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Der Winterpalast von Stachniak, Eva (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 22.10.2012
  • Verlag: Insel Verlag
eBook (ePUB)
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Der Winterpalast

Geheime Gänge, verdeckte Türen, dunkle Nischen: Als die Waise Varvara als Dienstmädchen in den Winterpalast kommt, lernt sie schnell, sich ihre Verschwiegenheit und ihren aufmerksamen Blick zunutze zu machen. Keine Intrige, die ihr entginge, kein Getuschel, das ihren Ohren verborgen bliebe. Schnell wird sie zu einer der wichtigsten "Spioninnen" im Palast. Als die junge Sophie von Anhalt-Zerbst - die spätere Katharina die Große - an den Hof kommt und auf dem Weg zur Macht eine Verbündete braucht, wird Varvara ihre engste Vertraute. Schließlich erklimmt Katharina den Zarenthron - aus der unerfahrenen Fremden wird eine der mächtigsten Frauen ihrer Zeit. Eva Stachniaks opulenter Roman über die ungewöhnliche Freundschaft zweier Frauen führt den Leser in eine Welt, in der Leidenschaft und Vertraulichkeit auf Heimtücke und Verrat treffen - in die abgründig-geheimnisvolle Welt des russischen Zarenhofs, gehüllt in schweren Brokat und knisternde Seide. Eva Stachniak, geboren im polnischen Wroc?aw, lebt in Toronto. Sie hat für Radio Canada International gearbeitet und als Dozentin für Englisch und Geisteswissenschaften am Sheridan College gelehrt. Mit Necessary Lies gewann sie den Canada First Novel Award .

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 529
    Erscheinungsdatum: 22.10.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783458788805
    Verlag: Insel Verlag
    Serie: Katharina II. 1
    Originaltitel: The Winter Palace
    Größe: 2877 kBytes
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Der Winterpalast

Zwei
1744-1745
I n Moskau kaufte die Großfürstin Katharina Alexejewna Geschenke.
Ein Stück Musselin für die Gräfin Rumjanzewa, ein marmornes Ei auf einem goldenen Sockel für ihre Mutter.
Eine chinesische Vase, eine Ballerina aus Porzellan. Ein Halsband mit Pfauenfedern. Ein Kästchen aus Birkenrinde, das ein kleineres Kästchen enthielt und dieses wieder eines und so weiter bis zum allerkleinsten. Wenn man daran schnupperte, roch man den Duft von Pilzen. Ein Reitkostüm mit spitz zulaufenden Rockschößen und Manschetten an den langen Ärmeln.
Eine Muskete für den Großfürsten, eine Miniaturkanone, eine Anzahl Gipsbäumchen, die er rund um seine Modellfestungen aufstellen konnte.
Einen Helmständer.
Die Kaufleute von Moskau mit ihren Ladendienern, schwer beladen mit Paketen und Kisten, standen vor ihrem Schlafzimmer Schlange. Sie führten ihr Puppen vor, die nach der neuesten Pariser Mode gekleidet waren, lockten sie mit Straußenfedern, Brüsseler Spitzen, mit hauchdünnen Seidenstoffen und eleganten Hauben. Sie machten sie darauf aufmerksam, dass die Kaiserin den Pariser Schick über alles schätzte. Sie ließen sie Stoffmuster betasten, rühmten den Schimmer von Perlen, die imposante Pracht von Rubinen, das Glitzern von Saphiren auf der Haut, das in seiner ganzen Subtilität dem Flügelschlag des Schmetterlings gleicht.
Schätzte der Großfürst nicht das dunkle Preußisch-Blau vor allen Farben?, fragten sie, wenn sie ihre schimmernden Stoffe auf dem Boden ausbreiteten. Sie sprachen davon, dass jede Frau ein bisschen Hilfe gebrauchen könne, wenn sie einen Mann an sich binden wolle – verbergen und enthüllen, das sei die Kunst, auf die es ankomme. Sie boten Pomaden und Parfüms an, Feuchtigkeit spendende Lotionen, Essenzen mit dem Duft von Rosen, Narzissen, Orangenblüten.
"Das russische Volk blickt auf Sie, Hoheit. Sie dürfen nicht zweimal dasselbe Kleid tragen. Gerade geschnittene Ärmel sind nicht mehr in Mode."
Sie konnte es sich nicht leisten, übertrumpft zu werden oder als knickrig zu gelten. Ihre neuen Freunde erwarteten Zeichen ihrer Wertschätzung. Und auch die Loyalität ihrer Dienerschaft musste erkauft werden. Wenn sie die Leute nicht bei der Stange hielt, würden andere sie bezahlen.
Also kaufte sie Nähkörbchen, Puderquasten, Schönheitspflaster, Schnupftabaksdosen, Duftkissen und weiße Handschuhe im Dutzend. Das sei keine Verschwendung, redete man ihr ein, es sei notwendig. Stimmte es, was man von dem preußischen König Friedrich erzählte? Dass er immer genau aufpasste, wie viel Käse vom Abendessen übrig blieb, und darüber Buch führte? Dass er Kerzenstümpfe sammeln und einschmelzen ließ, um das Wachs zu verkaufen?
Wenn ein Kaufmann ein gutes Geschäft machen kann, ist er gern bereit, ein paar Wochen auf sein Geld zu warten. Um alte Schulden zu tilgen, kann man neue Kredite aufnehmen – aber das geht nicht endlos so weiter.
"Die Bankiers reiben sich die Hände", sagte der Kanzler gut gelaunt. "Und ich begann schon zu fürchten, unsere kleine Hausfrau würde uns einen harten Kampf liefern."
Schulden können leicht zu Streit führen, zu Vorwürfen, die Kaiserin sei geizig. Katharina war zwar mit dem Thronprinzen verlobt, aber sie war noch nicht seine Frau.
Ich sah sie an und dachte: Ich kann nichts für dich tun.
Aber dann wurde alles anders.
Mitte Dezember zog der Hof von Moskau wieder nach Sankt Petersburg um

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