text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Der Turm der Liebenden Historischer Roman von Aurel, Catherine (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.05.2019
  • Verlag: Penguin Verlag
eBook (ePUB)
9,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Der Turm der Liebenden

Drei Frauen, die für die Liebe kämpfen. Ein Schicksal, das sie alle verbindet. Pisa im 13. Jahrhundert: Der geheimnisumwitterte Schiefe Turm soll endlich fertig gebaut werden, um aller Welt die Macht der Stadt zu bekunden. Die junge Aziza träumt davon, eines Tages von seiner Spitze aus das Meer zu sehen. Und sie träumt von Nino della Gherardesca, in den sie sich unsterblich verliebt hat. Doch eine alte Fehde spaltet Pisa in zwei Lager und macht Nino zu ihrem Feind. Nicht nur, dass Aziza der Kontakt zu ihrem Geliebten verboten wird - sie muss auch hilflos miterleben, wie er in den Krieg zieht. Kann ihre Liebe diese Prüfungen überstehen? Viele Jahre später macht sich eine junge Frau auf die Suche nach ihren Wurzeln. Sie ahnt nicht, dass ihr ihre Herkunft zum Verhängnis werden kann ... Catherine Aurel träumte schon als Kind davon, Schriftstellerin zu werden. Ebenso alt ist ihre Leidenschaft für die Geschichte: Anstelle von Starpostern zierten einst die Stammbäume berühmter europäischer Dynastien ihr Zimmer - darunter auch der der Grimaldi von Monaco. Als sie später mehrere Reisen an die Côte d'Azur unternahm, festigte sich der Entschluss, über die Anfänge der berühmten Fürstenfamilie und der spektakulären Eroberung Monacos im 13. Jahrhundert einen Roman zu schreiben.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 624
    Erscheinungsdatum: 13.05.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641238025
    Verlag: Penguin Verlag
    Serie: Penguin Taschenbuch 10410
    Größe: 2916 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Der Turm der Liebenden

Wenn in Bugia, jener von schroffen Klippen und mächtigen Bergen umgebenen Stadt in Nordafrika, einem Kind das Leben geschenkt wurde, wurde es in Blumenwasser gebadet. Eine Dienerin lief mit Salz durch den Raum, um die dschinn zu vertreiben, jene aus rauchlosem Feuer erschaffenen Dämonen, und nicht weit von der Wiege entfernt brannte ein starkes Feuer, an dem drei Tage und drei Nächte lang kein Mensch vorbeischreiten durfte, ansonsten brachte er Unglück über das Kind. Am allerwichtigsten aber war, dass man dem Kleinen Brot, Zucker und Gold in die Wiege legte: Zucker, damit es freundlich werde, Brot, damit es lange lebe, Gold, damit das Glück ihm lache.

Ja, das geschah, wenn in Bugia, einer der wichtigsten Hafenstädte in Nordafrika, ein Kind geboren wurde - zumindest wenn es das Kind einer reichen Familie war. Die Eltern von Aziza aber waren nicht reich, sie waren so bitterarm, dass ihre Hütte nicht einmal mit Stroh bedeckt war, nur mit Fladen aus getrocknetem Ziegenmist. Die erste Mahlzeit ihrer Mutter nach der Geburt war keine Suppe aus Weizenmehl, Hammelfett und Traubenmus gewesen, und Aziza wurde kein Brot, Zucker und Gold in die Wiege gelegt. Kein Wunder also, dass die Menschen, denen sie in den ersten Jahren ihres Lebens begegnete, sie nicht für freundlich, sondern für verblödet hielten. Sie erwarteten, dass sie bald wie eine der nutzlosen schwarzen Fliegen dahingerafft werden würde, und glaubten nicht daran, dass sie jemals ihr Glück fände.

Zunächst schienen sie recht zu behalten. Ihre Eltern starben so früh, dass sie sich nicht an sie erinnern konnte - nur manchmal vermeinte sie in ihren Träumen das Echo vom Singen und Lachen der Mutter zu hören. Ihre Tante, die sie nach deren Tod aufnahm, sang und lachte nicht. Sie beklagte sich ständig über das Schicksal, das ihr eine solch nutzlose Last aufgebürdet hatte.

"Wenn du wenigstens gut im Weben wärst!", rief sie oft, aber in Azizas Händen verknotete sich jeder Faden.

"Wenn du wenigstens ein Kunststück vollbringen könntest!", jammerte sie, aber die einzigen Kunststücke unter ihrem Dach vollbrachte die einohrige Katze, die noch die schnellste Maus fing.

"Und wenn du wenigstens ein liebreizendes Lächeln hättest", kam es schließlich, "die Menschen würden nicht achtlos an dir vorbeigehen, sondern dir mehr Geld zustecken."

Nun, Aziza konnte durchaus lächeln, aber wenn sie am Boden lungerte und bettelte, wie die Tante es befahl, hob sie den Kopf nicht weit genug, um den Menschen, die an ihr vorbeischritten, ins Gesicht zu sehen. Auch ihre Tante lächelte sie sehr oft an, meist entschuldigend, weil sie ihr das Leben schwer machte, aber die bemerkte es gar nicht. "Du taugst einfach zu gar nichts", erklärte sie nur.

Eines Morgens setzte sie sie wieder einmal in einer der Gassen ab, kam am Abend jedoch nicht zurück, um sie wieder nach Hause zu holen. Auch am nächsten Tag erschien sie nicht.

Aziza, die durch das Labyrinth an Straßen und Gassen unmöglich den Heimweg finden würde, blieb sitzen. Sie kaute tagsüber an Schalen von Feigen, die jemand achtlos weggeworfen hatte, und leckte Wasser aus einem undichten Rohr, das vom nächstgelegenen Hamam wegführte. Irgendwo tief drinnen wucherten Schmerz und Angst. Zugleich hoffte sie ganz selbstlos, die Tante würde nun, da sie sie los war, fröhlicher sein, den ganzen Tag singen und lachen. Sie nahm ihr nichts übel. Sie war ja selbst der Meinung, dass sie zu nichts taugte.

Doch ihre Tante und sie irrten sich beide. Aziza hatte durchaus ein großes Talent, obwohl noch niemand davon wusste, und sie verhungerte nicht im Staub der Straße. Stattdessen wurde sie mit nunmehr sechs Jahren ein zweites Mal geboren, und an diesem Tag - oder vielmehr war es die dritte Nacht, die sie mittlerweile im Freien verbrachte - wurde ihr ein Schatz geschenkt, kostbarer als Gold, Brot und Zucker.

Der Mann, der Aziza diesen Schatz anvertraute, war Abelardo Gual

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen