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Der Tag, an dem Mr Goldman starb Eine Parabel vom Glück von Rhodes, David (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 29.08.2016
  • Verlag: Brunnen Verlag Gießen
eBook (ePUB)
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Der Tag, an dem Mr Goldman starb

Harry Goldman hat es sich in seinem skrupellos erarbeiteten Reichtum gemütlich gemacht und duldet keine Störung. Doch gegen eine plötzliche Herzattacke mit tödlichen Folgen kann auch er nichts ausrichten und so findet er sich unverhofft im Jenseits wieder. Mit dabei: Schaefer, der unliebsame Landstreicher, der immer vor Goldmans Haus herumgelungert hat. Bevor die beiden jedoch den Fluss, der die Grenze zum Himmel markiert, überqueren dürfen, werden sie auf eine abenteuerliche Reise durch das Unbekannte geschickt ... Eine gleichnishafte Erzählung über das wahre Glück und eine zweite Chance.

David Rhodes hat früher als Journalist gearbeitet und war katholischer Gemeindepfarrer. Er ist Autor mehrerer Bücher und engagiert sich heute mit großer Hingabe für Obdachlose.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 208
    Erscheinungsdatum: 29.08.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783765574580
    Verlag: Brunnen Verlag Gießen
    Originaltitel: Finding Mr Goldman. A Parable
    Größe: 1635 kBytes
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Der Tag, an dem Mr Goldman starb

Das verlorene Paradies

Hätte er den Zeitpunkt seines Todes gekannt, hätte Harry Goldman seinen Tag wahrscheinlich etwas anders zugebracht. Er hätte den einen oder anderen Anruf getätigt, um sich von Freunden zu verabschieden. Und eine ganze Reihe weiterer, um sich mit seinen Feinden zu versöhnen.

Wenn es in seiner Natur gelegen hätte, hätte er vielleicht Johnson, seinem langjährigen, leidgeprüften Butler, ein paar Dankesworte gesagt und möglicherweise allen Angestellten in seinem großen Haushalt ein kleines Abschiedsgeschenk zukommen lassen.

Da es ein strahlender Morgen war, hätte er durch die Gartenanlagen mit ihren Kieswegen schlendern können, die jeden Tag frisch geharkt wurden. Und unter Umständen hätte er sogar die Rosen bewundert, die in diesem Jahr besonders prächtig blühten.

Aber nichts von alledem tat er. Er ging vielmehr in die Kirche, was höchst ungewöhnlich war, wenn man bedenkt, dass es ein Donnerstag war und Goldman für Religion nur Verachtung übrighatte. Es war Ironie des Schicksals, sagten die Leute später in Anbetracht dessen, wie die Dinge sich entwickeln sollten.

Goldman begann seinen Tag mit einem Frühstück auf der Terrasse: schwarzer Kaffee, der ihm aus einer eleganten Silberkanne eingeschenkt wurde, und ein paar Scheiben Toast. Die Financial Times hatte man ihm sorgfältig in bequeme Reichweite gelegt, daneben einen Ausdruck der jüngsten Börsendaten in Fernost.

Goldman nippte an seinem Kaffee und blätterte gedankenvoll in den Finanzunterlagen. Der Hang Seng Index war gestiegen. Etliche Rohstoffgeschäfte entwickelten sich besser als erwartet. Er konnte zufrieden sein.

"Ist er immer noch da?", fragte er, ohne aufzusehen.

"Ich fürchte, ja", sagte Johnson mit würdevollem Ernst, als gelte die Bemerkung einer leidvollen persönlichen Angelegenheit.

"Nun, werfen Sie den Bastard raus", zischte Goldman. "Und zwar diesmal endgültig. Es ist seine letzte Chance. Sorgen Sie dafür, dass er das kapiert."

Johnson verbeugte sich und zog sich diskret zurück.

Goldman wischte einen Krümel von seinem dunkelgrauen Maßanzug und rückte die blaue Seidenkrawatte zurecht, wobei er den fließenden Stoff für einen Moment durch seine kräftigen Finger gleiten ließ. Aus irgendeinem Grund fühlte er sich nie ganz wohl in seinem feinen Zwirn. Er kam sich darin vor wie in den Kleidern eines anderen.

Der Butler ging langsam und zielstrebig die lange geschotterte Auffahrt hinab. Er spürte die Wärme der Morgensonne auf seinem grauen Haar. Der Tag würde wieder heiß werden - heiß genug für ein Gewitter. "Heute wirst du es kapieren, Freundchen", murmelte er vor sich hin. "Heute wirst du's endgültig kapieren."

Er bemerkte den Wachmann, der in einiger Entfernung mit einem Dobermann an der Leine die Mauer abschritt, die das Gelände umgab. Der Wachmann warf dem Butler einen Blick zu, grüßte aber nicht und verzog auch sonst keine Miene. Hund und Führer weckten Unbehagen in Johnson.

Kurz vor dem schmiedeeisernen Tor holte er die Fernbedienung aus der Tasche und drückte einen Knopf. Das Tor öffnete sich lautlos. Johnson trat auf den Gehweg hinaus und stellte sich vor einen Landstreicher, der mit dem Rücken an einen der hohen Steinsockel gelehnt auf der Straße saß. Neben sich hatte er einen Stock gelegt, den er von einem Baum abgebrochen hatte.

Der Landstreicher sah hoch, wobei er sich die Hand zum Schutz vor der blendenden Sonne über die Augen hielt. "Guten Morgen", sagte er heiter. "Wie geht's denn heute?"

Der Butler überhörte die Frage. "Verschwinden Sie endlich", verlangte er. "Das ist Ihre letzte Chance."

"Das sehe ich anders", entgegnete der Landstreicher mit einem liebenswürdigen Lächeln.

"Wer nicht hören will, muss fühlen", sagte Johnson gereizt. Er griff nach dem Stock und zielte nach Kopf und Schultern des Mannes. Der Landstreicher versuchte den Schlägen auszuweichen, indem er sich z

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