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Der Zug nach dem Morgenlande von Heymann, Robert (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 19.02.2017
  • Verlag: Saga Egmont
eBook (ePUB)
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Der Zug nach dem Morgenlande

Deutschland im Ersten Weltkrieg. Die Baronin von Salm stattet der Frau Geheimrat Scholz einen Besuch ab. Ein bitteres Leid plagt die Baronin: Seit Kriegsausbruch hat sie nichts mehr von ihrem Sohn gehört, den sie irgendwo in Sibirien verschollen glaubt. Doch tatsächlich sitzt Maximilian von Salm auf einem polnischen Gut gefangen und ist dort nur noch am Leben, weil der Pole Boris von Kareszynski sich für ihn eingesetzt hat. Zwischen beiden entwickelt sich eine ambivalente Freundschaft, die jedoch ein brutales Ende nimmt, als Boris bei Eintreffen der Deutschen ermordet wird. Schweren Herzens folgt Maximilian seiner soldatischen Pflicht, die ihn weiter nach Osten ruft ... Heymanns packender Kriegsroman lässt ein umfassendes Panorama des Ersten Weltkriegs entstehen, dessen Stationen über Deutschland und Polen bis nach Russland, Konstantinopel und Bagdad führen. - 'Der Zug nach dem Morgenlande' bildet nach 'Gesegnete Waffen' die zweite Fortsetzung des Romans 'Das flammende Land'. Als vierter und fünfter Band folgen 'Das Lied der Sphinxe' und 'Der Fluch der Welt'.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Erscheinungsdatum: 19.02.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788711503553
    Verlag: Saga Egmont
    Größe: 1283 kBytes
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Der Zug nach dem Morgenlande

Sie trug Reitstiefel und ihre polnische Bauerntracht. Am Zügel hielt sie ihr Pferd.

"Sie sollen sofort zurückreiten. Pan Baron - bei dem grossen Brunnen stellt der Herr eine Wache auf - man will Sie verhaften -."

Sie stiess die Worte atemlos hervor.

Also hatte Stefan recht, dachte Maximilian.

"Was ist denn geschehen Kathinka?"

"Ich erzähle es auf dem Wege. Der Herr hat gesagt, ich soll Sie sogleich mitnehmen. Hat mich schwören lassen auf die Heiligen, dass ich Sie suche und finde. Kommen Sie, Pan Baron, die Leute werden aufmerksam!"

Wie im Traume ging Salm in den Hof und befahl, sogleich sein Pferd vorzuführen.

In der Strasse blieben Leute stehen und begafften das seltsame Paar. Salm wurde unruhig. Endlich führte der Diener sein Pferd herbei. Er trug ihm auf, Wera seine Entschuldigung zu überbringen, und schwang sich in den Sattel; Kathinka folgte ihm.

So ritten sie durch die Strassen. Zu jeder anderen Zeit hätten sie Aufsehen erregt. Aber die Panik, die die Landbevölkerung vor Warschau ergriffen hatte, belebte die Stadt. Hunderte von Ochsenwagen und Karren, die von kleinen Pferden gezogen wurden, füllten die Strassen. Frauen und Männer in den phantastischsten Trachten waren zu sehen. Die Bauern waren vor den anrückenden Deutschen geflüchtet und trieben sich nun in Warschau umher. Schon vor Tagen waren ganze Züge dieser Flüchtlinge abtransportiert worden, aber der Strom nahm kein Ende.

So fielen Salm und Kathinka nicht weiter auf; aber sie kamen nur langsam und im Schritt durch die aufgeregte Stadt. Die wildesten Gerüchte schwirrten umher. Endlose Züge von Verwundeten trafen ein, ungezählte Kolonnen von Reserven zogen an die Front. Man wusste nichts - man fürchtete alles und hoffte, die Russen würden standhalten, während auf vielen Gesichtern nichts als Spannung vor dem Kommenden zu lesen war.

Etwas Müdes und Scheues lag in allen Mienen. Das Volk war erschöpft. Menschen mit gelben Gesichtern, in denen dunkle Augen brannten, liefen ziellos umher. Es war, als sei die ganze Stadt gealtert ...

Und wie Raketen schwirrten die Zurufe durch die Strassen. Menschen, die sich gar nicht kannten, riefen sich die aufgeschnappten Neuigkeiten zu:

"Die Russen sind geschlagen!"

"Es war vorauszusehen!"

"Nein, es ist nicht wahr! Die Deutschen fliehen schon!"

"Sie werden in Warschau einrücken und die ganze Stadt dem Erdboden gleich machen!"

"Seid Ihr verrückt? Sie werden sich hüten, die Königsstadt zu zerstören!

"Und ich sage. Sie werden bis Petersburg marschieren!"

"Es dämmert schon," sagte Salm zu Kathinka, die bleich hinter ihm ritt. "Wir müssen so schnell wie möglich aus der Stadt kommen, wenn wir überhaupt noch herausgelassen werden wollen!"

Sie hatten einen Umweg machen müssen. Über die drei Brücken von Praga herüber wälzten sich immer wieder Soldaten. Salm hielt auf dem Schlossplatz. Die tausendköpfige Menge hatte ihn und seine Begleiterin bis hierher gedrängt. Er wusste nicht, wie er sich aus dem Menschenknäuel befreien sollte. Unruhige, spähende Augen sahen zu ihm auf. Man beobachtete ihn. Überall trieben sich ja die Spitzel der "echt russischen Leute" umher. Wie sollte er herauskommen?

Vor ihm lag das Denkmal des Königs Sigismund III. Er ritt langsam gegen das Schloss hinüber, von dem aus einst die Herzöge von Masovien das Land beherrscht hatten. Dann wandte er sich südlich. Da konnte er durch. Truppen marschierten vor ihm. Es war russische Gardekavallerie. Zwei Reiteroffiziere unterhielten sich laut und ungeniert über die letzte Meuterei der Gardekavallerie vor Petrikau. Die Leute hatten nicht in die Schützengraben gehen wollen.

"Man hat sie mit Maschinengewehren hineingetrieben, da blieben dann die meisten gleich drinnen liegen!" bemerkte zynisch der eine.

Inzwischen war es dunkler geworden. Salm kannte keine Angst. Aber seine Unruhe wuchs. Sie ritten am Palast pod Blacha vor

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