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Der zweite Wind Kurzgeschichten von Kähler, Telse Maria (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 07.12.2016
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Der zweite Wind

Das Leben ist voller Überraschungen. Tatsachentreffen, Edle Häuptlinge, Das Leben ist ein Strom oder Die Sandwichfrau, dies sind nur einige der Kurzgeschichten, in denen die Autorin Telse Maria Kähler ihre Leserinnen eintauchen lässt in die Momente des Lebens, die dem Alltag wie ein erfrischender Wind neue Impulse geben. In diesem Band mit Kurzgeschichten beschreibt die Autorin humorvoll, mal fantastisch, dann wieder gefühlvoll und nachdenklich Themen der zweiten Lebenshälfte. Die Autorin Telse Maria Kähler wurde 1954 in Lübeck geboren. Seit 1993 lebt sie in Isenbüttel bei Gifhorn. Sie ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Um ihrem technisch, analytischen Beruf etwas entgegenzusetzen, sie ist Inhaberin eines Internetunternehmens, begann sie vor circa fünfzehn Jahren Kurzgeschichten und Gedichte zu schreiben. Später kamen Romane und Ratgeber hinzu.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 144
    Erscheinungsdatum: 07.12.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783743186057
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 595 kBytes
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Der zweite Wind

Raumleere

Nicht dass sie sich beklagt hätte. Und doch, sie vermisste ihre Kinder. So anders war ihr Leben geworden, seitdem Nadja und Leon ausgezogen waren.

"Vernünftig sein! Ja, meine Liebe, du weißt, Abschiede gehören zum Leben. Eines Tages sind die Kinder groß und dann müssen sie ihr eigenes Nest bauen. Ihr eigenes Leben gestalten!" Wie oft hatte Lena diesen Satz schon vor sich hin gesagt. Die erhoffte Wirkung ließ auf sich warten - immer noch.

"Was ist nur los mit mir?", fragte sie sich, denn gerade heute vermisste sie ihre beiden Lieblinge besonders arg.

"Eigentlich war ich doch froh, dass sie endlich auszogen. Diese ewige Hinterherräumerei. Und dann immer dieses Genörgel, nur weil sie wieder einmal nicht damit einverstanden waren, was ich gekocht hatte. Und doch - sie fehlen mir so!", seufzte sie. Sie dachte an die endlosen Diskussionen am Esstisch, die sich um Gott und die Welt drehten und zuweilen sehr hitzig verliefen. Ihr fehlten die Erlebnisberichte der Kinder. Jeden Tag brachten sie neue Geschichten mit nach Hause. Wie oft kamen sie voller Wut und Frust aus der Schule, weil etwas schiefgelaufen war, dann wieder voller Glück und Freude. Sie vermisste ihr Lachen, ihre Stimmen.

Es ist erstaunlich, wie leer ein Haus sein kann, wenn der Nachwuchs ausgeflogen ist. Alles fühlte sich so anders an, seitdem sie nicht mehr hier wohnten. Bisher war Lena nie bewusst geworden, wie viel Raum ein Mensch ausfüllen kann. Jetzt spürte sie diese Leere fast körperlich.

Ihr Mann hatte an diesem Tag Termine, so war sie allein, wieder einmal allein. So allein.

"Wie ruhig es doch ist und leer - so leer!", dachte sie traurig. Nachdenklich zündete sie sich eine Kerze an. Dann setzte sie sich in ihren Lieblingssessel und lauschte in die Stille.

"Jetzt habe ich die Ruhe, die ich mir immer so sehnlichst gewünscht habe." Dieses Gefühl war neu für Lena. Unwillkürlich dachte sie an die vielen Menschen, die alleine lebten.

"Ich habe nie alleine gelebt", stellte sie fest. Ihr Leben verlief immer eingebettet in eine große Familie. "Wie wird es mir wohl ergehen, wenn ich einmal ganz alleine leben muss?", fragte sie sich. "Ich fühle mich heute schon so einsam!" Ein sehr unerquicklicher Gedanke.

Ihr Blick glitt über die Wohnzimmereinrichtung und blieb an den einzelnen Möbelstücken hängen. Alte Geschichten tauchten in ihrem Kopf auf. Erinnerungen an Zeiten, in denen die Kinder klein waren. Sie hatten das Sofa nie wirklich als Sitzmöbel genutzt, eher als Trampolin oder Kuschelecke. Manchmal auch als Ablage für Spiele oder Schulhefte. Dieses Wohnverhalten hatte Spuren hinterlassen. Seltsamerweise störten Tina diese Gebrauchsspuren heute kaum, sie hatten eher etwas Tröstliches.

"Wie schnell die Jahre vergehen, merkt man erst, wenn man zurückblickt", dachte sie. "Der ganze zwischenmenschliche Reichtum, das liebevolle Miteinander trotz Auseinandersetzung und Reibungsverluste wird einem plötzlich bewusst. Und man stellt fest, wie schön diese Zeit war. Steckt man mitten drin, registriert man diese Lebendigkeit und Freude kaum - man lebt einfach so vor sich hin." Lena seufzte.

"Lebe ich wirklich? Oder bin ich viel zu oberflächlich? Immer nur auf das Morgen bedacht?", fragte sie sich. Dieser Gedanke hatte etwas Erschreckendes.

Leben schreitet nur in eine Richtung voran - vorwärts. Stunden, die gewesen sind, sind vergangen. Kaum ist der Moment gekommen, schon ist er wieder vorbei, ist Vergangenheit - nur noch eine Erinnerung. Was kommt, ist erst Zukunft, dann das Jetzt und schon vorüber. Festhalten lassen sich diese Momente nicht, nur in unseren Erinnerungen existieren sie weiter. Doch Erinnerungen sind trügerisch. Sie verändern, schönen, mildern ab oder betonen über. Erinnerungen sind Bilder, die immer neu entstehen, immer ein wenig anders, weil wir heute anders fühlen, anders denken. Erinnerungen sind nie gleich.

"Heute erinnere ich mich gerne, blende

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