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Der Tarzan-Effekt von Molden, Hanna (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.02.2014
  • Verlag: Edel Elements
eBook (ePUB)
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Der Tarzan-Effekt

Die attraktive Journalistin Laura Wunder ist entsetzt: Ihre beste Freundin Gisi hat eine Affäre mit einem jungen Großwildjäger! Klarer Fall - hier handelt es sich um den berühmt-berüchtigten 'Tarzan-Effekt'. So etwas könnte der vernünftigen Laura natürlich nie passieren. Doch als sie für eine Reportage nach Schottland reist, begegnet sie auf der wilden Isle of Skye dem umwerfenden Brian, einem wortkargen, aber verdammt attraktiven Naturburschen. Und prompt geraten ihre Prinzipien gefährlich ins Wanken...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 320
    Erscheinungsdatum: 28.02.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783955303877
    Verlag: Edel Elements
    Größe: 558 kBytes
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Der Tarzan-Effekt

2 "Sie ist verrückt geworden." Viktor flüsterte, als müsse er etwas vertuschen. "Was heißt verrückt?", fragte ich laut. Er bohrte die geballten Hände in die Knie, beugte sich über den Tisch und raunte mir zu: "Sie betrügt mich." Dass "Viktor betrügen" dasselbe wie "verrückt sein" bedeuten sollte, fand ich bemerkenswert. Ich sah auf seine Fäuste, die eher Wut als Schmerz signalisierten. Na, gar so verrückt... schoss es mir durch den Kopf, ich verbiss mir das Grinsen und sagte: "Ausgeschlossen! Das wüsste ich!" Viktor hatte mich angerufen und mich um ein Gespräch gebeten. Er wollte am Telefon nicht sagen, worum es ging. Ich solle ihn um sechzehn Uhr in der Bar des Bristol treffen, um diese Zeit sei dort kein Mensch, den man kenne. "Ein Geheimnis", hatte ich gescherzt. "Wird bald keines mehr sein", hatte er düster gemurmelt und aufgelegt. Die Bar war in der Tat menschenleer, nicht einmal ein Kellner war zu erblicken. Viktor saß auf der Kante des Fauteuils, als wäre er auf dem Sprung. Er atmete heftig, sein dichter, neuerdings ergrauender Schnurrbart bebte, er war um Fassung bemüht.
Er sieht stattlicher aus als früher, dachte ich, nicht mehr so dürr, irgendwie bedeutend, in jedem Fall arriviert. Regelmäßige Gesichtszüge, braun gebrannt, kräftige, gerade Nase. Der Schnurrbart verdeckte die etwas dünn geratene Oberlippe. Die kahle Stelle oben am Kopf konnte er verschmerzen, weil das verbleibende Haupthaar dicht und nach wie vor silberblond wucherte. Das Blau der Augen schien ein wenig fahl geworden. Aber sein langer Körper war noch immer gut in Schuss. Den Bauch zog er gewohnheitsmäßig ein, er war trainiert, er hatte stets viel Sport getrieben, wenn auch nicht so extrem wie Martin, mein verstorbener Mann. Jetzt spielte Viktor vor allem Golf. "Ausgeschlossen", wiederholte ich, "wenn es so wäre, wüsste ich es." "Es ist die Wahrheit", sagte Viktor mit so viel verletztem Stolz, dass mir klar wurde: es stimmt. Dass sie mir nichts gesagt hat! - Es tat weh. Ich kannte Gisi besser, als alle anderen Menschen, Viktor mit eingeschlossen, sie kannten. Wir kannten uns im wahren Sinn des Wortes aus dem Sandkasten. Und in Wien steht der gemeinsame Sandkasten oft am Anfang anderer Verbindungen: Schulen, Sommerfrischen, Tanzkurse, erste Bälle, Konzertabonnements ... Es gibt ihn heute noch, diesen Sandkasten, in dem auch Limettchen ihren ersten Kuchen buk. Er befindet sich an einer vergleichsweise unattraktiven Stelle jenes Prachtparks, der für seine Rosenrabatten berühmt ist. Rund um ihn stehen immer noch die altmodischen Gartenbänke von ehedem, die heute nicht bloß von Großmüttern, Müttern und Aupairmädchen, sondern zunehmend auch von jungen Vätern frequentiert werden. Im Chaos meiner in Schuhschachteln abgelegten Fotos muss sich ein schwarz-weißer Schnappschuss befinden, der Gisi und mich in nämlichem Sandkasten zeigt. Unseren feisten Babyspeckbeinchen nach zu schließen dürfte er aus dem Jahr 1950 stammen. Seite an Seite sitzen wir auf dem Brett, beide in Schürzenkleidern, jede mit dem Sandkübel der anderen auf dem Kopf. Offenbar haben wir sie uns im Zuge einer kriegerischen Auseinandersetzung gegenseitig aufgesetzt.
Schon unsere Mütter waren Freundinnen gewesen. Auch sie konnten auf einen gemeinsamen Sandkasten zurückblicken. Sie entstammten derselben gehobenen Wiener Kaste. Gisis Mutter Ida hatte standesgemäß geheiratet, das Adelsprä

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