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Der vergessene Kaiser von Bohlmann, Gerhard (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.10.2015
  • Verlag: Saga Egmont
eBook (ePUB)
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Der vergessene Kaiser

Farbiger historischer Roman über Kaiser Diokletian. Diokletian stammte aus einfachsten Verhältnissen und hatte sich in der Armee bis zum Befehlshaber der Prätorianer-Garde hochgedient, die ihn 284 zum römischen Kaiser ausrief. Mit Entschlossenheit und Tatkraft konnte er weitreichende Reformen durchsetzen, rund 20 Jahre lang die Grenzen des aus den Fugen geratenen Reichs sichern und Usurpatoren niederschlagen. Im Jahr 303 leitete Diokletian die letzte und brutalste Welle der römischen Christenverfolgung ein. Aber der Kampf mit gefährlichen Rivalen im eigenen Lager blieb ihm nicht erspart. Gerhard Bohlmann (1878-1944) war ein deutscher Schriftsteller und Journalist. Er war der Sohn des Direktors der Königsberger Union-Giesserei, studierte in Berlin und Königsberg Philologie und Germanistik. Nach Ende des Krieges arbeitete er zunächst als Feuilleton-Redakteur bei der Königsberger Allgemeinen Zeitung. 1924 ging er von Königsberg nach Berlin zur Telegraphen-Union. Später arbeitete er bis zu seinem Tod 1944 beim Deutschen Nachrichtenbüro. Bohlmann verfasste seinen ersten Roman erst mit über 50 Jahren. In seinen Büchern wandte er sich vor allem historischen Themen zu - vom Frühmittelalter (Der vergessene Kaiser) bis zum Dreißigjährigen Krieg (Wallenstein ringt um das Reich).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 432
    Erscheinungsdatum: 01.10.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788711445808
    Verlag: Saga Egmont
    Größe: 1798kBytes
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Der vergessene Kaiser

I.

Der römische Rand

Die römischen Heere hatten sich in der Ebene von Alexandria an der ägyptischen Küste versammelt. Dort erstreckten sich ihre drei Lager durch die gelbe Wüste, mächtige Rechtecke mit Toren, Wachttürmen und Wällen, in denen sich die Zeltgassen aus weisser Leinwand hinzogen. Es kamen die letzten Tage des Hochsommers, der Boden war eingeglüht, aus wolkenlosem Blau wölbte sich heiss der Himmel, eine gläserne Kuppel, unter der die Luft brütete, und es gab die kochenden afrikanischen Nächte auf brennendem Sand und unter Sternen, die in ihrem Feuer zerschmelzen wollten.

Aber über den Lagern erhob sich das Kastell des Kaisers Carus, in dem er mit der Leibwache der Prätorianer hauste; sie hatten sich auf den Dünen befestigt und eingerichtet, dort waren die Wälle angeschüttet, dort hatten sie die Türme mit polierten Eisenplatten gesichert, in denen die Sonne gleisste, und auf den Plattformen standen immer die Posten, spähten in die drei Lager hinab, und jeder hatte die kupferne Tuba neben sich, als halte er sich stets bereit, die Prätorianer zum Überfall auf die Legionen aufzurufen: von solchen Vorkehrungen kam eine dunkle Erregung unter den Soldaten auf. Dazu wurde die Haltung des Kaisers und seiner Wache täglich feindseliger; die auf der Düne hatten aus Alexandria Torflügel aus dicken Bohlen angefahren und sie im Angesicht des Heeres mit Bronze beschlagen: auch dieses Metall stach den Legionären giftig in die Augen, und ihre Empörung wuchs.

In den letzten Tagen öffneten die Kaiserlichen die Tore nicht mehr. Eingeschlossen verharrten sie in ihrer Hochburg über den Lagern, hielten Wache und hatten die Tuba bereit: da begann unten der Aufruhr zu gären. In den Zeltgassen sammelten sich die Soldaten und deuteten zornig gegen das Kastell hinauf, haufenweis zogen sie vor die Tore und riefen zu den Posten auf Türmen und Wällen empor: was bedeutet er, dieser trotzige und feindliche Abschluss der Prätorianer gegen die Hauptmacht des Heeres? Was werde da hinter verschlossenen Türen ausgebrütet? Wollten die Kaiserlichen allein über die Zukunft des römischen Reichs bestimmen? Das ist noch niemals geschehen, das wird das Heer nicht dulden, die Legionen werden die Prätorianer überrennen! So riefen sie hinauf, hämmerten an den Bronzeflügeln und schlugen sich die Fäuste wund, sie tobten und heulten - droben aber blieben die Wachen gleichgültig und blickten auf die Haufen hinunter. Starr stand die Burg auf den Dünen, funkelnd schnitten sich ihre Türme in das heisse Blau des Himmels, und in den Nächten lohten auf den Plattformen die Fackeln steil himmelan, wie die feierlichen Leuchten über einem grossen Sarkophag.

Also durfte sich das Heer empören, denn seit dem Selbstmord des rothaarigen Nero beherrschten die Legionen das Reich. Nicht mehr wurde das Geschick des Staates in den grossen Städten entschieden; in einem Lager, am Rhein, an der Donau oder in Asien, wurden die Kaiser ausgerufen, die Günstlinge der Soldaten, und in einer andern Zeltgasse, in Persien oder in Italien, wurden sie erschlagen und verscharrt, aber immer war das Rechteck des römischen Lagers Thron und Tod der Kaiser gewesen, und darum fühlten sich die Legionäre als Herren der Welt: das war Recht und Gesetz geworden. Aber was sollte sich jetzt in der Ebene von Alexandria ereignen? Sie fühlten ihre Allmacht bedroht, hart lag die Hochburg des Kaisers Carus über ihnen, und wenn auf ihren vier Türmen vor dem nächtlichen Himmel die steilen Fackeln brannten, erglühten die eisernen Zinnen des Kastells, die Rüstungen der Wächter wurden rot überloht, und die Kronen der Wälle schimmerten: so leuchtete das Kastell über den Soldaten der Tiefe.

An einem grellen Morgen - noch nie hatte die Wüste dieses stechende Flimmern gehabt - waren an den Toren der drei Lager von Unbekannten Pergamente mit schwarzer und roter Schrift angeheftet, die abgelöst und durch die Zeltreihen getragen wurden. Die Legionss

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