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Der Teufelsvogel des Salomon Idler Roman von Dempf, Peter (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.08.2014
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Der Teufelsvogel des Salomon Idler

Der Augsburger Schuster Salomon Idler gelangt zufällig in den Besitz eines geheimnisvollen Manuskripts mit Plänen für ein Fluggerät. Besessen von dem Wunsch zu fliegen, schlägt Idler alle Warnungen in den Wind und beginnt mit dem Bau seines Teufelsvogels. Doch der schwedische Stadthauptmann Stierna und die Agenten der kaiserlich-katholischen Heere, die die Stadt belagern wissen um die Brisanz der Pläne, denn mit einem Flugapparat hätten sie den Schlüssel zum Sieg in der Hand. Mit aller Gewalt wollen sie die Zeichnungen in ihren Besitz bringen. Idlers Frau wird auf der Folter in den Wahnsinn getrieben, und Idler selbst muss sich in der von der Pest heimgesuchten Stadt vor seinen Häschern verstecken. Er findet bei den Stadtbettlern Unterstützung und erlebt eine große, leidenschaftliche Liebe, ehe ein gefährlicher Wettlauf mit der Zeit beginnt...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 416
    Erscheinungsdatum: 15.08.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732500888
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Größe: 1757 kBytes
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Der Teufelsvogel des Salomon Idler

11.

"He, Prinzipal!", rief Idler dem Blaubemantelten zu und warf seine beiden Münzen zu ihm hinauf, während sich um ihn her die Menge aufzulösen begann. Für einen Moment sahen sich Idler und der Schauspieler in die Augen, der eine sehnsüchtig, der andere um des Geldsegens erstaunt. Dann schulterte Idler seine Kraxe, nahm den Kasten auf und enteilte in entgegengesetzter Richtung, um einer Kontrolle zu entgehen.

Idler schleppte seine Ausrüstung in Richtung St. Ulrich, umrundete mit ihr den Salz- und Weinstadel und spähte kurze Zeit später wieder von der anderen Seite her auf den Bretterboden, der eben noch Griechenland gewesen war.

Mit flinkem Auge überblickte er den Platz. Die Gefahr war vorüber. Die Landsknechte hatten sich über den Markt verteilt. Eine Gruppe von Soldaten betrat das Zelt einer Marketenderin. Der Feldwaibel, dem das rechte Auge fehlte und über dessen rechte Wange eine Narbe lief, die von einem Schwertstreich herzurühren schien, betrat die Bude einer Wahrsagerin. Zwei weitere Soldaten hatten sich vor einem Würfelspieler niedergelassen. Ole Larsson fehlte. Auch die Komödianten waren verschwunden, die Bühne blieb verwaist. Keine Spur des Schlangenmädchens konnte er entdecken. Zu gerne hätte der Schuster das Ende noch gehört, hätte wissen wollen, was mit Daidalos und Ikaros weiter geschehen war.

Sicher hatte der Alte Trauer empfunden um den Tod des Sohnes. Aber war es nicht gerecht gewesen, für den Mord an Talos, seinem Gehilfen, mit dem eigenen Sohn zu büßen?

Der Schuster suchte sich zögernd eine Lücke zwischen den Schaustellern und Handwerkern, stellte Kraxe und Kasten ab und bot erneut seine Arbeit feil. Die Menschen strömten wieder zurück auf den Platz. Die Schwedischen hatten nur Furcht verbreiten wollen. Idler vergaß sie.

Nicht vergessen konnte er die Geschichte. Davon musste er Maria erzählen, von diesem Daidalos, dem es eingefallen war, den Luftraum für seine Flucht zu nutzen. Erzählen musste er ihr, dass es ein Mensch gewagt hatte, sich über andere zu erheben, sich ganz seinen Ideen zu überlassen.

Idler schloss die Augen und ließ sich den Wind des Meeres durch die Haare wehen, roch das salzige Aroma der Wellen und lauschte dem entfernten Rauschen der See tief unter ihm.

Ein grelles Lachen schreckte Idler hoch. Einer der Landsknechte klatschte wie wild in die Hände und trieb damit den Taubenschwarm von eben über den Platz. Ihre Flügel rauschten im Takt der Flügelbewegungen. Gleichmäßig, als hätten sie zuvor Wochen exerziert, vollführten sie ihre Wendemanöver, strichen glatt und leicht durch die Luft und wurden immer wieder vom knallenden Händeklatschen des Soldaten hochgescheucht. Dann hob der Landsknecht plötzlich seine Radschlosspistole und feuerte unter den Schwarm. Torkelnd löste sich ein Vogel und fiel ins Wasser des Herkulesbrunnens. Idler konnte nicht fassen, was er gesehen hatte. Tränen schossen ihm in die Augen.

"Träumt nicht, Schuster!"

Vor ihm stand mit seinen fiebrigen Augen der Magister und beugte sich zu ihm herab.

"Beeilt Euch mit meinen Stiefeln, Schuster. Sie sind wichtig. Das Futteral ebenfalls. Säumt nicht. Am Sonnabend werde ich sie mir holen."

Der Magister wandte sich ab, aber Idler war schneller, hielt ihn am Rocksaum fest.

"Ein Wort, Magister Eduard. Wie ging die Geschichte aus?"

In seiner Bitte lag etwas Bestimmtes, so dass sich der Schwarzgekleidete zögernd bereit fand, auf den Wunsch einzugehen.

"Es ist nicht gut, uns zusammen zu sehen. Es schadet Euch, Schuster. Trotzdem, wenn Ihr die Geschichte mit dem Griechen meint: Daidalos suchte seinen Sohn, flog auf und

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