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Deus Ex Machina Eine sehr banale Kurzgeschichte von Liebe, Yannick (eBook)

  • Verlag: Books on Demand
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Deus Ex Machina

Tagein, tagaus begegnen wir hunderten von Menschen, doch was wissen wir eigentlich über sie? Wo kommen sie her? Was sind ihre Ängste, Probleme? Welche Einstellung haben sie und - ist es reiner Zufall, dass wir sie getroffen haben? Diese Fragen liegen "Deus Ex Machina" zugrunde, weshalb scheinbar alltägliche Situationen aus mehreren Blickwinkeln völlig anders beschrieben werden. Die Rahmenhandlung diktiert ein etwas spezieller Zeitgenosse, der seine Lebenszeit hauptsächlich in den weniger schönen Vortorten Frankfurts verbracht hat und deswegen eine etwas eigene Vorstellung von Werten und Moral pflegt. Satirisch und kritisch hinterfragt dieser Text den ganz normalen Wahnsinn des alltäglichen Lebens. Yannick Liebe wird am 15.09.1996 in Frankfurt am Main geboren und lebt im angrenzenden Rhein-Main-Gebiet. Nach einer kurzen Tätigkeit bei der Deutschen Rentenversicherung Hessen arbeitet er mittlerweile als Freiberufler im Bereich Marktforschung und studiert in Frankfurt Soziologie.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 184
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783752881561
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 322 kBytes
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Deus Ex Machina

III

Erinnert ihr euch noch? Der Typ aus dem Zug... Der, der sich eine komplett falsche Identität aufgebaut hat. Genau ja, ihr haltet mich sicher immer noch für verrückt. Nun ja, ich habe meine Geschichte bis heute nur einer Person erzählt. Irgendwie stehe ich dieser Person nicht mal wirklich nahe, weshalb es komisch klingen mag, dass ich ausgerechnet ihr das anvertraue. Aber es ist besser für mich, wenn ich die entsprechende Person nicht so gut kenne. Sollte diese Person die Achtung vor mir verlieren, würde das meine Welt nicht zum Einstürzen bringen. Meine echte, meine innere Welt natürlich (macht das einen Sinn?). Ich war mit ihr auf einem Work-and-Travel-Programm in New York gewesen. Ich habe nur auf dem Hinflug mit ihr geredet, danach gingen wir freilich getrennte Wege - es war ja auch in diesem Programm nicht angedacht, dass man dort zusammen was unternimmt. Aber, na ja, der Flug ist lang und wenn man sich angenehm unterhält, vergeht die Zeit doch gleich viel schneller. Deshalb hatte ich ihre Nummer noch. Und ich habe sie angerufen. Nun ja und ich habe es ihr erzählt. Sie hatte gerade ein Buch fertig geschrieben, in dem es um einen ihrer Freunde ging. Sehr interessantes Buch - sie hat eine tolle Art zu schreiben. Und, was soll ich sagen, nun liegt dieses Buch bei mir und ich habe es gelesen. Es geht nicht direkt um mich. Aber um die Scheinheiligkeit in der Gesellschaft. Und das betrifft mich zweierlei. Erstens weil ich natürlich selber in gewissem Maße scheinheilig bin, mit meiner falschen Identität, aber zum anderen auch, weil einen die Gesellschaft faktisch zwingt, derartige Dinge zu tun. Das Buch geht ungefähr so.

DIE SCHEINHEILIGEN

Tagein, tagaus dasselbe Lächeln. Wenn man morgens durch die Tür kommt, die Firma betritt und die Menschen am Empfang grüßt. Von mir dasselbe Lächeln wie von ihnen. Es ist ein scheinheiliges Lächeln. Ich weiß nicht, ob ich einen dieser Menschen auf der Straße erkennen würde und direkt wüsste: Oh, das sind ja die netten Herren vom Empfang. Ich glaube es sind solche Menschen, die man nur in einem bestimmten Kontext kennt und auch nur dort mit ihnen zu tun hat. Man will das auch so, man will nicht, dass diese Menschen mehr über einen wissen. Außer, dass man ja offensichtlich in derselben Firma arbeitet. Es ist nicht so, dass das freundliche "guten Morgen" völlig absurd sei. Natürlich wünsche ich keinem dieser Leute etwas Schlechtes, aber die interessante Frage ist doch, ob es meine Laune trüben würde, wenn diese Leute eben keinen guten Morgen hatten. Würde es mich nachhaltig stören, wenn das Auto des Pförtners kaputt wäre und er deshalb zwei Stunden mit dem Bus hierherfahren musste? Oder, wenn er einen Wasserschaden in seiner Wohnung hätte...? Vermutlich nicht. Man gönnt sowas niemandem, aber es stört einen bei den wenigsten Menschen, wenn es tatsächlich eintritt. Somit ist doch dieses freundliche Grüßen und Wünschen eine Fassade, hinter der sich keine eklige Fratze, aber ein graues Gesicht der Gleichgültigkeit verbirgt.

Ich glaube es gibt nichts Scheinheiligeres als das Büro. Dieser Lebensraum ist nicht natürlich für die Menschen. Wäre das der Fall, wären die Menschen ja schon vor der Industrialisierung auf die Idee gekommen, große Büroräume einzurichten und Gebäude zu bauen, nur um Büros darin unterzubringen. Sind sie aber nicht. Und das muss ja einen Grund haben. Seit der Industrialisierung geht es um den Menschen in seiner Effizienz. Nicht etwa um ihn als Person - der Gedanke der Aufklärung verschwindet mit der ersten industriellen Revolution und mit jeder neuen verschwindet er ein bisschen mehr. Mit der jetzigen Industrie 4.0 wird der Mensch vermutlich irgendwann vollends durch Bits, Bites und Glasfaserkabel ersetzt werden. Aber na ja, vielleicht wird dann kein Mensch mehr gezwungen, wie eine Legehenne in einem Großraumbüro zu sitzen. Voll von marginalen Gesprächen, die mit "Small-Talk" noch gut beschrieben sind. "Wie war

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