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Der Teppichhändler Roman von Mullins, Meg (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.02.2015
  • Verlag: Fahrenheit
eBook (ePUB)
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Der Teppichhändler

Uschman verbringt jede freie Minute am Flughafen von New York. Hier kam er vor drei Jahren an, ein Teppichhändler aus dem Iran. Und hier, das hat er sich Tag für Tag ausgemalt, wird er seine Frau Farak in die Arme schließen. Als er jedoch erfährt, dass sie ihm nicht nach Amerika folgen wird, ist er verzweifelt. Da begegnet er der jungen und hübschen Stella, und es beginnt eine Liebesgeschichte wider jede Vernunft - so schön, so anrührend und unvergesslich.

Meg Mullins studierte an der Columbia University und lebt heute mit ihrer Familie in Mexiko. Ihr erster Roman "Der Teppichhändler" erschien 2006 und begeisterte Leser und Presse gleichermaßen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 16.02.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492982085
    Verlag: Fahrenheit
    Größe: 932 kBytes
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Der Teppichhändler

Erstes Kapitel

U schman Khan mag keine Touristen. Aber es ist Juni, also Touristensaison in New York, und als er seinen Van vor dem Wohnhaus von Mrs Roberts parkt, sind sie überall. In T-Shirts und Sandalen, topmoderne Kameras um den Hals, flüchten sie unter Markisen und Unterstände, weil gerade ein Platzregen niedergeht. Uschman grinst über das Chaos. Mit einer Zeitung über dem Kopf bahnt er sich, leidlich trocken, einen Weg durch die Menge.

Mrs Roberts' Hausmädchen macht ihm die Tür auf. Die junge Frau bittet ihn in die kühle, dunkle Wohnung und bedeutet ihm, ins Wohnzimmer mitzukommen. Uschman, der nicht zum ersten Mal hier ist, folgt ihr wortlos durch die Zimmerflucht. In fast jedem Raum liegt ein Teppich aus seinem kleinen Geschäft in der Madison Avenue. Die Teppiche strahlen für ihn etwas Beruhigendes aus, denn jeder einzelne erinnert ihn an seine Frau. Sie lebt noch in Tabris, wo sie auf dem Basar oder in privaten Manufakturen handgeknüpfte Teppiche aus Wolle und Seide sowie gewebte Kelims auswählt oder in Auftrag gibt. Und jeden Monat schickt sie Uschman zwei bis drei Teppiche mit einem Zettel, auf dem steht: Verkaufen, verkaufen, verkaufen, deine Frau Farak.

Als Mrs Roberts letztes Jahr mit ihrem Mann auf die andere Seite des Parks zog, betraute sie Uschman mit der Aufgabe, sämtliche Böden in der neuen Wohnung mit Teppichen auszustatten. Dank dieses Auftrags konnte Uschman zwar die Mieterhöhung für seinen Laden verkraften und sein Inventar fast auf das Doppelte aufstocken, doch gern hatte er sich in Mrs Roberts' Wohnung mit ihren hohen, hallenden Räumen und der unterkühlten parfümierten Luft nie aufgehalten. Es war auch nicht leicht gewesen, die Kundin zufrieden zu stellen. Bestimmt zwei Dutzend Teppiche musste Uschman in Mrs Roberts' Wohnung hinauf- und schließlich wieder hinunterschleppen, weil sie nach ein paar Tagen ihre Farben zu matt oder zu knallig fand oder sie angeblich einfach nicht ins Zimmer passten. An diesen Gelegenheiten schien sie ein eigenartiges Gefallen zu finden, als hätte sie Vergnügen am Entdecken von Makeln. Und wenn Uschman zu guter Letzt den Teppich ausrollte, der bleiben sollte, stand sie eine Weile mit gerunzelter Stirn in der Tür. "Dieser auch nicht?", erkundigte sich Uschman meist, verschwitzt und etwas ungeduldig.

Dann biss sie sich auf die Lippen und stützte die Hände in die Hüften. Und schließlich wandte sie sich ab und sagte im Gehen, ohne einen Blick zurückzuwerfen: "Er passt perfekt. Ich behalte ihn."

Nach Abschluss des Projekts hielt Mrs Roberts mit Uschman weiter Kontakt. Mehrmals kam sie mit einer Freundin im Laden vorbei und zwinkerte ihm zu, wenn ihre Begleiterin sich hinkniete, um einen teuren Seidenteppich zu bewundern. Manchmal rief sie auch an und erkundigte sich nach der Herkunft eines Teppichs, nach der richtigen Pflege oder einem sonstigen Detail, das Uschman mit Sicherheit auf dem mitgelieferten Zertifikat vermerkt hatte. Dieses beharrliche Nachfassen beunruhigte Uschman - vielleicht wollte sie ihm ja unterstellen, er hätte sie betrogen oder belogen. Als Mrs Roberts am Vormittag angerufen und ihn gebeten hat, umgehend vorbeizukommen, hat es Uschman daher schlicht gegraut.

Während er im Wohnzimmer auf sie wartet, betrachtet er die dunklen Regenschleier über dem Park. Für Ende Juni ist es ungewöhnlich kalt, und trotz seines langärmeligen Hemds fröstelt Uschman. Gerade als er auf die Uhr sieht, taucht Mrs Roberts aus einem ans Wohnzimmer angrenzenden Zimmer auf.

"Sie müssen los", bemerkt sie, mehr als Feststellung denn als Frage.

"Guten Tag. Ja, ich habe einen Termin." Und dann zieht Uschman, wie von seinem Vater gelernt, die Augenbrauen hoch und streckt ihr ehrerbietig die Handflächen entgegen. "Aber womit kann ich Ihnen dienen?"

Mrs Roberts sieht an ihm vorbei aus dem Fenster. "An einem so scheußlichen Tag sollte man eigentlich nicht arbeiten."

Uschman senkt den Blick, s

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