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Der Thron der Wölfe Roman von Brennan, Kiera (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.10.2017
  • Verlag: Blanvalet
eBook (ePUB)
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Der Thron der Wölfe

Kiera Brennan ist der aufgehende Stern am Historien-Himmel. Die Grüne Insel ist vom Krieg gezeichnet: König Henry Plantagenet und seine Normannen sind in Irland eingefallen und tränken die Erde mit Blut. Einzig im Nordwesten der Insel regt sich Widerstand. Die berüchtigten Ritter des Roten Zweiges begehren gegen die Invasoren auf. Zu ihnen stößt der junge Tuan, der als Sohn eines Goldschmieds zwar wenig kampferprobt ist, in Ascall von Toora, dem Anführer der Rebellen, aber einen mächtigen Beschützer findet. Tuan muss seine Treue bald beweisen, denn als Ascall in Gefangenschaft gerät, obliegt es ihm, dessen Geliebte Róisín und ihre Kinder in Sicherheit zu bringen. Unterdessen stellt sich Ascall seinem schlimmsten Feind - den eigenen Dämonen ... Kiera Brennan ist das Pseudonym einer erfolgreichen Bestsellerautorin, deren Romane bei zahlreichen deutschen Verlagen erschienen sind. Ihre Irland-Saga, beginnend mit dem Historienepos "Die Herren der Grünen Insel" und gefolgt von "Der Thron der Wölfe", spielt im Irland des Hochmittelalters - eine Epoche, die Brennan seit jeher fesselt. Während langer Irlandaufenthalte hat sie an Originalschauplätzen recherchiert und sich von der wildromantischen Landschaft der Insel inspirieren lassen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 768
    Erscheinungsdatum: 16.10.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641189082
    Verlag: Blanvalet
    Serie: Die Irland-Saga .2
    Größe: 2746 kBytes
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Der Thron der Wölfe

1175

Das Holzbrett, auf dem der Mann lag, sah aus wie eine Bettstatt, die breiten Lederbänder ließen an Gürtel denken. Die Gürtel waren aber nicht um seine Taille geschlungen, sondern um Hände und Füße, und die Bettstatt war eine Streckbank, auf der man den Unglücklichen quälte. Immer wieder wurde er lang gezogen, bis sein Rücken das Holz nicht mehr berührte und er zu zerreißen drohte.

Was wird zuerst geschehen?, fragte sich Prinz John. Wird ein Fuß abreißen, eine Hand, oder zerplatzt eines der Augen, die bei jedem gequälten Aufschrei aus der Höhle quellen?

John wusste nicht, wovor er sich am meisten fürchtete. Er war erst acht Jahre alt und wurde zum ersten Mal Zeuge einer Folterung. Wann immer er sich duckte und zurückwich, schob ihn der Mann, der ihn in das Verlies gebracht hatte, wieder ganz nah an den Gequälten heran, so nah, dass ihm der Gestank nach Angstschweiß und Blut in die Nase stieg.

"Nicht!", rief John verzweifelt, als der Schrei des Gefolterten in ein jämmerliches Japsen überging.

"Du kannst dafür sorgen, dass die Qualen dieses Unglücklichen hier ein Ende haben", sagte der Mann, der hinter ihm stand. "Du weißt genau, wie."

Nein, John wusste es nicht. Sein Kopf war zu leer, um irgendetwas zu wissen. Das hieß leider nicht, dass er auch nichts wahrnehmen konnte - im Gegenteil. Er sah die schwarzen Härchen auf der Brust des Gefolterten erbeben, die weiße Haut in der Leistengegend erzittern, er hörte den rasselnden Atem, das Ächzen ...

"Nicht!", schrie John wieder, wehrte sich gegen den Griff des Mannes, sackte zu Boden.

Er presste seine Augen auf die Knie und seine Hände auf die Ohren. Leider hatte er so kleine Hände und so gute Ohren ... Jetzt war ein Zischen zu hören. Das Zischen von Flammen? John konnte nicht anders, als wieder hochzublicken. Der Folterknecht trat mit einer rotglühenden Zange auf sein Opfer zu und drückte sie ihm auf die Brust, bis nicht nur die Haare verkohlt waren, sondern aus der eben noch schweißbedeckten, gelblich schimmernden Haut war ein Stück rotes, zuckendes Fleisch geworden. Und der Gequälte schrie und schrie und schrie ...

Unwillkürlich musste John an Schwester Agnèse denken, jene bösartige Nonne vom Kloster Fontevraud, in dem er gemeinsam mit seiner Schwester Joan die ersten Lebensjahre verbracht hatte. John hatte die Stille, die grauen Wände und den Klostergarten geliebt, Schwester Agnèse dagegen hatte er unendlich gefürchtet. Immer wieder hatte sie ihn schmerzhaft gezwickt und ihm zugeraunt: "Ihr Plantagenets seid nicht von dieser Welt. Die Brut des Teufels seid ihr. Vom Teufel stammt ihr ab, und zu ihm werdet ihr zurückkehren."

Doch die feisten Hände und spitzen Nägel der Nonne hatten niemals so grausam gewütet wie die Zange des Folterknechts, und ihre Stimme klang bei Weitem nicht so höhnisch wie die des Mannes, der John in das Verlies geführt hatte, ihn nun wieder am Nacken packte und hochriss.

"Du kannst es beenden, Prinz John, wenn du dir nur etwas Mühe gibst!", rief Ranulf de Glanville, der für seine Erziehung zuständig war.

Der Sheriff von Westmorland war über sechzig Jahre alt, was man allerdings nur seinem Gesicht und dem schütteren Haar, nicht der kräftigen Statur ansah. Von Johns Vater Henry war er dazu auserkoren worden, während Johns mehrwöchigen Aufenthalts auf der Burg von Windsor über ihn zu wachen, und an diesem Morgen hatte er ihn mit zuckenden Mundwinkeln und verkniffenen Augen gemustert. "Du kannst nicht reiten, du kannst nicht kämpfen, und du verstehst nichts von der Welt", hatte er John verächtlich entgegengespien.

Zumindest Letzteres schien Ranulf nun ändern zu wollen. Den ganzen Tag hatte er ihn belehrt und verlangt, er möge seine Worte wiedergeben. Diese Worte schwirrten in Johns Kopf wie ein Schwarm wild gewordener Bienen, die sich in ihrer Verzweiflung gegenseitig zu stechen begannen und am Ende nur mehr nach dem Tod sehnten, nicht nach Honig. Nachdem

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