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Der Tod des Cosimo von Ernst, Paul (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 27.07.2015
  • Verlag: RUTHebooks
eBook (ePUB)
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Der Tod des Cosimo

Paul Ernst - Der Tod des Cosimo 'Der Tod des Cosimo' ist eine Sammlung von Erzählungen des Autors Paul Ernst. Paul Ernst ist einer der wichtigsten Vertreter der Neuklassik - einer Richtung der Literatur, die in den 1920ziger Jahren entstand. In dieser Sammlung sind folgende Werke enthalten: 'Der Tod des Cosimo', 'Der Dichter und die Schauspielerin', 'Aus den Aufzeichnungen des Musikers', 'Das Gespenst', 'Das hölzerne Becherlein', 'Die Venus', 'Ein Eid', 'Der Tod des Dichters', 'Manto und Sextilius', 'Die beiden Maler' und 'Die Liebe des Flibustierführers'. Für RUTHeBooks Klassiker lassen wir alte oder gar schon vergriffene Werke als eBooks wieder auferstehen. Wir möchten Ihnen diese Bücher nahe bringen, Sie in eine andere Welt entführen. Manchmal geht das einher mit einer für unsere Ohren seltsam klingenden Sprache oder einer anderen Sicht auf die Dinge, so wie das eben zum Zeitpunkt des Verfassens vor 100 oder mehr Jahren 'normal' war. Mit einer gehörigen Portion Neugier und einem gewissen Entdeckergeist werden Sie beim Stöbern in unseren RUTHeBooks Klassikern wunderbare Kleinode entdecken. Tauchen Sie mit uns ein in die spannende Welt vergangener Zeiten!

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 200
    Erscheinungsdatum: 27.07.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783959231732
    Verlag: RUTHebooks
    Größe: 290 kBytes
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Der Tod des Cosimo

Der Tod des Cosimo

Es war in den Tagen, da Cosimo de Medici starb, welcher der Vater des Vaterlandes genannt wurde, daß die Bürger von Florenz blindlings dem Willen Savonarolas gehorchten. Wie das alles so gekommen, war keinem recht klar; Savonarola hatte schon lange von der Buße gepredigt und von dem Tage des Gerichtes, und allmählich hatten ihm immer mehr Menschen geglaubt, zuerst die Frauen und endlich auch die Männer. Nun zitterten alle, wenn sie dachten, daß er predigen würde, und wiewohl sie eine heftige Furcht vor seinen Worten hatten, gingen sie doch zu jeder neuen Predigt, um jede neue Last aufzunehmen, die er ihnen aufladen wollte.

Auf der Piazza Signoria hatte er einen großen Scheiterhaufen errichtet, zu dem brachte ein jeder, was ihm das Teuerste war, um es zu opfern. Der Scheiterhaufen schwelte, und nur ab und zu kamen kleine Flammen an ihm hochgezüngelt. Der Wind trieb den Rauch nach der Seite des Arno zu. Auf der anderen Seite stand auf einem Stuhl, der ihm als Rednertribüne gedient hatte, Savonarola. Er hatte die Arme vor dem Leib gekreuzt, die Hände in den Ärmeln der weißen Kutte und sah mit seinen scharfen Blicken über die Menschen, die sich lautlos drängten.

Auf der Spitze des Scheiterhaufens war ein großes Bild: eine Venus von Botticelli, in breitem, geschnitztem Rahmen; aufrecht war es und wurde zufällig in seiner Lage gehalten durch die regellos übereinandergeworfenen Gegenstände: eingelegte Tischchen, gold- und purpurgewebte Kleider, Fläschchen aus Kristall, Bilder, schönbemalte Kästchen, welche Schmuck enthielten, eine große goldene Kette mit prächtiger Schaumünze, Bücher und, als Gabe eines ganz Armen, ein elendes Bett.

So still war die Menge, daß man das Knistern, Knacken und Fauchen des Feuers hörte. Zuweilen teilte sie sich leise, und ein Mensch trat vor, der etwas zu dem Haufen warf.

So trat ein vornehmes Weib vor, das in der Reife ihrer Schönheit stand mit etwa fünfunddreißig Jahren, mit stolzem Nacken und festem Gang. Sie löste sich eine Perlenkette vom Hals, küßte sie noch einmal und legte sie zu den Opfergaben. Ein Jüngling wendete sein Gesicht ab und weinte, der erste Flaum färbte ihm die Wangen dunkler. Eine spitze Flamme kam plötzlich aus der Mitte des Scheiterhaufens weit heraus, einiges geriet ins Gleiten, das Venusbild schwankte und schlug dann um, gerade auf die Flamme. Ein Mann seufzte tief auf, es war Botticelli selbst.

Cosimos Sterbebett stand in dem großen Saal, dessen drei rundbogige Fenster auf den Platz hinausgingen, denn er hatte Beklemmungen des Herzens und mußte einen großen Raum um sich empfinden. Unheimlich drang Unverständliches von unten zu ihm und machte ihn unruhig; denn er hatte Savonarola geschont, um ihn gegen den Papst zu verwenden, aber fürchtete immer, daß er einen Aufruhr entfachen werde.

So erhob er sich langsam vom Bett, ließ sich die Schuhe vom Diener anziehen und schlich an das Fenster. Schon begannen ihm die Augen zu versagen, und mehr der Verstand zeigte ihm, was unten geschah, als der Blick. Das fiel ihm auf, und wie zahnlose alte Leute tun, murmelte er etwas; es war darüber, daß das Innere länger lebte als das Äußere.

Der alte Diener mußte ihm um die Hüften greifen, und er selbst legte seinen Arm über des Dieners Nacken. So schleppte er sich schlürfend zu einem Schrank. Schwerfällig zog er ein Schlüsselbund aus der Tasche und prüfte mit den Fingern, bis er den richtigen Schlüssel gefunden hatte, dann ließ er sich vom Diener die Finger führen, bis er das Schlüsselloch fand. Die Tür ging mit leisem Ächzen auf, und Häufchen Holzmehl lagen inwendig, und ein dumpfer Modergeruch kam aus dem Dunkeln. Dann suchte er mit den zitternden Fingern den zweiten Schlüssel und ließ sich die Hand zu dem Schlüsselloch des Schubkastens führen. Er zog ihn ganz heraus, dann tastete er im Auszug, suchte die Feder, die Feder sprang, und ein geheimes Kästchen zeigte sich. In dem l

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