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Der Sturz des Doppeladlers Roman von Mosser, Birgit (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 07.09.2016
  • Verlag: Amalthea Signum Verlag GmbH
eBook (ePUB)
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Der Sturz des Doppeladlers

Der Untergang eines Reiches, der Aufbruch einer Gesellschaft, das Schicksal von vier Familien: die große Familiensaga zum Ende der Donaumonarchie Österreich-Ungarn, 1916. Die Donaumonarchie unter dem greisen Kaiser Franz Joseph befindet sich im dritten Jahr eines Krieges, der ohne Erbarmen geführt wird. Seine Auswirkungen treffen Menschen aus allen sozialen Schichten: Das junge Kindermädchen Berta kämpft um das Überleben ihres ledigen Kindes. Kaiserjäger Julius Holzer erlebt die Sprengung des Col di Lana an der Dolomitenfront. Architekt August Belohlavek gerät in russische Kriegsgefangenschaft. Sektionschef Ferdinand von Webern muss die Demütigung von St. Germain ertragen. In den letzten Jahren des Habsburgerreiches meistern vier Familien ihr Schicksal - und eine große Liebe gibt Hoffnung für die künftigen Generationen. Ob in Wien, Prag oder Südtirol, in Kärnten oder dem heutigen Burgenland - am Ende eines furchtbaren Krieges ist nichts mehr, wie es einmal war. Liebe und Hass, Treue und Verrat, Tod und Überleben liegen in jenen Jahren nahe beieinander. Jeder Einzelne wird vor existenzielle Fragen gestellt. Es gibt immer eine Wahl. Und sie hat immer ihren Preis.

Birgit Mosser-Schuöcker ist Juristin. In ihrer journalistischen Arbeit ist sie auf Drehbuch und Regie von zeitgeschichtlichen TV-Dokumentationen spezialisiert. Sie hat mehrere Sachbücher zur österreichischen Geschichte veröffentlicht. Zuletzt bei Amalthea erschienen: "Die letzten Zeugen. Vom Kaiserreich zum ?Anschluss?" (mit Gerhard Jelinek, 2014) und "Leopold Figl. Der Glaube an Österreich" (2015). "Der Sturz des Doppeladlers" ist ihr erster Roman. Birgit Mosser lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen in Klosterneuburg bei Wien.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 320
    Erscheinungsdatum: 07.09.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783903083356
    Verlag: Amalthea Signum Verlag GmbH
    Größe: 844 kBytes
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Der Sturz des Doppeladlers

1.

Wien, 30. November 1916

Die Feuchtigkeit kriecht durch ihre dünnen Schuhe. Berta fröstelt. Auf dem Weg zur Ringstraße hat sie sich vor einem Automobil in Sicherheit gebracht und ist prompt in eine Lacke gestiegen. Vor einiger Zeit hat die Sonne die morgendliche Nebelschicht durchbrochen, doch sie wärmt nicht. Die junge Frau seufzt. Wie oft schon hat sie sich vorgenommen, sich von ihrem nächsten Lohn feste Schnürstiefel zu kaufen. Doch dann ist sie wie jeden Monat zur Post gegangen und hat der Mutter Geld geschickt. Der Mutter, die ohne den Vater auskommen muss und drei hungrige Mäuler zu stopfen hat.

"Turnen können S' woanders, Fräulein! Hier ist kein Platz!", raunzt ein älterer Mann neben ihr.

"Entschuldigen S' schon, bei der Kälte muss man sich doch ein bissl bewegen." Nur nichts gefallen lassen. Das hat Berta lernen müssen, seit sie in Wien im Dienst ist. Der Alte grunzt unwillig. Das Gedränge ist einfach zu groß. Dabei hat Berta einen guten Platz ergattert: an der Ringstraße, in der ersten Reihe. Schließlich ist sie schon um zehn Uhr vormittags aufgebrochen. Wien ist heute wie verwandelt: Ämter und viele Geschäfte sind geschlossen, auf dem Ring ist der Straßenbahnbetrieb eingestellt. Die Menschen stehen dicht an dicht. Alte und junge, Männer, Frauen und Kinder. Fast alle sind dunkel gekleidet. Berta trägt eine weiße Bluse mit schwarzem Kragen zu ihrem knöchellangen, dunkelgrauen Rock, darüber ihren abgewetzten Mantel. Etwas Passenderes hat sie nicht zur Auswahl und überhaupt ist es ja nicht die Kleidung, die zählt. Sie mustert die Menschen ringsum: ernste Gesichter, kaum ein lautes Wort. Sie ist nicht besonders gut im Schätzen, doch es müssen weit über hunderttausend sein. Sie alle sind gekommen, um dem greisen Kaiser die letzte Ehre zu erweisen. Trotz Krieg, trotz des allgegenwärtigen Sterbens, trotz Hunger und Elend ist dieser eine Tod etwas Besonderes: Achtundsechzig Jahre lang hat Franz Joseph die Geschicke der Monarchie gelenkt. Jetzt, im Kriegsjahr 1916, ist er gestorben. Nicht unerwartet natürlich. Schon 1914 - kurz vor Ausbruch des Krieges - hatten die Zeitungen von einer schweren Krankheit berichtet. Vor neun Tagen, am 21. November, ist der alte Herr wirklich gestorben. Die Nachricht war ein Schock für Berta. Die Gnädigste hatte alle Dienstboten im Kaminzimmer zusammengerufen. "Ich habe die traurige Pflicht, Ihnen mitzuteilen, dass unser geliebter Kaiser verstorben ist!" Alle waren betroffen, aber nur Berta und Josefine, der dicken Köchin, sind die Tränen gekommen. Abends in ihrem schmalen Bett hat sie wieder geweint. Sie fühlte sich, als ob ein Verwandter gestorben wäre, obwohl sie nie ein Wort mit dem alten Mann gewechselt hatte. Doch sie hatte ihn fast jeden Tag, seit sie nach Wien gekommen war, gesehen: Sie führte ihre Schützlinge, den dreijährigen Heinrich und den fünfjährigen Wolfgang, bei ihren Spaziergängen oft zum Burgtor. Dort warteten sie, das Kindermädchen und die adeligen Buben, bis die kaiserliche Kutsche vorbeifuhr. Unter Bertas Anleitung winkten die Buben und der greise Kaiser grüßte zurück. Manchmal lächelte er dabei.

Ein Raunen geht durch die Menge. "Er kommt, er kommt!", ruft ein Schulbub neben Berta. Vor Aufregung hüpft der Kleine auf und ab, bis ihn seine Mutter zur Ruhe mahnt. Das stundenlange Warten hat sich gelohnt. Wie gut, dass sie in der ersten Reihe steht. Dann übertönen die mächtigen Kirchenglocken jedes andere Geräusch. Neben Berta hebt ein alter Mann einen kleinen Buben auf seine Schultern, sein Bruder zwängt sich an ihren Beinen vorbei. Der Klang des Generalmarsches kommt näher, die Avantgarde des Zuges verlässt schon das Burgtor. Je näher der Leichenzug kommt, umso stiller wird es. Die Männer nehmen die Hüte ab, die Frauen senken den Blick. Sogar die quengelnden Kinder schweigen. Berta starrt unverwandt auf den schwarzen, silbrig umrandeten Sarg. Hier, am Burgtor, wo sie Franz Joseph so oft gesehen hat, ni

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