einmal so liberale Ideen gekommen ..."

"So. Das's ja interessant. Aber da ruft, glaub ich, meine Frau ...", behauptete der Nachbar und entriss dem Kaffeestubenbesitzer mit der adligen Vergangenheit seinen Ärmel.

Addi schaute ihm finster hinterher. Er fühlte, dass er nicht ernst genommen wurde, und seine immer parat liegende Wut drängelte sich hervor. Er litt an nervösen Zuständen. Das heißt, eigentlich litt nicht er selber sondern seine Umgebung. Alle versicherten sich gegenseitig, der Krieg hätte Vater zerrüttet. Und der Verlust des Arms! Keiner gab zu, dass Addi vor dem Krieg genauso cholerisch gewesen war. Damals konnte er sogar noch mit beiden Händen zuschlagen.

An Erich, seinen Ältesten, wagte er sich allerdings seit Jahren nicht heran, egal, wie viele Arme ihm zur Verfügung standen. Seit seinem vierzehnten Lebensjahr war der Bengel größer als der Vater, inzwischen sogar mehr als einen Kopf.

Noch vor zwei Jahren, kurz vor seiner Verletzung, auf Heimaturlaub, wollte Adolf den Sohn züchtigen, überzeugt davon, dass seine Autorität den Größenunterschied unwichtig machte. Er hatte ausgeholt - und war vom damals sechzehnjährigen Erich umklammert und hochgehoben worden. Sein hochrotes Gesicht mit den wütenden, weit aufgerissenen edlen blauen Augen hatte nun ein Stück über und dicht vor dem seines Ältesten gehangen, der offensichtlich nicht genau wusste, wohin mit dem erzürnten, strampelnden Vater.

Loslassen wollte er ihn nicht; es ging ihm ja darum, ihn am Prügeln zu hindern. Schlagen wollte er ihn auch nicht - wo kam man denn hin, wenn Kinder ihre Eltern schlugen? Aber bis in alle Ewigkeit konnte er ihn auch nicht so hochhalten. Schließlich hatte Erich seinen Erzeuger die Treppe hinauf in die Wohnstube getragen und mit Schwung aufs Kanapee geworfen, bevor er da

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