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Der Weihnachtsmann steigt aus Roman von Göpfrich, Astrid (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.10.2015
  • Verlag: Ullstein
eBook (ePUB)
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Der Weihnachtsmann steigt aus

Weihnachtsmann, das war einmal ein Traumberuf: freundliche Kunden, Dienstschlitten gratis, pünktlicher Feierabend und viel Urlaub. Heute hingegen: Nachtschichten, wachsende Paketberge, streikende Rentiere, und danke sagt auch keiner mehr. Es hilft alles nichts, der Weihnachtsmann schmeißt hin und muss zum Arbeitsamt, das auch prompt einen Job für ihn hat. Als Fahrkartenkontrolleur schenkt er jedem Schwarzfahrer 40 Euro, damit dieser sich ein Ticket kaufen kann. Da hat er doch alles richtig verstanden, oder? Astrid Göpfrich hat Literaturwissenschaft, Kunst und Medien studiert und arbeitet als Kulturmanagerin, Lektorin, Autorin und Regisseurin von Hörproduktionen.Sie lebt mit Mann und Kater in Freiburg.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 09.10.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843711630
    Verlag: Ullstein
    Größe: 9930 kBytes
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Der Weihnachtsmann steigt aus

Himmelreich

Am späten Nachmittag des 28. Dezembers betrat der Weihnachtsmann mit hängenden Schultern das Gasthaus "Zum Himmelreich" und blickte müde in die Runde nachweihnachtlicher Gäste.

Das helle Licht der Gaststube blendete ihn, denn draußen senkte sich bereits die Dämmerung herab und tauchte die Stadt in ein geheimnisvolles Blau.

Der Weihnachtsmann blieb kurz in der Tür stehen, bis seine Augen sich an die Helligkeit gewöhnt hatten, und blinzelte. "Schnghbnd ...", gurgelte es aus seinem weißen Bart hervor, der zerzaust bis zum Bauch hinabhing. Das sollte eigentlich "Schönen guten Abend" heißen, aber vor Aufregung bekam der Weihnachtsmann seine Zähne kaum auseinander. Er war es nicht gewohnt, unter so vielen Menschen zu sein.

Die Gäste blickten erstaunt auf die ungewöhnliche Gestalt, die sich suchend nach einem freien Tisch umsah. Sie sahen einen Mann im langen Mantel, dessen Farbe einmal rot gewesen sein musste, jetzt aber ein ausgeblichenes und schmutziges Orange aufwies. Seine Füße steckten in hohen braunen Stiefeln, deren Absätze vollkommen heruntergelaufen waren.

Niemand erkannte den Weihnachtsmann. Die Gäste dachten, ein Landstreicher wäre von dem weithin sichtbaren Licht der warmen Gaststube angezogen worden und hätte Schutz vor der rauhen Witterung gesucht. Gelangweilt wandten sie sich ab und nahmen nach und nach ihre Gespräche wieder auf.

Der Weihnachtsmann setzte sich an den einzigen freien Tisch direkt neben der Tür. Plötzlich merkte er, wie zittrig seine Beine waren, denn er hatte seit Tagen nichts Richtiges gegessen. Hier duftet es ja verheißungsvoll, dachte er und versuchte, den Geruch mit seiner etwas spitzen Nase einzufangen.

Der Weihnachtsmann wusste aber nicht, wie man in einem Gasthaus etwas zu essen bestellt. Aus den Augenwinkeln beobachtete er, wie eine junge Frau dampfende Getränke und schmackhaft aussehende Gerichte an die Tische trug. Ihm lief das Wasser im Mund zusammen. "Grrrrrrk ...", grummelte sein Magen erbärmlich, "Grrrrrrkrrrk ..."

Vor ihm lag ein schmales Buch mit der Aufschrift "Speisekarte". Er klappte es auf und las: "Ge...füllte Maul...taschen", "Schnitzel mit Bratkartoffeln" oder "Pfannkuchen mit Pilzfüllung". Keines der Gerichte sagte ihm auch nur das Geringste.

In den himmlischen Gefilden, wo er lebte, gab es Sternschnuppensuppe oder Schneeflockenkaltschale und zum Nachtisch Mondsichelmus und Kristalleis, aber niemals hatte er von Gerichten wie diesen gehört. Verwirrt blickte er in die Karte und suchte fieberhaft nach etwas Bekanntem. Er war so sehr in den Klang der eigenartigen Worte vertieft, dass er gar nicht bemerkte, wie eine Kellnerin an seinen Tisch kam und ihn erwartungsvoll ansah.

"Haben Sie was gefunden, junger Mann?"

Der Weihnachtsmann sah erschrocken auf und blickte in zwei freundlich spöttische grüne Augen. Sofort entspannte er sich etwas und zeigte hilfesuchend auf die vielen Gerichte: "Ich weiß nicht ..." Sein Zeigefinger wanderte ratlos die Speisekarte auf und ab.

"Ja, unsere Karte ist ziemlich üppig", sagte die Kellnerin nicht ohne Stolz, "da waren schon viele überfordert."

"Ja, ... ja überfordert", lachte der Weihnachtsmann erleichtert über die unverhoffte Lösung und lehnte sich zurück. "Könnten Sie mir vielleicht ... etwas empfehlen?", fragte er scheu.

"Klar", sagte die Kellnerin und strich sich eine vorwitzige blonde Strähne aus dem Gesicht, "nehmen Sie doch einfach das Tagesgericht. Schmeckt köstlich." Sie zeigte auf eine große Tafel über der Theke, auf der mit Kreide Heute: Käsespätzle mit gerösteten Zwiebeln geschrieben stand.

"Ja ... genau, Kesse-Spätzle, das nehme ich", antwortete der Weihnachtsmann siegessicher, doch er hatte keine Ahnung, was er da gerade bestellte.

Die Kellnerin musste über die falsche Aussprache der Käsespätzle innerlich grinsen, ließ sich aber nichts anmerken. Wahrscheinlich kommt der bärtige alte Mann von a

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