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Der Trinker von Fallada, Hans (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.01.2018
  • Verlag: EClassica
eBook (ePUB)
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Der Trinker

Für die eBook-Ausgabe völlig neu überarbeitet und in aktualisierter Rechtschreibung Unternehmerische Misserfolge werfen den Lebensmittelgroßhändler Erwin Sommer brutal aus seinem geordneten Leben. Es beginnt mit ein paar Glas Wein, um die beruflichen Sorgen zu vergessen - und weitet sich innerhalb weniger Wochen zu einer Totalabhängigkeit aus. Noch grausamer und schockierender wird der zweite Teil des Buches, in dem der Protagonist schonungslos die menschenvernichtenden Zustände in der Psychiatrie, euphemistisch 'Pflegeanstalt', in der er endet, schildert. 'Der Trinker' ist Falladas persönlichster Roman, geprägt von seiner eigenen Drogenabhängigkeit und seinen Erfahrungen in Gefängnissen und psychiatrischen Anstalten. Er schrieb das Buch innerhalb weniger Wochen, als er nach einem Angriff auf seine Exfrau im Gefängnis von Strelitz einsaß. © Redaktion eClassica, 2018

Hans Fallada (eigentlich Rudolf Ditzen) (1883-1947) war einer der produktivsten deutschen Schriftsteller der 30er Jahre. In der Zeit des Nationalsozialismus lebte er als 'unerwünschter Autor' zurückgezogen auf einem Anwesen in Mecklenburg. Einige seiner Bücher waren von den Nazis aber auch geduldet, weil sie die Weimarer Republik kritisierten, wodurch er persönlicher Verfolgung entging.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 01.01.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783963611247
    Verlag: EClassica
    Größe: 353kBytes
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Der Trinker

16

Ich stehe in Strümpfen auf der Diele meines Hauses, die Schuhe habe ich schon im Vorplatz gelassen. Es ist noch dunkel, aber nun tastet meine Hand nach dem Schalter, ein leises Knacken, und es wird hell. Ja, hier bin ich wieder bei mir zu Hause, hier gehöre ich her, in diese Ordnung und Sauberkeit! Mit einer fast andächtigen Scheu betrachte ich diese kleine schmucke Diele mit dem resedafarbenen Teppich, von dem längst die hässlichen Spuren jener Novembernacht getilgt sind; ich sehe den Kleiderständer an, an dem ordentlich auf Bügeln nebeneinander Magdas grüne Kostümjacke und ein bläulicher Sommermantel hängen - und nun schleiche ich mich zum Spiegel, zu dem großen, langen Spiegel, in dem man sich von oben bis unten sehen kann, und ich betrachte mich von oben bis unten. Und ein fürchterlicher Schrecken packt mich, wie ich mich da stehen sehe in meinen ausgebeutelten, beschmutzten Kleidern, mit dem grauschwarzen Halskragen, dem stoppligen fahlen Gesicht, den rotgeränderten Augen. Das ist aus mir geworden! schreit es in mir, und mein erster Impuls ist es, hinüberzustürzen zu Magda, vor ihr auf die Knie zu fallen und sie anzuflehen: Rette mich! Rette mich vor mir selbst! Birg mich an deinem Herzen! Aber diese Regung verfliegt, ich lächle mein Spiegelbild listig-verschlagen an. Das möchte sie, denke ich. Und dann ab mit dem Mann in eine Trinkerheilanstalt und rein in Geschäft und Vermögen! Listig sein. Immer listig sein. Und ich rücke mir eilig einen Stuhl an den großen Kleiderschrank in der Diele, ich lange hinauf und hole mir einen Handkoffer herunter, den besten Handkoffer, den wir besitzen, einen vollrindledernen; eigentlich gehört er sogar Magda, ich habe ihn ihr einmal zum Geburtstag geschenkt. Aber darauf kommt es jetzt nicht an, außerdem - gehört nicht Eheleuten alles gemeinsam? In der nächsten Viertelstunde entfalte ich eine fieberhafte Tätigkeit, ich packe meinen Mantel ein, zwei Anzüge, Wäsche. Aus dem Badezimmer hole ich mein Toilettenzeug. Magda wird sich morgen früh wundern! Aus dem Schuhschrank hole ich zwei Paar Schuhe, Hausschuhe - ich richte alles wie zu einer großen Reise. Und jetzt ist mir wirklich so, als würde ich eine große Reise antreten, vielleicht, vielleicht ist Elinor diesmal zugänglicher. Nun bin ich mit all diesen Dingen fertig, und ehe ich jetzt an das Schwerste gehe, setze ich mich einen Augenblick auf die Diele, trinke und ruhe mich aus. Ich merke doch sehr, wie schwach ich in den letzten Wochen geworden bin, dies bisschen Packen hat mich über Gebühr angestrengt, mein Herz flattert, ich bin von Schweiß bedeckt.

Dann mache ich mich wieder ans Werk. Bis jetzt ist alles ausgezeichnet gegangen, ich habe kein Geräusch gemacht, das einen normalen Schläfer erwecken könnte, nichts fiel mir aus den Händen. Aber, wie gesagt, das Schwerste steht mir noch bevor. Ich ziehe die Schublade unter dem Spiegel auf, und siehe, da liegt wirklich die elektrische Taschenlampe! Ich knipse, und siehe, sie brennt tatsächlich! Es geht doch nichts über einen gutgeordneten Haushalt - heil dir, Magda! Ich knipse alles Licht aus und schleiche mit der Taschenlampe in unser Wohnzimmer. Es liegt direkt neben dem Schlafzimmer und ist von ihm nur durch eine zweiflüglige, mit bunten Glasscheiben verzierte Tür getrennt, durch die jeder Lichtschein und jedes Geräusch dringen. Im Dunkeln taste ich mich zum Schreibtisch hin, in dessen Mittelfach in einer kleinen Geldkassette unser Bargeld liegt. Im Allgemeinen ist dort nur das für den Haushalt notwendige Geld, also nur wenig; haben wir abends aber noch Einnahmen im Geschäft gehabt, die zur Bank zu bringen es zu spät war, so nahmen wir das Geld mit hierher. Ich war doch sehr gespannt, wieviel ich finden würde. Es gelang mir, das Fach ohne jedes Geräusch zu öffnen und die Kassette herauszuholen, ich brauchte nicht einmal die Taschenlampe anzuknipsen. Ebenso fand ich im völlig Dunklen das neben der Kassette liegende Scheckbuch. Ich

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