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Des Teufels Schreiber von Witthaut, Brunhilde (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.10.2014
  • Verlag: Sieben Verlag
eBook (ePUB)
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Des Teufels Schreiber

Bretagne im Jahr 1440. Der junge, ehrgeizige Mönch Laurent glaubt sich am Ziel seiner Träume, als er Schreiber des heldenhaften Barons de Rais wird. Er entwirft ein Zauberbuch und bindet den Baron mit falschen Voraussagen an sich. Er ignoriert sogar die Gerüchte, nach denen dieser seit langem Kinder missbraucht und tötet, und beruhigt sein Gewissen. Doch die Strafe folgt auf dem Fuße. Prelati, der melancholische Geliebte des Barons, sein fröhlicher Bursche Giacomo und Loan, Laurents Gefährtin, geraten mit ihm in einen Strudel aus Leid, Verzweiflung und Tod. Laurent beschließt voller Reue, de Rais in seinem Treiben zu stoppen. Kann er mit Hilfe des Zauberbuches dem Baron Einhalt gebieten?

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 400
    Erscheinungsdatum: 01.10.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783864434099
    Verlag: Sieben Verlag
    Größe: 686 kBytes
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Des Teufels Schreiber

Die Rache ist mein; ich will vergelten. Zu seiner Zeit soll ihr Fuß gleiten; denn die Zeit ihres Unglücks ist nahe, und ihr Künftiges eilet herzu.

(5. Mose 32,35)

Kapitel eins

Anfang März 1440

An diesem Abend rieselte unerwartet Schnee vom Himmel herab und milderte die Dunkelheit durch ein sanftes Leuchten. Einige Mönche, die auf dem Rüc k weg in ihre Zellen waren, hoben erstaunt ihre Köpfe, als sie die Flocken auf ihren Tonsuren spürten. Es schneite nicht oft an der Loire, denn die warmen Wi n de des Atlantiks schützten die Herzogtümer Bretagne und Anjou vor einem allzu frostigen Winter. Im Kreuzgang des Klosters St. Quentin les Anges nahe der Stadt Segre schoben die Windböen den weißen Schleier um die Säulen herum, sodass es den Anschein hatte, die in den Tuffstein gemeißelten Schlangen der Kapitelle wären leibhaftig hinabgestiegen und kröchen über den Boden. Gelbliches Öllicht sickerte durch die Fenster des Hauptflügels, während das Gotteshaus sich in friedlichem Schlaf befand. Doch nicht jede Zelle war erleuchtet.

Der Dampf der unterdrückten Schreie, der aus La u rents Mund quoll, stieg nach oben, ohne die Holzd e cke der Kammer zu erreichen. Der Atem starb vorher einen langsamen Tod und auch Laurent dachte, bald sterben zu müssen.

Das Wissen, dass sein Mitbruder nicht vorhatte, ihn zu töten, verschaffte ihm keine Erleicht e rung, denn das, was dieser tat, erschien ihm schlimmer als der Tod. Der Leib Bruder Pierres lag wie ein Stein auf ihm und drückte die Luft aus seinen Lungen, jeder Stoß brachte ihm Schmerz und Pein. Laurent öffnete die Augen und erblickte die Wolldecke des Lagers, auf dem er bäuchlings lag. Über ihm der dicke Mi t bruder , keuchend und lustvoll schnaufend. Laurent zwang sich, die Tränen zu unterdrücken. Was hatte er eigen t lich erwartet?

Nun bereute er die Einfältigkeit, mit der er auf den Handel eingegangen war. Doch das ihm a n gebotene Buch über Alchemie, genauer gesagt über das Opus Magnum, war lohnenswert und nur Bruder Pierre als Leiter der Bibliothek durfte es aus einem der Schränke hervorziehen. Es stand ungenutzt und verlassen zw i schen all den anderen Kostbarkeiten aus Pergament und Papier, die dort vor sich hin moderten, bedeckt mit Staub und Mäusedreck. Das tröstende Bild des Lede r einbands verblasste jedoch mit jeder Bewegung seines Peinigers. Furcht überfiel Laurent, wä h rend er den Atem in seinem Nacken spürte. Ob sein Mitbr u der besessen war? Doch dann sagte er sich, dass kein höllischer Geist so schnaufen und pusten würde; ein Dämon konnte einfach nicht so tumb und naiv sein, dass er die Reibung des Geschlechtsteils für so erstr e benswert hielt.

Laurent begann zu zweifeln, ob dieses Buch es wert war, eine solche Demütigung und Schä n dung ertragen zu müssen, doch der Gehorsam war stärker und auch die Angst vor den Kons e quenzen, die Bruder Pierre einleiten konnte, wenn ihm der Sinn danach stand.

"Nein", schrie er noch einmal, etwas lauter als zuvor, ohne die Wände zu durchdringen. Kaum hatte er den Mund wieder geschlosse

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